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Eine Brücke zu Pallas Athene#

Gustav Klimt im Stiegenhaus und im Saal VIII des Kunsthistorischen Museums#


Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 14. Februar 2012) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Brigitte Borchhardt-Birbaumer


G. Klimt: 'Griechische Antike I'
Nun besser sichtbar: Klimts "Griechische Antike I" (1890/91).
Foto: © KHM

Nach dem Auftakt des Belvedere im Herbst startet der große Wiener Museumsreigen 2012 zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt im Kunsthistorischen Museum. Dort hat der vom Kunstmarkt bis vor kurzem geliebte spätere Secessionsgründer 1890 - mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch - nach dem Tod von Hans Makart, unter dessen Lünetten, die Zwickel- und Interkolumnien- Bilder des imperialen Stiegenhauses übernommen. Die drei waren als "Maler-Compagnie" durch die Ausgestaltung der Stiegenhäuser des Burgtheaters bekannt geworden und nahmen die schwierige Aufgabe an. Als Thema wollte das "Hofbau Comité" die Stilepochen der europäischen Kunst durch Allegorien vertreten sehen.

Von den fünf weiblichen und zwei männlichen Gestalten neben einem Knaben, sind rechts und links der Mittelarkade besonders Pallas Athene und eine nackte Ägypterin auffällig, da sie spätere Ideen Gustav Klimts vorwegnehmen; auch die griechischen Vasen als Hintergrund beschäftigten ihn in seiner bekannten Phase ab 1898 dann weiter; von den Einflüssen der minoischen Kunst über aktuelle Publikationen der Grabungen ist aber hier noch wenig spürbar.

Auge in Auge mit Klimt#

Die Anerkennung dieser Leistung der "Maler-Compagnie" durch das Publikum war all die Jahre gering, und so wurde nun mit großem Aufwand eine vier Tonnen schwere Brücke für Besucher von Architekt Christian Sturminger gebaut, um den eingesetzten Leinwänden des Künstlers an der Nordwand "Auge in Auge" gegenüberzutreten. Der Name Klimt setzt selbst rigorose Sparmaßnahmen außer Kraft. Das Ablösen der sichtbar intakten Gemälde hätte den Werken geschadet, das Stiegenhaus auch ein wenig skalpiert und mit Opernguckern wollte man sich offenbar nicht begnügen. Was es auf der Stahlkonstruktion zu sehen gibt, ist ein Künstler zwischen Historismus der Ringstraße und aufkeimender Moderne. Der Einsatz von Gold ist ein erster Schwenk in die Fläche, an sich steht die Rücknahme des Tiefenraums allerdings noch ganz am Anfang. Köpfe und Körperteile, sowie auch die von Gemälden des Hauses zum Teil übernommenen Ornamente der Kleider, sind hyperrealistisch. Das ist der frühe Stil, der impressionistische Auftrag in der Behandlung von Haut und Haaren ist noch nicht vorhanden.

Dieser weitere Schwenk zur Moderne kam für Gustav Klimt erst durch den Auftrag für das Ringstraßenpalais von Nikolaus Dumba 1895 - neben Fotos, Drucken und einigen wenigen Zeichnungen, konnte dazu das kleine Ölbild aus Münchens Neuer Pinakothek, "Die Musik I", geliehen werden. Neben den Zeichnungen und Übertragungsskizzen des Künstlers für die Zwickel und Interkolumnien und dem Porträt des Komponisten Josef Pernbauer aus dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum war es natürlich heuer schwierig, an Leihgaben bei sich überschneidenden Ausstellungsterminen zu kommen. So sind neben unsignierten Blättern aus Privatbesitz, dazu Bücher und Akten, nur wenige Originale zu finden. Kurator Othmar Rychlik behalf sich mit einer Übersicht vom Burgtheater bis zu den ohnehin verlorenen Universitätsbildern, die durch frühe Publikationen, Ver-Sacrum-Hefte, Faksimile, Lichtdrucke und Fotografien, den Weg des Künstlers vor und nach dem Auftrag im Kunsthistorischen Museum dokumentieren.

Diesjähriges Leihdilemma#

Die Antikenabteilung brachte die dreiköpfige Sphinx aus ihrer Schausammlung in den Saal VIII, um die Entdeckung der verstorbenen Klimt-Expertin Alice Strobl nachvollziehbar zu machen: Im Gemälde "Musik I" ist diese spätantike Skulptur aus Kleinasien rechts zu finden. Zugehörige Skizzen des Künstlers würden seine adaptierte Übernahme auch für das im Krieg verlorene Werk "Die Musik II" noch besser beweisen. Doch die sind dann erst bei der nächsten Runde des Klimt-Reigens in den anderen Museen zu erwarten - allerdings dann ohne die Sphinx. Damit wird auch das Leihdilemma dieses Jahres augenscheinlich: Nur die Sammlung Leopold und das Theatermuseum waren bereit hierher zu leihen, allein der Klimt-Pass als Eintrittsreigen funktioniert für alle. Gewinner werden die Sammlungen mit den meisten Beständen sein, denn das tolle Konzept allein zählt heute weniger als die Hebebühne für den Besucher.

Wiener Zeitung, Dienstag, 14. Februar 2012