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Ein Prinz zwischen Kunst und Krieg#

Verfasst anlässlich einer Ausstellung im Unteren Belvedere, Wien zu "Prinz Eugen: Feldherr, Philosoph und Kunstfreund", erstes Halbjahr 2010". Als Sammler, Bauherr und Mäzen prägte der Sproß des europäischen Hochadels die Kunst- und Kulturgeschichte Österreichs nachhaltig.#


Mit freundlicher Genehmigung aus der Wochenzeitschrift DIE FURCHE (26.2.2010)

von

Michael Kraßnitzer


Eugen
"Prinz Eugen als Türkensieger" von Jacob van Schuppen entstand 1718. Van Schuppen war von 1716 bis 1726 Direktor der k. k. Hofakademie der Maler, Bildhauer und Baukunst. Foto: Rijksmuseum, Amstersdam"
Eugen-Adam
"Adam und Eva" von G. Reni is von 1618/19 oder 1620. Das Gemälde des italienischen Malers und Radierers befand sich in der Gemäldesammlung Prinz Eugens. Foto: Musee des Beaux Arts, Dijon

Welcher Schlager kann das von sich behaupten: Nach knapp 300 Jahren kennt noch immer fast jedes Kind das Lied „Prinz Eugen, der edle Ritter“, zumindest dem Titel nach. Die Popularität über die Jahrhunderte ist nicht verwunderlich, waren doch die militärischen Erfolge des Besungenen ausschlaggebend für den Aufstieg Österreichs zur europäischen Großmacht. Doch Prinz Eugen von Savoyen war nicht nur als Kriegsherr bedeutend, sondern auch als Kunstsammler, Bauherr und Mäzen, der die Kunst- und Kulturgeschichte unseres Landes nachhaltig prägte. Auf diesen Aspekt konzentriert sich die große Prinz-Eugen-Ausstellung, die derzeit im Unteren Belvedere in Wien zu sehen ist.

Eugen-Geier
Phillip Ferdinand de Hamiltons "Vier Gier verscheidener Art von 1723. Foto: Belvedere, Wien

Als Spross des europäischen Hoch-adels war Prinz Eugen Kosmopolit, er unterschrieb zeitlebens dreisprachig („Eugenio von Savoy“). Dass der in Paris Aufgewachsene in kaiserliche Dienste trat, war allein dem Umstand geschuldet, dass ihm König Ludwig XIV. den Eintritt in die Armee verweigerte. Der Sonnenkönig sollte dies bitter bereuen, denn nicht nur einmal schob der als 19-Jähriger in Frauenkleidern aus Paris Geflohene später den französischen Expansionsbestrebungen einen Riegel vor. Als Feldherr, Staatsmann und Diplomat diente er fast fünfzig Jahre lang drei aufeinanderfolgenden Habsburger-Kaisern. Er brachte es zum obersten Heerführer, zum Gouverneur von Mailand und zum Gouverneur der österreichischen Niederlande. Doch er war eben mehr als nur das: „Die Tugend, die Weisheit und die Liebe zu den schönen Künsten begründeten seinen höchsten Ruhm“, schrieb der Dichter Jean-Baptiste Rousseau.

Anzeige des Kaufs der Herrschaft Hof an der March
Anzeige des Kaufs der Herrschaft Hof an der March durch Prinz Eugen, 1. Februar 1726.
Foto: © Niederösterreichisches Landesarchiv, St. Pölten

Auf Prinz Eugen gehen bedeutende Prachtbauten zurück: das aus zwei Schlössern bestehende Belvedere, das Stadtpalais, in dem heute das Finanzministerium untergebracht ist, und Schloss Hof im Marchfeld. Sein Leben lang widmete er sich dem Aufbau einer umfangreichen Sammlung von Gemälden und Kupferstichen sowie Handschriften und Büchern. Zum Zeitpunkt seines Todes im Jahr 1736 umfasste die wertvolle Gemäldesammlung 175 Stück.

Sie wurde von der Alleinerbin nach Italien verkauft und gelangte so nach Turin, die Hauptstadt des vom Geschlecht der Savoyer regierten Königreichs Sardinien-Piemont. Zur aktuellen Schau sind einige Stücke der heute weit verstreuten Sammlung wieder nach Wien zurückgekehrt. Korrespondenz mit Leibniz und Voltaire.

Prinz Eugens Kupferstichsammlung hingegen blieb in Österreich und wurde Ausgangspunkt der Grafischen Sammlung der Albertina. Seine 15.000 Bände umfassende Bibliothek, die „Eugeniana“, bildet den Kernbestand der heutigen Österreichischen Nationalbibliothek. Der kinderlose und unverheiratete Prinz war hoch gebildet und belesen, er korrespondierte mit den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz, Voltaire und Montesquieu. Die Schau im Belvedere wartet mit einer berauschenden Fülle an Exponaten auf, versäumt es aber leider, den historischen Kontext in einfacher und klarer Weise verständlich zu machen. So sind es vor allem die Kuriosa, die in Erinnerung bleiben: etwa die blutbespritzten Handschuhe eines kurzsichtigen französischen Generals, der sich hinter die feindlichen Linien verirrte; oder eine Zeichnung, die Prinz Eugen beim Besuch eines exklusiven Bordells in Amsterdam zeigt – in Kontrast zu der Bemerkung der Liselotte von der Pfalz: „Er incommodiert sich nicht mit Damen, ein paar schöne Pagen wären besser sein Sach...“

DIE FURCHE, 26.2.2010