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Werden Waffen „intelligenter“?#

Erwin Schmidl

Ausgehend von der aktuellen Diskussion in den US-amerikanischen Streitkräften ist viel von einer „militärischen Revolution“ („Revolution in Military Affairs“, RMA) die Rede.

Hintergrund ist die Entwicklung neuer Waffen und Konzepte vor allemin vier Bereichen:

– Präzisionswaffen („Precision Strike“): Die Fernsehbilder des Golfkrieges 1991 oder des NATO-Luftkrieges gegen Jugoslawien 1999 vermittelten das Bild eines „Cyber- Krieges“, der in erster Linie mit Präzisionswaffen wie Cruise Missiles geführt wurde, die sich selbst ins Ziel lenkten. Diese Waffensysteme wurden ab den 1970er Jahren entwickelt, um das konventionelle Übergewicht des Warschauer Paktes auszugleichen, dabei aber die Gefahr der totalen Zerstörung zu umgehen, die ein Einsatz von Nuklearwaffen mit sich gebracht hätte. Allerdings sind Präzisionswaffen kein Ersatz für konventionelle Streitkräfte; angesichts der hohen Kosten ist die Zahl derartiger Waffen begrenzt.

– Rasche Verlegbarkeit von Truppen („Dominating Maneuver“): Die Entwicklung der Transportmittel ermöglicht den raschen Transfer an praktisch jeden Ort der Welt. Einem potenziellen Gegner kann damit über die tatsächlich verfügbaren Kräfte hinaus signalisiert werden, dass er sich einer Übermacht gegenübersieht.

– Informationstechnologien („Information Warfare“): Die Entwicklung in diesem Bereich ermöglicht eine schnelle und umfassende Information der eigenen Seite sowie die elektronische Aufklärung der gegnerischen Absichten.

– Militärische Nutzung des Weltraums („SpaceWarfare“): Nachrichten- und Aufklärungssatelliten sowie in Zukunft vielleicht auch Transportmöglichkeiten im Weltraum sollen eine weltweiteDominanz der USA gewährleisten.

Zusammengenommen könnten diese vier Bereiche eine Änderung der Kampftechnik bewirken, die früheren „militärischen Revolutionen“ vergleichbar wäre. Darunter waren beispielsweise die militärische Nutzung des Pferdes in der Antike, die Erfindung der Steigbügel (die die Ausnutzung der Wucht des Aufpralls der Lanze ermöglichten) im frühen Mittelalter, die Entwicklung der Feuerwaffen am Beginn der Neuzeit, die Nutzung der Eisenbahnen und der Telegraphie im 19. Jahrhundert oder die Einführung der Flugzeuge im frühen 20. Jahrhundert.

Allerdings ist umstritten, ob die genannten vier Entwicklungsbereiche wirklich zu einer derart „revolutionären“ Erneuerung der Kriegstechnik führen werden. Viele der angerissenen Möglichkeiten befinden sich noch im Entwicklungsstadium. Die Überlegenheit etwa im Bereich der Informationstechnologien (IT) kann durch geschickt agierende Gegner unterlaufen werden (Stichwort „asymmetrische Kriegsführung“).

Kritiker führen außerdem an, dass die Vorstellung einer durch diese „militärische Revolution“ gegebenen Überlegenheit, verbunden mit der Aussicht auf geringere eigene Verluste sowie reduzierte Begleitschäden („Kollateralschäden“) durch intelligente Waffensysteme, die Bereitschaft heben könnte, einen Krieg zu beginnen.


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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