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Sind Landminen die „idealen Soldaten“?#

Erwin Schmidl

Landminen sind Explosivkörper zum Schutz militärischer Stellungen. Sie werdeni m Boden vergraben und durch den Druck eines darüberfahrenden Fahrzeugs bzw. einer Person oder durch die Berührung einer Auslösevorrichtung zur Explosion gebracht. Grundsätzlich werden größere (gegen Panzer usw.) und kleinere Minen (gegen Personen) unterschieden. Anti-Personenminen sollen nicht töten, sondern verletzen – zur psychologischen Abschreckung und weil die Versorgung eines Verwundeten mehr Ressourcen bindet als die Bergung eines Toten.

Militärisch werden derartige Minen nach genauen Plänen verlegt und können daher vergleichsweise sicher geräumt werden. Die swar beispielsweise bei den Minen möglich, die von kommunistischer Seite zwischen 1948 und 1989 entlang des „Eisernen Vorhangs“ verlegt worden waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Landminen zunehmend von „antikolonialen Freiheitsbewegungen“ – etwa imsüdlichen Afrika – und in Bürgerkriegen verwendet. Einer Angabe zufolge wird ein Drittel der amerikanischen Verluste in Vietnam Landminen zugeschrieben.

Minen sind billig und – wie es ein Khmer-Rouge-Führer formulierte – „die idealen Soldaten: sie schlafen nie und treffen immer!“ Derartige Minen werden meist ohne Plan verlegt, oft in Verbindung mit Sprengfallen. Inzwischen sind weltweit über 100 Millionen Landminen planlos verlegt und stellen zusammen mit Blindgängern usw. („Unexploded Ordnance“, UXO) ein enormes Gefahrenpotenzial dar. In Ländern wie Bosnien-Herzegowina sind weite Landstriche abseits asphaltierter Straßen nicht begehbar. Allein in Afghanistan sollen über zehn Millionen Minen verlegt sein.

Die Räumung ist mühsam und gefährlich – eine Person kann maximal 20 bis 50 Quadratmeter pro Tag vollständig durchsuchen.

Viele neuere Minen bestehen großteils aus Plastik und sind daher mit Metalldetektoren nicht zu finden. Es gibt auch Modelle, die nach der Auslösung hochgeschleudert werden und dann in der Luft explodieren, um eine möglichstweite Trefferwirkung zu erzielen. Nicht geborgene Minen sind auch nach Jahrzehnten noch gefährlich. Es wird geschätzt, dass monatlich 800 Menschen durch Minen getötet und noch mehr verletzt werden. Besonders Kinder sind gefährdet.

Angesichts der Gefahren, die von Anti-Personen- Minen ausgehen können, formierte sich in den 1990er Jahren eine Protestbewegung („International Campaign to Ban Landmines“), deren Initiatorin Jody Williams 1997 den Friedensnobelpreis erhielt. Im Dezember 1997 wurde in Ottawa die Konvention gegen die Verwendung, Lagerung, Herstellung und Verbringung von Anti-Personen-Minen unterzeichnet, die mit 1. März 1999 in Kraft trat. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich zur Offenlegung ihrer Bestände und Zerstörung vorhandener Anti-Personen-Minen innerhalb von vier Jahren. Diese Mine Ban Treaty wurde inzwischen von 154 Staaten unterzeichnet und von 151 Staaten ratifiziert (Stand April 2006).


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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