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Zucker ist nicht gleich Zucker#

Die Natur hält einige Süßungsvarianten parat - die Fruktose ist wohl die schädlichste darunter.#


Von der Wiener Zeitung (Donnerstag, 1. Oktober 2015) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Alexandra Grass


Vor allem der Fruchtzuckerreiche Maissirup kommt in der Nahrungsmittelindustrie sehr häufig zum Einsatz.
Vor allem der Fruchtzuckerreiche Maissirup kommt in der Nahrungsmittelindustrie sehr häufig zum Einsatz. © Fotolia/primagefactory

Wien. Zucker gilt grundsätzlich als wichtiger Energielieferant für den menschlichen Organismus. Doch nicht jede Zuckerart ist dafür geeignet. Denn obwohl Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker) zu einem sehr ähnlichen Geschmackserlebnis führen, ist ihre Wirkung im Körper sehr unterschiedlich. Vor allem gerät die Fruktose als Süßungsvariante immer mehr ins Visier der Forscher.

Obwohl es sich bei Fruchtzucker um einen natürlichen Rohstoff handelt, der vor allem im gesunden Obst seinen Ursprung hat, wird ihm in immer mehr Studien ein schädlicher Einfluss auf den Organismus nachgewiesen. Nämlich dann, wenn Fructose isoliert Lebensmitteln beigefügt wird. Ob Softdrinks, Sirup, Marmeladen, Gebäck oder würzige Fertiggerichte. Fruchtzucker verleiht Getränken eine intensivere Süße, Backwaren eine flaumige Konsistenz und Würzigem ein intensiveres Aroma, betont Peter Komericki, Medzinischer Leiter der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Forschung und Weiterbildung im Bereich nahrungsmittelbedingter Intoleranzen (Nutridis), im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Außerdem ist die Zutat, weil auch zweieinhalb Mal so süß wie Glukose, eine sehr kostengünstige Variante für die Nahrungsmittelindustrie.

Erhöhtes Risiko für Diabetes#

Während der Traubenzucker über das Blut im gesamten Körper dankbare Abnehmer findet und die Energieversorgung der Zellen sicherstellt, landet der Fruchtzucker fast vollständig in der Leber und belastet unser Entgiftungsorgan. Wer also große Mengen Fruktose zuführt, kann eine nichtalkoholische Fettleber entwickeln und produziert im Übermaß Triglyceride, was zu erhöhten Blutfettwerten führt.

Eine aktuelle US-Studie geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen. Demnach steigt das Diabetes-Risiko für jene Menschen, die mindestens einen halben Liter Fruchtzucker-gesüßte Limonade pro Tag zu sich nehmen, um 26 Prozent. Zudem besteht ein um 35 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkte und ein um 16 Prozent erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Anstelle von Softdrinks raten die Experten der Studie um Frank Hu vom American College of Cardiology zum Konsum von Wasser, Kaffee oder Tee. Während sich die genannten Erkrankungen im Laufe der Jahre entwickeln, wirkt sich Fruktose bei jenen Menschen, die unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden - einer sogenannten Fruktose-Malabsorption -, sofort nach dem Verzehr spürbar negativ aus, erklärt Komericki. Durch fehlende Transportermöglichkeiten im Organismus bleibt der Fruchtzucker unverdaut im Darm. Im Dickdarm trifft er auf Bakterien, die den Süßungsstoff vergären. Mit starken Bauchschmerzen verbundene Blähungen sind eine Folge davon.

Fruchtzucker-Quellen meiden#

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dieses Problem zu umgehen, schildert der Experte. Einerseits gelte es, Quellen zu meiden, die künstlich zugesetzten Fruchtzucker enthalten, und den Obstkonsum auf mehrere kleinere Portionen über den Tag zu verteilen, um eine Überforderung des Darms zu umgehen. Für den Ausnahmefall steht auch das Enzym Xyloseisomerase zur Verfügung, das die Beschwerden im Magen-Darm-Trakt lindern hilft. Dieses kommt, so Komericki, etwa dann zum Einsatz, wenn sich - zum Beispiel bei einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden im Lieblingsrestaurant - Obst und Fruchtzucker nur schwer vermeiden lassen.

Nicht zu verwechseln ist die Fruktose-Malabsorption (Unverträglichkeit) mit der Fruktose-Intoleranz, einem angeborenen Enzymmangel in der Leber, der zu schweren Entwicklungsstörungen in Darm, Leber und Nieren führen kann. "Das ist aber eine absolute Rarität", betont Komericki.

Der gewöhnliche Haushaltszucker (Saccharose) enthält im Übrigen zu gleichen Teilen Glukose und Fruktose. Doch dieser bereite den Betroffenen im Verhältnis zum reinen Fruchtzucker weniger Probleme, betont der Experte. Denn der sogenannte Zuckertransporter Glut-5, der auch Fruktose befördert, funktioniert dann besser, wenn gleichzeitig Glukose zugeführt wird. Dennoch sollte man hinsichtlich der hohen Kalorienmenge nicht jedes Obst extra zuckern, stellt Komericki fest.

Wiener Zeitung, Donnerstag, 1. Oktober 2015