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Nobelpreisträger Fritz Pregl #

Eine Spurensuche in Graz#

Von

Mag. Bernd Mader


Pregls Geburtshaus in Laibach
Abb. 1: Pregls Geburtshaus in Laibach
© B. Mader / KlinikOptikum 4/2010

Reisen bildet, so lautet eine alte Weisheit und tatsächlich, wenn man dabei mit offenen Augen durch die Welt geht, kann man wirklich allerhand entdecken.

Pregls Büste am Geburtshaus
Abb. 2: Pregls Büste am Geburtshaus.
© B. Mader / KlinikOptikum 4/2010

Nachdem schon die Gedenktafel für Leo Henryk Sternbach in Opatija (Abbazia) mich zu einem Artikel angeregt hatte, war es diesmal eine Büste für den österreichischen Nobelpreisträger Fritz Pregl, die an seinem Geburtshaus in Ljubljana (Laibach), Ecke der Gosposki und der Kriažnkah ulica angebracht war (Abb. 1, 2).

Von dieser Entdeckung war ich etwas überrascht, da ich bisher nicht wusste, dass Fritz Pregl in der Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums Krain geboren worden war. Das war für mich aber Grund, mich mit dem späteren Nobelpreisträger näher zu beschäftigen.

Am 9. September 1869 wurden dem Ehepaar Raimund Pregl und dessen Ehefrau Friederike, geb. Schlacker, ein Sohn geboren, der den Namen Friedrich erhielt. Er blieb das einzige Kind seiner Eltern. Der Vater Raimund entstammte einer deutschsprachigen österreichischen Beamtenfamilie und war Kassier der Krainischen Sparkassen in Laibach.[1]

Pregls Wohnhaus in Graz
Abb. 3: Pregls Wohnhaus in Graz
© B. Mader / KlinikOptikum 4/2010

Im damals zweisprachigen Laibach besuchte Fritz die deutschsprachige Volksschule und das deutschsprachige Gymnasium seiner Heimatstadt. Als der Vater früh starb, lag seine sorgfältige Erziehung in den Händen der Mutter. Fritz maturierte 1887 und die Mutter übersiedelte nach Graz, um den Sohn hier studieren zu lassen. Er inskripierte Medizin und schloss am 17. März 1894 dieses Studium mit "summis auspiciis imperatoris" ab.[2]

Gedenktafel an Pregls Wohnhaus
Abb. 4: Gedenktafel an Pregls Wohnhaus
© B. Mader / KlinikOptikum 4/2010

Trotz eifrigen Studierens war Pregl in dieser Zeit auch jeder Form von sportlicher Betätigung zugetan, besonders neue Sportarten hatten es ihm angetan. Er trat er dem "Akademisch-technischen Radfahrverein" (ATRV) bei und war zudem Spieler in dessen Fußballmannschaft. Zwei Mannschaften dieses Vereins spielten gegeneinander am 18. März 1894 am Platz der Landesturnanstalt das erste offizielle Fußballmatch auf dem Gebiet des heutigen Österreichs.[3] Der Mannschaft der Verlierer gehörte Fritz Pregl an.

Während seiner Studienzeit fiel Pregl durch besonderen Fleiß auf und so holte ihn Prof. Alexander Rollett vorerst als Demonstrator, ab 1891 als Assistenten an sein Physiologisches Institut. 1899 habilitierte er sich dort für das Fach Physiologie und blieb bis 1904 an diesem Institut. Bei seinen vielfältigen Arbeiten erkannte Pregl, dass er zwar ein geschulter Mediziner, aber noch kein ausgebildeter Chemiker war. Der freundschaftliche Umgang mit dem Leiter des Chemischen Institutes der Grazer Universität Prof. Hans Zdenko Skraup beeinflusste ihn sehr, sich auch dem Studium der Chemie zu widmen, was für seine weitere Entwicklung von entscheidender Bedeutung war.[4] Vor allem seine Beschäftigung mit den Gallensäuren führte ihn in der Folgezeit fast völlig zur Chemie hin.

