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Was tun „Blauhelme“?#

Erwin Schmidl

Internationale Friedensoperationen („Peace Operations“, „Peace Support Operations“, PSO) entstanden im 19. Jahrhundert gleichzeitig mit dem internationalen Staatensystem.

Gemeinsam sind ihnen fünf Kriterien:

– internationales Mandat,
– multinationale Zusammensetzung,
– Ziel der Bewahrung/Wiederherstellung eines Status quo oder der geordneten Überleitung in einen neuen Zustand (z. B. einer ehemaligen Kolonie in die Unabhängigkeit),
– Einsatz nicht zum Gebietsgewinn, sondern im Interesse des Gastlandes,
– möglichst geringer Schaden und/oder angemessener (maßvoller) Einsatz von Gewalt.

Man unterscheidet zwischen

– Operationen in Konflikten zwischen Staaten („klassisches Peacekeeping“, d. h. der Einsatz unbewaffneter Beobachter oder leichtbewaffneter Truppen, um einen Waffenstillstand abzusichern) und
– Operationen in innerstaatlichen Konflikten.

In Letzteren sind die Aufgaben komplexer und umfassen neben der militärischen Präsenz zivile und polizeiliche Komponenten (Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, Aufbau einer neuen Polizei und Gerichtsbarkeit, Flüchtlingsrückführung, Demobilisierung und Reintegration von Truppen, Wahlen usw.). Je nach dem Grad der Gewaltanwendung spricht man daher von erweitertem bzw. robustem Peacekeeping („wider peacekeeping“, „robust peacekeeping“ oder „peace enforcement“). Diese drei großen Gruppen („klassisches“, „erweitertes“, „robustes Peacekeeping“) werden gelegentlich fälschlich als „Generationen“ bezeichnet – es handelt sich umdrei Typen, die sich parallel entwickelten und weiter alle drei von Bedeutung sind.

Neben den Vereinten Nationen, in deren Rahmen nach 1945 die wichtigsten Friedensoperationen stattfanden, sind auch andere internationale Organisationen und Ad-hoc- Koalitionen in Friedensoperationen involviert – im Sommer 2006 befanden sich weltweit rund 150.000 Soldaten, Polizisten und Zivilisten in rund 50Missionen im Friedenseinsatz, davon rund die Hälfte in Operationen der Vereinten Nationen. Friedenstruppen tragen ihre jeweilige nationale Uniform mit dem Abzeichen der UNO, EU usw. und oft auch einheitlichen (blauen) Kopfbedeckungen („Blauhelme“, „blaue Barette“, „Blaumützen“).

Seit dem Ende des Kalten Krieges wird dem „Peacebuilding“, der Friedenskonsolidierung, besonderes Gewicht beigemessen. Gerade in internen Konflikten (Bürgerkriegen, „ethnischen Konflikten“) ist es nicht damit getan, die Kämpfe zu beenden, vielmehr geht es darum, den Frieden nachhaltig zu konsolidieren. Lösungen können nicht von außen erzwungen werden – entscheidend sind die Akteure vor Ort.Die internationaleGemeinschaft kann nur die Voraussetzungen bzw. Rahmenbedingungen verbessern.


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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