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Alles eingestimmt auf Gustav Klimt #

Überall Klimt: Im Jubiläumsjahr, in dem sich der Geburtstag von Österreichs berühmtestem bildenden Künstler zum 150. Mal jährt, bieten zahlreiche Museen Sonderausstellungen. Ein breites Spektrum wird abgedeckt, mehr als 800 Werke sind zu sehen.#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus: DIE FURCHE (12. Jänner 2012)

Von

Theresa Steininger


Porträt der Mutter von Emilie Flöge
Gefunden. Das Porträt der Mutter von Emilie Flöge galt seit den 20er Jahren als verschollen. Es ist erstmals seit dieser Zeit wieder ausgestellt – in der Klimt-Hoffmann-Schau im Belvedere.
© Foto: Belvedere, Wien

Bildnis Marie Hennebergs
Porträts. Klimt war einer der begehrtesten Porträt-Maler seiner Zeit. Das Bildnis Marie Hennebergs, der Gattin eines Naturwissenschafters, ist derzeit im Unteren Belvedere zu sehen.
© Foto: Klaus Göltz, Halle

Klimt wird im soeben begonnenen Jahr in aller Munde sein – und das nicht nur, weil man sich in Konditoreien und Kaffeehäusern süße Klimt-Würfel und -Torten, in Kellereien Klimt-Sekt ausgedacht hat. Nahezu alle großen Museen Wiens und auch kleinere haben Sonderausstellungen zu dem Jubilar konzipiert, der vor 150 Jahren geboren wurde und heute wohl einer der in der Populärkultur am meisten verbreiteten Künstler der Welt ist. In ihrer Gesamtheit decken die Expositionen ein breites Spektrum ab – von den Gemälden zu den Zeichnungen, vom kulturpolitischen Engagement zum Privatleben, ja gar bis zur Leidenschaft seiner Lebensgefährtin für Textilien.

Gustav Klimt., © Foto: Künstlerhaus
Gustav Klimt.
© Foto: Künstlerhaus

Bereits zu sehen ist die Schau „Gustav Klimt – Josef Hoffmann – Pioniere der Moderne“ im Unteren Belvedere, eine Art Erlebnispark im positiven Sinn mit einem Nachbau des Palais Stoclet, jenes Jugendstilbauwerks in Brüssel, das als ideale Umsetzung der Gesamtkunstwerkidee Hoffmanns und Klimts gilt und für das Klimt ein wichtiges Mosaik geschaffen hat; die Entwürfe zu selbigem sind ab Ende März im MAK zu sehen. Rekonstruiert wurde im Belvedere auch der Klimt-Raum der Secession, der nachempfinden lässt, wie der Beethovenfries einst präsentiert wurde. Das Original hängt weiterhin in eben dieser Heimstätte der damaligen Künstlervereinigung. Das wohl berühmteste Gemälde Klimts, „Der Kuss“, ist trotz der Sonderschau im Unteren im Oberen Belvedere zu sehen, wohin Mitte Juni weitere wichtige Gemälde folgen, damit das Belvedere, das die größte Klimt-Gemälde- Sammlung der Welt aufweist, die se in ihrer Gesamtheit präsentieren kann.

Die „nackte Wahrheit“#

Die meisten Zeichnungen wiederum sind im Besitz des Wien Museums, 400 an der Zahl, die alle in der Jubiläumsausstellung gezeigt werden, welche auch Plakate und Drucke sowie Klimts Arbeitskittel, Totenmaske und einen Abguss seiner rechten Hand beinhalten wird. Auch das Gemälde „Porträt Emilie Flöge“, das zur hauseigenen Sammlung gehört, wird in der Schau zu sehen sein (ab 16. Mai).