Gasthaus Heinrichhof
Abb. 5: Gasthaus Heinrichhof
© B. Mader / KlinikOptikum 4/2010

Nach dem Tode Rolletts 1903 leitete er interimistisch ein Jahr lang das Physiologische Institut.1904 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt. Im Herbst 1904 trat er einen einjährigen Studienurlaub an, der ihn an mehrere deutsche Universitäten führte, wo er sich einen Überblick über den Wissensstand dortiger bedeutender wissenschaftlicher Institute schaffte. 1905 kehrte Pregl nach Graz zurück, um eine Assistentenstelle bei Prof. Karl Berthold Hofmann am Institut für Medizinische Chemie anzunehmen. Im Mittelpunkt seiner Forschungstätigkeit als Extraordinarius an diesem Institut stand die Elementaranalyse.[5]

Schon bei seinen Arbeiten über die Gallensäuren bemängelte Pregl den großen Substanzverbrauch von Ausgangsmaterial je Elementaranalyse. So ging nun sein wissenschaftliches Bestreben dahin, die Reduzierung der Substanzmengen für Analysen in den Vordergrund zu rücken. Im Jahre 1905 schuf Pregl einen Apparat zur Bestimmung von Kohlenstoff und Wasserstoff. Benötigte er damals für seine Analysen noch 150 mg Ausgangsmaterial, führten seine Studien bis 1912 zu so günstigen Ergebnissen, dass er mit 5 – 13 mg Einwaage bei gleicher Genauigkeit diese Ergebnisse erzielenkonnte.[6]

Pregl beim Gitarrespiel
Abb. 6: Prof. Fritz Pregl beim Gitarrespiel
© B. Mader / KlinikOptikum 4/2010

Fritz Pregl war nicht nur ein herausragender Wissenschafter seiner Zeit, was ihn von vielen anderen seiner Kollegen unterschied, war sein handwerkliches Können, welches es ihm ermöglichte, persönlich die Entwicklung und Herstellung benötigter Apparaturen in die Hand zu nehmen. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hatte er sich auch als Lehrling bei Handwerkern, so bei einem Tischler, einem Schlosser und einem Glasbläser, ausbilden lassen.[7]

medizinische Chemie nach Innsbruck, wo er bis 1913 lehrte. Im diesem Jahr kehrte er nach Graz zurück und wurde Leiter des Instituts für Medizinische Chemie.8 1914 erfolgte die erste öffentliche Ehrung der wissenschaftlichen Leistungen Pregls durch die Akademie der Wissenschaften in Wien durch Verleihung des Lieben-Preises für Chemie.[9]

In seinem Dekanatsjahr (1916/1917) veröffentlichte Pregl die Monographie "Die quantitative organische organische Mikroanalyse", als erste zusammenfassende Darstellung der von ihm geschaffenen neuen Untersuchungsmethode.[10] Makroanalysen waren teuer, unerhört zeitraubend und erforderten oft gewaltige Mengen von Ausgangsmaterial.

Pregls Ehrengrab am Grazer Zentralfriedhof
Abb. 7: Pregls Ehrengrab am Grazer Zentralfriedhof
© B. Mader / KlinikOptikum 4/2010

Die von Pregl entwickelte Mikroanalyse trug nun wesentlich dazu bei, dass in der Folge die Erforschung von Hormonen, Vitaminen und anderen Wirkstoffen möglich wurde. Das Grazer Institut wurde durch Pregl zum Mekka der organischen Mikroanalyse. Die dort angebotenen Kurse besuchten in den folgenden JahrzehntenChemiker und Mediziner aus allen Ländern der Erde.[11]

Im Jahr 1923 wurde ihm die höchste Auszeichnung für einen Wissenschafter zu teil, es wurde ihm der Nobelpreis für Chemie zuerkannt. Vom der Wissenschaften so viel, dass von den Zinsen noch heute regelmäßig der Pregl-Preis verliehen werden kann.[12]

Wegtafel für Fritz Pregl
Abb. 8: Wegtafel für Fritz Pregl
© B. Mader / KlinikOptikum 4/2010

Pregl erhielt immer wieder Berufungen an andere Universitäten, er hielt jedoch der Universität Graz stets die Treue. Graz war und blieb sein Lebensmittelpunkt. Er wohnte bis zu seinem Lebensendeim Haus Geidorfgürtel Nr. 40 (Abb. 3), wo eine an ihn erinnernde Gedenktafel (Abb. 4) angebracht ist.[13]

Nicht weit davon war sein Stammlokal, das heute noch bestehende Gasthaus "Heinrichshof" (Heinrichstraße Nr. 8) (Abb. 5) und es galt als eine hohe Auszeichnung, wenn Pregl dort einem seiner Gäste dem von ihm mitgebrachten Weinessig zur Zubereitung des Salates anbot.[14]

Er liebte einsame Bergwanderungen, war aber einem geselligen Beisammensein keineswegs abhold, wie eine Karikatur es uns zeigt. (Abb. 6).[15]

Studenten lieh er bereitwillig Geld, ließ sie selbst auch die Rückzahlungsfrist festsetzen, sah aber penibel darauf, dass diese eingehalten wurde.[16]

Gedenkbriefmarke Pregl
Gedenkbriefmarke der öst. Post
© B. Mader / KlinikOptikum 4/2010
Wenn es einem Prüfling schlecht ging, soll das Institutsfaktotum manchmal in die beinahe schon verlorene Prüfung eingegriffen haben. Er öffnete Vorzimmertür und Pregls Hund Menelaos kam herein und begrüßte stürmisch seinen Herrn. Das verbesserte sofort die, ob der schlechten Leistung oft schon üble Laune Pregls und rettete so manchen Studenten vor dem Durchfallen.

