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Super- und Antistar zugleich#

Die Wienbibliothek widmet Josef Meinrad zum 100er eine Ausstellung, begleitend dazu ist auch eine vielschichtige Publikation entstanden. #


Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: DIE FURCHE Donnerstag, 18. April 2013

Von

Paul M. Delavos


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Josef Meinrad mit Susi Nicoletti als Frau Muskat in der Titelrolle von Franz Molnárs „Liliom“ (1963).
Foto: © Wienbibliotek in Rathaus

Bereits vor drei Jahren hat die Wienbibliothek in Hinblick auf Josef Meinrads 100. Geburtstag einen Teilnachlass angekauft – auch als Ergänzung anderer wichtiger Nachlässe wie jener von Hans Moser oder Helmut Qualtinger. Aus der Bearbeitung desselben sind eine Ausstellung und eine Publikation hervorgegangen, wobei sich hier als roter Faden das Image des „Österreichischen“, das Meinrad über viele Jahrzehnte mit einer enormen Popularität repräsentiert hat, entwickelte. Natürlich stellt sich dabei die Frage, worin das typisch „Österreichische“ besteht, welche Merkmale damit verknüpft sind und wie Meinrad nun diese vertritt bzw. vielleicht selbst schafft.

So vielseitig wie Meinrads künstlerisches Schaffen, so umfangreich ist auch der Band „Josef Meinrad. Der ideale Österreicher“ geworden. Hier wird einerseits in theater- und kulturwissenschaftlichen sowie zeithistorischen Beiträgen dem Künstler Meinrad auf den Grund gegangen, andererseits kommen Kollegen wie Dagmar Koller, Achim Benning oder Michael Heltau zu Wort, wodurch ein breites Portrait entsteht.

Von Wien nach Großgmain#

Reflektiert werden dabei auch die medialen Entwicklungen, die für Meinrads Popularität wesentlich waren. So wird ein spannendes Bild Meinrads von seinen Anfängen auf den Kleinkunstbühnen Wiens über seine Erfolge im Nachkriegsfilm, als Nestroy- Darsteller, der mehrere Publikumsgenerationen prägte, bis hin zur Verleihung des Iffland-Ringes und darüber hinaus gezeichnet. Meinrads individuelle Persönlichkeit bleibt jedoch Zeit seines Lebens mehr oder weniger verborgen, entspricht er doch stets den Erwartungen von Seiten der Regierung, der Kirche, aber auch den Sehgewohnheiten des Publikums. Durch die unterschiedlichen Forschungsfelder, aus denen die einzelnen Autoren kommen, wird die Frage nach dem typisch „Österreichischen“ aus verschiedenen Sichtweisen beleuchtet.

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Josef Meinrad als Andreas Pum in der TV-Produktion von Joseph Roths „Die Rebellion“ (1962).
Foto: © Wienbibliotek in Rathaus

Mosaiksteinartig sind in der Ausstellung die unterschiedlichen Dokumente, darunter Briefe, Rollenbilder, Privatfotos, Tagebucheintragungen zusammengefügt. Viele Dokumente sind als Reproduktionen ausgestellt: Diese Entscheidung folgt der Pragmatik, dass die Ausstellung im November nach Großgmain wandert, wo Meinrad seine letzten Lebensjahre verbrachte und begraben ist. Auf 16 Displays, die – von historischen Postkarten inspiriert – mit einem weißen Büttenrand versehen sind, wird in unterschiedlichen Themenkomplexen der künstlerische Werdegang Meinrads beleuchtet. Dabei geht es natürlich auch um den schauspieltheoretischen Diskurs, dass der Schauspieler eine Projektionsfläche zu sein hat, und den Aspekt der Leerstelle. Als Identifikationsfigur in den Anfängen der Zweiten Republik wurde die Person Meinrad – zwischen Künstler und gespielter Rolle – undifferenziert wahrgenommen. Fanbriefe aber auch die Einladung zur Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages 1955, die in der Ausstellung zu sehen ist, zeugen davon. Filmausschnitte sowie Tondokumente vermitteln einen Eindruck vom Können und der Wirkung Meinrads.

„Ich bin gar nicht so wichtig“ #

Für die Ausstellungsarchitekten Karin Müller-Reineke und Gerhard Vana war eine entscheidende Leitlinie die Aussage Meinrads „Ich bin dabei gar nicht so wichtig“. Als er 1959 den Iffland-Ring erhielt, sah er die Auszeichnung auch als eine für den österreichischen Humor an. In der Inszenierung der Schau bleiben so ganz bewusst freie Flächen in der Mitte der Displays, die jenes Undurchdringliche der Person Meinrad kennzeichnen. Durch sie blickt man ans Ende des Raumes, wo als Höhepunkt der Iffland- Ring zu sehen ist. Wie in einem Festzug schlängelt man sich dorthin, zur Leihgabe des derzeitigen Trägers Bruno Ganz, der zusammen mit Josef Meinrad über Videoausschnitte lebendig wird.

ROLLENVIELFALT#

Josef-Meinrad in der Rolle als Ministerpräsident
Als österreichischer Ministerpräsident in „1. April 2000“ (1952). Schon damals galt er als ideal in dieser Rolle, hielt man ihn doch für den „österreichischesten“ unter den heimischen Schauspielern.
Foto: © Filmarchiv Austria
Josef Meinradin der Rolle als Theodor
In Hugo von Hofmannsthals „Der Unbestechliche“ (um 1960; mit Gusti Wolf als Hermine). Als Diener Theodor kehrt er die Machtverhältnisse um und wird zur moralischen Instanz.
Foto: © WBR, HS, N1. Meinrad

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Josef Meinrad. Der ideale Österreicher Von Julia Danielczyk (Hg., unter Mitarbeit von Christian Mertens), Mandelbaum Verlag, 320 Seiten, 24,90 eur

DIE FURCHE, Donnerstag, 18. April 2013