Die Albertina konzentriert sich ebenfalls auf das grafische Werk und lässt hinter Klimts Arbeitsweise blicken, wenn zahlreiche Figurenstudien, die Klimt später in bekannten Gemälden umsetzte, präsentiert werden (ab 14. März). Auf ein Hauptwerk konzentriert sich die Schau im Theatermuseum, die die „Nuda veritas“ und ihre Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte dokumentiert. Das Bild gelangte aus dem Nachlass Hermann Bahrs ins Theatermuseum, der die Zeiten des Fakultätsbilder- Skandals, als Klimt aufgrund von Protesten gegen seine freizügige Ausführung vom Auftrag zurückgetreten war, mit publizistischem Engagement begleitete (ab 10. Mai). Auf eine skandalträchtige Zeit bezieht sich auch die Ausstellung im Künstlerhaus, die das ambivalente Verhältnis Klimts zu diesem darstellt. Dokumente, Briefe und Fotos geben Einblick in jene Zeit, in der Klimt für sechs Jahre lang Mitglied der wichtigsten Künstlervereinigung Mitteleuropas war – und zeigen, wie er 1897 aus Protest gegen die starre akademische Ausrichtung austrat und die Secession gründete (ab 6. Juni).

Studie eines Frauenkopfes für den Beethovenfries
Grafik. Auf das zeichnerische Werk konzentriert sich die Albertina-Ausstelllung. Zu sehen ist etwa die Studie eines Frauenkopfes für den Beethovenfries.
© Foto: Albertina, Wien

Einen etwas anderen Weg hat sich das Leopold Museum vorgenommen. Zwar wird die Ausstellung „Klimt persönlich“ selbstverständlich sammlungseigene Hauptwerke beinhalten, vor allem jedoch anhand von Postkarten und Korrespondenzen sowie Fotografien Klimts Beziehung zu seiner Muse und Lebenspartnerin Emilie Flöge beleuchten. Die rund 400 Karten ziehen sich wie eine Zeitleiste durch die Schau und werden mit Zitaten Klimts konfrontiert. Interessantes zu Klimts Ansichten über andere Künstler ist zu erfahren, seine Sehnsucht nach seiner Seelenverwandten zu spüren. Aus Briefen an seine Geliebte Mizzi kann man wiederum erfahren, dass am Attersee, wo er oft zur Sommerfrische weilte und wo im Juli eine Dokumentationsstätte eröffnet wird, das Wetter oft einen Strich durch seine Malpläne von Landschaftsbildern machte (ab 24. Februar). Ganz auf Emilie Flöge konzentriert sich eine Schau im Museum für Volkskunde, die die Textilmustersammlung der Modeschöpferin erstanden hat und nun erstmals anhand von 350 Objekten zeigt (ab 25. Mai).

Sogar in KHM und Burgtheater...#

Portrait., © Foto: Albertina, Wien
Portrait.
© Foto: Albertina, Wien

Klimt findet sich auch im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums. 1886 hatte Gustav Klimt mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch den Großauftrag übernommen, zwischen Säulen und in den obersten Ecken des Stiegenhauses in kleinen Gemälden die Stilepochen vom Alten Ägypten bis zur Römischen Antike zu vermitteln. Zwölf Meter über der Eingangshalle des Museums befinden sich diese selten genau betrachteten Werke, dazu will das KHM nun die Gelegenheit bieten, indem eine Brücke über die gesamte Breite des Stiegenhauses gespannt wird. Zusätzlich zeigt man eine Schau über die Entstehung der Werke und die „Ringstraßenperiode“ Klimts (ab 14. Februar).

Dem Auftrag für das Kunsthistorische Museum vorausgegangen war einst die Arbeit der Künstler-Kompanie für das Burgtheater, wo Klimt-Suchende an den Decken der seitlichen Stiegenhäuser fündig werden. 2009 entdeckte man im Burgtheater auch Vorentwürfe zu diesen, die seither in einem Foyer auf der Galerie ausgestellt werden.

Und wer nach all diesen Betrachtungen Lust hat zu sehen, wo viele Werke entstanden sind, der mache sich auf den Weg nach Hietzing, wo das zwar nicht mehr im Originalzustand befindliche, aber nun restaurierte Atelier Klimts im Sommer 2012 wieder eröffnet wird.

DIE FURCHE, 12. Jänner 2012