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Ein bisher unbekanntes Bildnis Galens #


Von

Mag. pharm. Dr. Bernd E. Mader

Quelle dieses Beitrags: "Österreichische Apothekerzeitung", 59. Jg., Nr.26, Wien 2005


Das Grazer Diözesanmuseum#

Galens Bild in der Aula der alten Grazer Universität
Abb.1: Galens Bild in der Aula der alten Grazer Universität
Foto Diözesanmuseum Graz
Das Diözesanmuseum in Graz (Mariahilferplatz 3, bei den Minoriten) zeigt immer wieder Ausstellungen, die nicht nur jene ansprechen, die an religiöser Kunst oder an religiösem Brauchtum interessiert sind. Schon mehrere dieser Ausstellungen haben auch für Pharmazeuten Wissens- und Sehenswertes geboten. War es im Jahr 2004 die Ausstellung "Mysterium Weihrauch. Reinigende Kraft, Duft des Göttlichen", so war es zu Jahresbeginn 2005 die Ausstellung "AUG in AUG mit den Gelehrtenbildnissen der Grazer Jesuitenbibliothek".

In dieser Ausstellung konnte der interessierte Besucher 31 Ölbildnisse sehen, die in der ehemaligen Bibliothek der alten Universität gehangen und nun, anlässlich der Renovierung und Neuadaptierung dieser Räumlichkeiten, restauriert worden waren. Bevor sie nun an ihren angestammen Platz zurückkamen, wurden die Bilder im Diözesanmuseum ausgestellt. [1]

Die Gemäldesammlung#

In der einstigen Bibliothek hingen diese Gemälde an acht Mittelpfeilern in 12 Meter Höhe. Da keines der achteckig gerahmten Bilder signiert war, waren auch deren Maler unbekannt. Die Bilder stammten aus keiner einheitlichen Portraitserie. Ihre Entstehungszeit lag zwischen dem späten 17. und dem späten 19. Jahrhundert. Dargestellt waren, neben vier Herrscherportraits, großteils Gelehrte verschiedener Wissenschaftsdisziplinen. Es waren fiktive und auch authentische Portraits von Kirchenlehrern, Heiligen, Jesuitengelehrten und antiken Autoren. Unter den vielen Portraitierten befand sich auch ein Bildnis, welches jeden Pharmazeuten ansprechen musste, es war ein Bildnis von Galens (Vgl. Abb. 1).[2]

Galens Lebensweg#

Die alte Grazer Universität
Abb.2: Die alte Grazer Universität
Foto Julia Mader

Galen ist hier natürlich fiktiv dargestellt, so hat man sich im Zeitgeist des späten 17. Jahrhundert dieses Gelehrten vorgestellt. Was wissen wir eigentlich über Galen? Als gesichert gilt, dass er 129 n. Chr. im kleinasiatischen Pergamon (Bergama) als Sohn eines Architekten und Mathematikers namens Nikon geboren worden war. Als 14-jähriger besuchte Galen in Pergamon verschiedene philosophische Schulen. Der Vater bestärkte den inzwischen 16-jährigen, sich der Medizin zuzuwenden. Sein wohl berühmtester Lehrer in Pergamon war Satyros, unter dessen Leitung das berühmte pergamenische Asklepieion erneuert wurde.

Nach dem Tod des Vaters, der ihm ein ansehnliches Vermögen hinterlassen hatte, führten ihn seine Wander- und Lehrjahre nach Smyrna (Izmir), Korinth und Alexandria. Um 158 n. Chr. kehrte er in seine Geburtsstadt zurück und wurde Gladiatorenarzt. Viermal wurde er in diesem Amt bestätigt, welches jedes Mal, eingeschränkt auf sieben Monate, vergeben wurde. Dann zog es ihn nach Rom, wo er im Spätherbst 162 n. Chr. ankam.

Bereits in den ersten vier Jahren seines Romaufenthaltes erwarb er sich einen ausgezeichneten Ruf. Mehrere Heilungen prominenter Patienten und öffentlich durchgeführte anatomische Demonstrationen mehrten denselben. Nach einem Zerwürfnis mit seinen Fachkollegen verließ Galen in der 1. Hälfte des Jahres 166 n. Chr. Rom wieder und kehrte nach Pergamon zurück.

