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Was wären die Auswirkungen eines globalen nuklearen Krieges?#

Heinz Oberhummer

Wenn alle Kernwaffen der Erde zum Einsatz kämen, könnte man die Menschheit mehrfach auslöschen. Kernwaffen sind die bei weitem zerstörerischste und todbringendste Technologie, die jemals auf unserem Planeten entwickelt wurde. Trotz der drastischen Verringerung der Atomwaffen nach dem Ende des Kalten Krieges gibt es noch immer etwa 30.000 nukleare Sprengköpfe auf unserer Erdemit der unvorstellbaren Zerstörungskraft von insgesamt 7,5 Milliarden Tonnen Dynamit.

Man kann sich unter dieser Zahl nur schwer etwas vorstellen, deshalb soll hier ein Vergleich durchgeführt werden: Wenn das gesamte derzeitig vorhandene nukleare Arsenal der Welt eingesetzt wird, kommt auf jeden Erdbewohner etwa die Sprengkraft von einer Tonne Dynamit. Der Einsatz des gesamten nuklearen Arsenals auf der Welt würde also die gleiche Sprengkraft haben, wie wenn jeder einzelne Erdbewohner einen Lieferwagen voll bepackt mit herkömmlichem Sprengstoff zur Zündung bringen würde!

Als Folge eines globalen nuklearen Kriegs würden die durch Explosionen und Großbrände aufgewirbelten Staub- und Russpartikel die Sonneneinstrahlung entscheidend vermindern. Dadurch käme es zum so genannten „nuklearen Winter“. Der Temperaturrückgang würde in unseren Breiten während einiger Wochen bis Jahre etwa 11 bis 22 Grad betragen und einen Großteil der Menschen, Tiere und Pflanzen vernichten.

Die Herausgeber des Bulletin of the American Scientists an der Universität Chicago haben eine symbolische Uhr für den Weltuntergang (Doomsday Clock) eingerichtet, welche anzeigt, wie viele Minuten der Menschheit noch bleiben, bis sie sich selbst in einem nuklearen Krieg vernichtet. Die Zeiger dieser Uhr werden je nach Bedrohung in jeder Ausgabe der Zeitschrift neu eingestellt. Im Jahre 2006 stand der Zeiger auf 7 Minuten vor 12. Die kleinste Bedrohung war im Jahre 1991 gegeben mit 17 Minuten vor Mitternacht – die USA und Russland ratifizierten damals den Vertrag zur Reduzierung der Kernwaffen. Die größte Bedrohung bestand im Jahre 1951 – innerhalb von 9 Monaten testeten die USA und die Sowjetunion die erste Wasserstoffbombe.

Leider steigt die Bedrohung durch Kernwaffen seit dem Jahre 1991 wieder ständig an, da einzelne Staaten wie der Iran oder Nordkorea noch immer die atomare Aufrüstung anstreben. Die Bestrebungen zur Abrüstung bzw. Rüstungsbegrenzung stoßen hier auf hartnäckigen Widerstand. Wenig bekannt ist auch, dass bei Unfällen mit Kernwaffen zwischen 1950 und 1980 nach Schätzungen der Umwelt-Organisation „Greenpeace“ etwa 50 Atombomben verloren gegangen sind: US-Bomber warfen so ihre tödliche Fracht bei Notlandungen einfach in den Ozean .Die Bomben kamen zwar nicht zur Zündung, ihr spaltbares Material (Plutonium) stellt aber eine enorme Bedrohung für die Umwelt dar: Bereits die Inhalation von einem Millionstel Gramm Plutonium kann Krebs auslösen!


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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