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Ehre dem wahren Schubert #

Die Innenstadt Hohenems hat ein neues kulturelles Highlight zu bieten: Das neue Franz Schubert Museum hat seine Pforten für Besucher geöffnet. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus: DIE FURCHE (Donnerstagm, 5. Mai 2011).

Von

Wolfgang Ölz


Neues Franz Schubert Museum
Neues Franz Schubert Museum
Foto: © Die Furche

In Hohenems gehen die Uhren auch nicht anders. Rund um die Autobahnauf- und abfahrt bildet sich ein hässliches Konglomerat konsumistischer Zweckbauten mit sattsam bekannten amerikanischen Burgern, gigantischen Kinosälen und dem günstigsten Gartenmarkt, auf den alle Hobbygärtner von Bludenz bis Lindau schwören. Die Innenstadt dagegen leidet unter Bedeutungsverlust, auch wenn bemerkenswerte städtebauliche Akzente gesetzt wurden – durch das Jüdische Museum, die Revitalisierung der alten Synagoge und nicht zuletzt des Markus-Sittikus-Saales, der der Schubertiade als optimaler Kammermusiksaal dient.

Originalgetreu restaurierte Räume#

In dieser Situation ist es beinahe wie ein Wink des Himmels, dass der Schubertiade-Initiator, Gerd Nachbauer, am 1. Mai im Alten Pfarrhof nun ein Schubert-Museum eröffnet hat. Beim Rundgang ist sofort klar, dass hier ein Kleinod schonungsvoll restauriert wurde. