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Notitiae Austriacae –#

Kulturelle Zeitschrift zur Förderung der klassischen Sprachen Latein und Griechisch, der Landeskunde und der Naturwissenschaften, der allgemeinen und humanistischen Bildung#


von

Dr. Markus Loew


Zweifelsohne liegt die Bedeutung der Kulturellen Zeitschrift "Notitiae Austriacae", welche von 1981 bis 1999 regelmäßig erschienen ist, in ihrem steten Einsatz für Wissenschaft und Bildung. Dieser Umstand findet dadurch sichtbaren Ausdruck, dass ein Motto der Zeitschrift "scientia et humanitas" lautete. Ermöglichen doch die "Notitiae Austriacae" ihren Lesern eine stete Erweiterung und wissenschaftlich fundierte Festigung ihrer Bildung.


Diese kulturelle Tat trug von der ersten Ausgabe an ein einziger Mann auf seinen Schultern, nämlich Prof. Dr. Hans Kutschera. Ohne seine Initiative und sein Engagement wäre die Zeitschrift nicht zustande gekommen. Er machte es sich zur Aufgabe, einen neuen Weg auf dem Gebiete des Zeitschriftenwesens zu gehen. Es war eine großartige Idee, das Lateinische mit der deutschen Sprache dergestalt zu verbinden, dass es zur Grundlage der Wissensdarstellung für Schüler und Pädagogen wurde. Diese "Zweisprachigkeit" macht es auch möglich, dass die Zeitschrift einen weit größeren Leserkreis als bloß Altphilologen anzusprechen versteht.


Die mit der Zeitschrift angestrebte Stärkung der geistigen Macht der Humanität, der humanistischen Bildung, ist nicht hoch genug zu bewerten. Jeder Fackelträger dieser geistigen Richtung ist leuchtendes Vorbild. Bildung sollte den Menschen für die Auseinandersetzung mit allen Lebensbereichen befähigen und darüber hinaus das Bedürfnis für die weitere Auseinandersetzung mit den Fragen und Problemen aus den Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Politik, der Religion sowie der Kunst und der Wissenschaften wecken. Bildung darf dabei also nicht als Zustand, sondern muss als Prozess begriffen werden, dem jeder Mensch zeitlebens unterworfen ist. Sie endet daher nicht mit dem Abgang von der Schule, sondern bedarf der Weiterentwicklung und lebenslänglichen Entfaltung. In diesem Bereich können die "Notitiae Austriacae" einen wesentlichen Beitrag leisten.


Die Bedeutung der Zeitschrift geht jedoch über dieses Hilfsmittel der Lehrenden und Studierenden weit hinaus. Sind doch seit Februar 1985 zahlreiche Sonderbeilagen erschienen, von denen stellvertretend jene über die "Alma mater Paridiana zum 25-Jahr-Jubiläum der Wiedererrichtung der Universität Salzburg" und "300 Jahre Newtons Principia" besonders hervorzuheben sind. Viele der Sonderbeilagen öffnen den Blick in die Schönheiten unserer geliebten Heimat und ihrer Geschichte.


Diesen Umstand hat auch der langjährige Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien, Dr. Helmut Zilk, in seinem Geleitwort zu der 1989 erschienenen Festschrift "Scientia et humanitas" angesprochen. Dort heißt es: "Mit Leben erfüllt wird das alte Kulturgut [...] erst durch Menschen, die sich seiner annehmen. In diesem Sinn danke ich Herrn Dr. Hans Kutschera für sein jahrelanges Engagement und seinen beharrlichen Idealismus bei der Herausgabe der 'Notitiae' [...] Denn die Zeitschrift, die sich vor allem die Pflege der lateinischen Sprache und der humanistischen Bildung zum Ziel gesetzt hat, wird diesem Anspruch in bestechend einfacher und vorbildlicher Weise gerecht: Vor allem die geschichtlichen Beiträge speziell über Wien tragen durch die Verwendung alter Dokumente als Primärquellen in anschaulicher Form zur Vertiefung des Wissens und zur Hebung des Interesses und Verständnisses für die historische Entwicklung bei."


Betrachtet man rückblickend die erste Ausgabe der Zeitschrift, die im Jänner 1981 unter dem ursprünglichen Titel "Notitiae Favoritenses" am 1. Bundesgymnasium Wien X. erschien, so kann man feststellen, welch interessante und vielfältige Informationen die Zeitschrift von Anfang an beinhaltete. Es wird offensichtlich, dass es von Anfang an Zielsetzung der Zeitschrift gewesen ist, die lateinische Sprache zu pflegen und zu verlebendigen, Themen der Geistes- und Naturwissenschaften zu behandeln, aktuelle wissenschaftliche und kulturelle Berichte zu bringen und den Leser an die ersten Quellen der Geschichte heranzuführen. So brachte bereits die erste Nummer unter anderem die "Nennung des Namens Wien vor 950 Jahren" in den Annalen des Klosters Altaich.