Unvergessen war auch Pregls Einsatz für die Not leidende Grazer Bevölkerung in den schwerenJahren des Ersten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit. In seiner Zeit als Dekan (1916/17) hatte er sich um die Kriegsversehrten gekümmert. Als Rektor des Studienjahres 1920/21 hatte er die Ausspeisung für mittellose Studenten, Kriegsheimkehrer und Bedürftige reorganisiert. Zweimal täglich 400 Personen hatte die Küche im Hauptgebäude der Universität schon während des Krieges verköstigt, in Pregls Amtszeit stieg, trotz Lebensmittelknappheit, diese Zahl auf 600 Personen pro Tag an.[17]

Pregl leistete sich auch als einer der ersten Grazer ein Auto. Mit diesem hatte er im Dezember einen Unfall. Ob dieser Unfall auch ausschlaggebend für seinen Tod wenige Tage (am 13. Dezember 1930) später war, steht bis heute nicht fest. Vorerst am Leonhardfriedhof begraben wurde er später exhumiert und in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof beigesetzt (Abb. 7).[18]

Ein kleiner Weg am Grazer Rosenhain trägt seinen Namen (Abb. 8).


Fußnoten

[1] Vgl. austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Biographien/Pregl,_Fritz (= austria-lexikon), S. 1; Otto Zekert, Österreichische Nobelpreisträger für Medizin, Physiologie und Chemie (= Zekert, Nobelpreisträger), HMW-Jahrbuch 1961, Wien 1961, S. 18; für das freundliche Überlassen von Unterlagen möchte ich mich auch bei Frau Prof. Dr. Brigitte Verdino herzlich bedanken.
[2] Vgl. KFUG: UNIZEIT 4/94, Gestatten: Pregl, Fritz Pregl! (= UNIZEIT)
[3] Vgl. Nobert Weiss, Der allererste Ankick. So kam der Fußball ins Land. In: Klinoptikum, Graz 2008, Ausgabe 10/2008, S. 10ff. - Robert Engele, Als die "Narrischen" 1893 den Fußball nach Graz brachten. In: Kleine Zeitung, Graz 2010, 17. Jänner 2010, S 48f
[4] Vgl. Alois Kernbauer, Fritz Pregl (1869-1930) (= Kernbauer, Pregl) In: Helmuth Grössing/Gerhard Heindl (Hrsg,), Heimat großer Söhne ... Exemplarische Leistungen österreichischer Naturforscher, Techniker und Mediziner, Frankfurt/Main 1997, S. 56ff. – Hans Lieb, Fritz Pregl +. (= Lieb, Pregl) In: Sonderdruck aus: Klinische Wochenschrift, Jg. 10, 31. Jänner 1931, Nr. 5, S. 238f.; Zekert, Nobelpreisträger, S. 18f.
[5] Vgl. UNIZEIT, S. 1
[6] Vgl. UNIZEIT, S. 1 – Zekert, Nobelpreisträger, S. 19f. – Lieb, Pregl, S. 239
[7] Vgl. UNIZEIT, S. 1
[8] Vgl. Kernbaumer, Pregl, S. 59
[9] Vgl. Kernbaumer, Pregl, S. 59. – Zekert, Nobelpreisträger, S. 21
[10] Vgl. Zekert, Nobelpreisträger, S. 22 [11] Vgl. A Kernbauer, Pregl, S. 54
[12] Vgl. UNIZEIT, S. 2
[13] Vgl. Christa Höller, Geschichte auf Stein. Gedenktafeln und Inschriften in Graz, Graz 2002, S. 83
[14] Vgl. Kernbauer, Pregl, S. 35
[1515] Vgl. Kernbauer, S. 53 – Für die Überlassung der Tuschezeichnung möchte ich mich bei Frau Mag.a Anette Rainer im Stadtmuseum Grazherzlich bedanken.
[16] Ebda
[17] Ebda
[18] Vgl. Karin Derler, Ingrid Urbanek, Planung für die Unendlichkeit. Der Grazer Zentralfriedhof, Graz 2002, S. 150f.

KlinikOptikum Ausgabe 4/2010