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Abgerundetes Bild des spiralenmalenden Künstlers #

Die neue Ausstellung „Die Kunst des grünen Weges“ im Kunst Haus Wien vervollständigt das dort gebotene Bild des vielseitigen Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Sie bietet auch – zum 20. Geburtstag des Kunst Hauses – Gelegenheit, sich mit der ungewöhnlichen Architektur dieses Baus in allen Facetten auseinanderzusetzen. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus: DIE FURCHE (21. Juli 2011)

Von

Theresa Steininger


Hundertwasser
Einklang mit der Natur: Hundertwassers Gemälde werden in der Ausstellung als frühe Boten von Hundertwassers Überzeugungen präsentiert...
Foto: © KUNST HAUS WIEN 2011
Hundertwasser
...auch hier herrscht der Wunsch nach einem Leben in Einklang mit der Natur vor...
Foto: © KUNST HAUS WIEN 2011
Hundertwasser
...Bezüge zu seiner Eigenschaft als Umweltaktivist werden hergestellt.
Foto: © KUNST HAUS WIEN 2011
Hundertwasser
Friedensreich Hundertwasser.
Foto: © KUNST HAUS WIEN 2011

Die Augen geschlossen, in einem Teich badend, völlig im Einklang mit der Natur rund um sich. Kämpferisch mit einem „Baummieter“ in der Hand mitten in der Innenstadt von Mailand. Erklärend mit Häuser-Modellen in einer TV Sendung. Nackt beim Verteidigen seiner Prinzipien: Es sind auf der einen Seite die zahlreichen Fotos Hundertwassers von Größen ihrer Zunft wie Erich Lessing und Franz Hubmann, die die Sonderausstellung des Kunst Hauses Wien zu einer wunderbaren Ergänzung zur permanenten Exposition machen, auf der anderen Seite hat man mit Gemälden, Fahnen, Modellen, Zeitungsausschnitten, Plakaten und vielem mehr einen förmlichen Hundertwasser-Erlebnispark gestaltet, in dem man ganz in die Welt des Künstlers eintauchen, Filme sehen, Reden hören, Gemälde genau betrachten kann.

Hundertwasser
Friedensreich Hundertwasser.
Foto: © KUNST HAUS WIEN 2011

Mehr als Hainburg und Autokennzeichen#

Wer dies tut, findet auch in ganz frühen Arbeiten Hundertwassers schon jene Ideen, die er später als Umweltaktivist in die Tat umsetzte und die ihn in Österreich berühmt machten. „Bei uns herrscht eine andere Wahrnehmung Hundertwassers vor als international, hierzulande wird er viel mehr mit Hainburg und mit Autokennzeichen in Verbindung gebracht. Den meisten ist nicht so bekannt, dass er bereits früh ein international anerkannter Künstler war und auf die documenta, die Biennale in Venedig und jene in São Paulo geladen wurde“, sagt Kunst- Haus-Wien-Direktor Franz Patay.

Wichtige Werke wie „Die Häuser hängen unter den Wiesen“ geben Auskunft darüber: „Da ich es nicht für möglich hielt, so etwas jemals zu bauen, malte ich es eben. Das darf man ja – ohne Baubewilligung“, schrieb Hundertwasser 1979 neben sein Gemälde, in dem er den Häusern begrünte Dächer malte. Etwas weiter in der Ausstellung sieht man Hundertwasser nachdenklich auf dem begrünten Dach seines Ateliers stehen, anderswo kann man mit Kopfhörern Reden wie jene hören, in der er festhielt: „Freie Natur muss überall dort wachsen, wo Schnee und Regen hinfallen, wo im Winter alles weiß ist, muss im Sommer alles grün sein. Was waagrecht unter freiem Himmel ist, gehört der Natur.“ Gemälde, Foto, Rede – nur eines von vielen Beispielen, wie die Schau das Bild dieses Künstlers abrundet, der seine Prinzipien höchst konsequent umsetzte. Viel häufiger als in der permanenten Ausstellung finden sich in der Sonderausstellung Kommentare Hundertwassers zu seinen Werken – auch wenn er gerne wollte, dass sich jeder selbst eine Meinung bilde, hilft dies doch im Verständnis weiter.

Hundertwasser
Friedensreich Hundertwasser.
Foto: © KUNST HAUS WIEN 2011

Natürlich ist das Kunst Haus Wien, das heuer seinen 20. Geburtstag feiert, an sich schon ein Ausstellungsstück. Wer es nicht sowieso schon von außen genau betrachtet hat, dem führt ein Modell nochmals vor Augen, wie Hundertwasser hier seine Prinzipien umgesetzt hat. Wer die ehemalige Thonet-Fabrik, die Hundertwasser Ende der 80er-Jahre nach seinen Vorstellungen umbaute und als „Haus, in dem man ein gutes Gewissen der Natur gegenüber hat“, gestaltete, betritt, muss gemäß der Verachtung des Künstlers für die gerade Linie („Das Kunst Haus Wien ist das erste Bollwerk gegen eine falsche Ordnung der geraden Linie“) über unebene Böden gehen, das Wasser im Brunnen am Eingang fließt aufwärts, aus den Fenstern wachsen Bäume, farbenfrohe Mosaike verströmen positive Stimmung, die Fenster sind bunt ummalt.

Wer sich von außen noch fragte, was es mit den Fenstern auf sich hat, der kann hier genau nachvollziehen, was Hundertwasser mit seinem Fensterrecht meinte, nämlich: „Ein Mann in einem Mietshaus muß die Möglichkeit haben, sich aus seinem Fenster zu beugen und – so weit seine Hände reichen – das Mauerwerk abzukratzen. Und es muß ihm gestattet sein, mit einem langen Pinsel – so weit er reichen kann – alles rosa zu bemalen, so daß man von weitem, von der Straße sehen kann: Dort wohnt ein Mensch, der sich von seinen Nachbarn unterscheidet.“

Im Malen das Bauen vorweggenommen#

Kurator Andreas Hirsch hat vieles zusammengetragen und kann sich auf aussagekräftige Leihgaben ebenso stützen wie auf die eigene Sammlung. Ihm sei es, sagt er, vor allem einerseits darum gegangen, „zu zeigen, dass Hundertwasser in der Malerei vorweggenommen hat, was er in seinen Bauten und in seinem Einsatz für naturgerechtes Bauen bezweckte“. Andererseits böten die vielen Fotografien „eine zweite Ebene, die verstehen lassen soll, wie er sich entwickelt und verändert hat“. Ein wahres Eintauchen in Hundertwassers kreativen Kopf, in seine Welt wird mit der neuen Ausstellung in vielfältiger Weise ermöglicht.

DIE FURCHE, 21. Juli 2011