Aber welchen Respekt fordert erst die Entwicklung ab, die die Zeitschrift seit damals genommen hat. Sehr bald erstreckte sich die Verbreitung weit über das eine Favoritner Gymnasium hinaus. Äußerlich sichtbare Veränderungen haben diese Entfaltung begleitet: Ab der 21. Ausgabe im September 1982 wurde der Titel in "Notitiae Viennenses" umgewandelt, den die Zeitschrift bis August 1989 behielt. Seit Juli/August 1987 ist am Deckblatt stets der Zusatz "Kulturelle Zeitschrift zur Förderung der lateinischen Sprache, der allgemeinen und humanistischen Bildung" unter dem Titel zu lesen. Und seit Jänner/Februar 1992 wurde dieser Zusatz noch um die "Förderung der Landeskunde" erweitert. Auch die optische Aufbereitung hat einen bewundernswerten Fortschritt genommen: Seit Editio 77/78 von Mai/Juni 1987 wird der Leser nicht nur mit Textzitaten, sondern darüber hinaus mit Bildquellen "ad fontes" geführt, seit Editio 151/152 von Juli/August 1993 sogar teilweise in Farbe. Die Bezeichnungen "Vide" und "Nota bene" signalisieren Quellenangaben und Literaturhinweise und machen auf verschiedene Veranstaltungen aufmerksam. Seit Editio 105/106 von September/Oktober 1989 schließlich führt die Zeitschrift den Titel "Notitiae Austriacae". Dadurch kommt zum Ausdruck, dass die "Notitiae" in allen ihren Ausgaben und mit ihren zahlreichen Sonderbeilagen Berichte über ganz Österreich bringen und so viele Interessenten in sämtlichen Bundesländern gefunden haben.


All die Jahre jedoch gleich geblieben ist das, was die "Notitiae Austriacae" so wertvoll macht, nämlich die Eigenschaft, "kulturell immer aktuell" zu sein und der Wissenschaft und der Bildung zu dienen. So ist es keineswegs verwunderlich, dass die "Notitiae" auch Aufnahme in zahlreichen namhaften wissenschaftlichen Bibliotheken und Archiven Österreichs gefunden haben.


Außer durch die regelmäßige Herausgabe der Nummern, Sonderbeilagen und Festschriften treten die "Notitiae" immer wieder durch Veranstaltungen in Zusammenhang mit Jubiläen in Erscheinung. Die beiden Festveranstaltungen aus Anlass der 100. Ausgabe der "Notitiae" im April 1989 in Wien (im Institut für Österreichkunde) und in Salzburg (in der Bibliotheksaula der Paris-Lodron-Universität) waren nur der Auftakt für eine Vielzahl solcher kultureller Veranstaltungen. Viele dieser Veranstaltungen waren mit Ausstellungen verbunden, die ebenfalls vom Herausgeber der "Notitiae" gestaltet worden sind. Als besonders erwähnenswerte Beispiele seien hier stellvertretend nur jene über „das Werden des Landes Salzburg und der Universität Salzburg“ und über "400 Jahre Schulordnung und das Werden der Allgemeinen Schule im Land Salzburg" angeführt.


Die "Notitiae Austriacae" haben sich aber auch immer um eine Verbindung von Naturwissenschaft und Humanismus bemüht, was besonders durch die von Prof. Dr. Hans Kutschera an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg eingerichteten Ausstellungen "Geschichte der Naturwissenschaften" bzw. "Naturwissenschaftler an der Universität Salzburg" zum Ausdruck kam.


Diese Verdienste von Dr. Hans Kutschera konnten nicht ohne sichtbare Auszeichnungen bleiben: 1993 bekam der Herausgeber der "Notitiae" das vom Bundespräsidenten verliehene Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst im Wissenschaftsministerium überreicht, 1994 wurde ihm das Goldene Verdienstzeichen des Landes Salzburg in der Salzburger Residenz durch den dortigen Landeshauptmann verliehen und 1999 erfolgte ebenfalls in der Salzburger Residenz die durch den Bundespräsidenten ausgesprochene Verleihung des Berufstitels "Professor".


All diese verdienten Ehrungen waren Prof. Dr. Hans Kutschera unaufhörlich Verpflichtung und Auftrag, mit den "Notitiae Austriacae" den Prinzipien „scientia et humanitas“ zu dienen. Da die "Notitiae" so untrennbar mit ihrem Gründer und Herausgeber verbunden waren, war ein Fortbestand über dessen Tod am 28. März 2000 hinaus nicht möglich. Die Editio ultima erschien posthum im April 2000. In zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken jedoch bleiben die "Notitiae Austriacae" nach wie vor ein einzigartiges Nachschlagewerk.

Quellen#

Notitiae Austriacae, Annus I, Editio I – Annus XX, Editio ultima




Redaktion: Dr. Markus Loew