Das Wappen von Erzherzog Karl II und von dessen Ehefrau Maria von Bayern
Abb.3: Das Wappen von Erzherzog Karl II und von dessen Ehefrau Maria von Bayern
Foto Julia Mader

Kaiser Marcus Aurelius ließ ihn zurückrufen, wo er vorerst diesen ins kaiserliche Winterlager nach Aquileia folgte, da ein Kriegszug an die Donau bevorstand. Nach dem Tod Lucius Verus, des Mitregenten des Kaisers, der dessen Leichnam nach Rom bringen ließ, zog Galen mit dem Kaiser mit und kam so wieder nach Rom. Dort wurde er Leibarzt des Prinzen Commodus. In Rom blieb er nun bis zu seinem Tod. Aus den vorliegenden Quellen ist sein Todesjahr nicht genau feststellbar. Sein Tod wird aber zwischen 199 und 200 n. Ch. angenommen. Galen hat uns ein gewaltiges Werk hinterlassen, er hat beinahe 400 Werke veröffentlicht! Ungefähr die Hälfte ist uns davon erhalten geblieben.[3]

Kurze Geschichte der alten Grazer Universität#

Angefügt sei hier auch ein kurzer Abriss zur Geschichte der Grazer Jesuitenuniversität. Die ersten Jesuiten kamen auf Wunsch des Landesfürsten, Karl II. von Innerösterreich, dem die Rekatholisierung des Landes ein starkes Anliegen war, nach Graz. Die steirischen Stände ihrerseits eröffneten noch im selben Jahr im Paradeishof eine protestantische Stiftschule. In dieser Schule war Johannes Kepler bis zum Jahre 1600 - dem Jahr seiner Ausweisung - Lehrer. Mit großer Unterstützung des Landesfürsten wurde 1785 eine Universität mit zwei Fakultäten (einer theologischen und einer philosophischen) gegründet, die eine Jahr später im Kollegialitätsgebäude der Jesuiten ihren Betrieb aufnahm.

Aula der alten Grazer Universität
Abb. 4: Aula der alten Grazer Universität
Foto DI Manfred Petschnigg

Der starke Zuzug an Studierenden machte alsbald einen Neubau notwendig, der nach einer großzügigen Schenkung Erzherzog Ferdinands 1609 realisiert werden konnte. Das neue Universitätsgebäude entstand Ecke Hofgasse/Bürgergasse (Abb. 2 und 3) Im Zuge der Barockisierung des Gebäudes kam es vielfach zu Neugestaltungen, als ein besonderes Prunkstück erwies sich dabei die 1694 eröffnete Bibliothek.

1773 wurde der Jesuitenorden aufgehoben. Die Universität kam bis 1782 unter weltliche Führung, die Bibliothek wurde in eine öffentliche umgewandelt. 1828 kam es zu einer Vergrößerung der Bibliothek. Von 1782 bis 1827 war im Universitätsgebäude ein Lyzeum untergebracht, danach beherbergte es bis 1895 die wiedererrichtete Universität. Nach Auszug der Universität in die neu hiefür errichteten Gebäude ins Geidorfviertel, zog in die alte Universität das Landesarchiv bis 1999 ein. Nun hat sich die Landesregierung des Gebäudes angenommen. Das renovierte Gebäude soll zukünftig der Repräsentation des Landes dienen. (Abb. 4)[4]

Inzwischen ist das Bildnis Galens wieder an seinen alten Platz zurückgekehrt und wird künftig bei Veranstaltungen des Landes im prächtig renovierten Bibliotheksaal der einstigen Jesuitenuniversität bewundert werden können.


Fußnoten:

[1] Dem Direktor und Diözesankonservator des Diözesanmuseums Graz, Mag. Heimo Kaindl, sowie seinen Mitarbeitern möchte ich an dieser Stelle für ihre großzügige und sehr kollegiale Hilfe herzlich danken. Es wurde mir gestattet den Text der Schautafeln zu verwenden, auch das Foto vom Bildnis Galens wurde mir zur Verfügung gestellt.
[2] Kurz zusammengefasst aus dem Text der Schautafel des Diözesanmuseums.
[3] Als Quelle diente hier: Wolfgang U. Eckhart, Christoph Gradmann (Hsgr.), Ärztelexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, Beck'sche Reihe 1095, München 1995, S. 149ff. - Vgl. weiters auch: http://home.tiscalinet.ch/biografien/biografien/galen.htm
[4] Für das großzügige Überlassen dieses Fotos möchte ich mich bei DI Manfred Petschnigg herzlich bedanken.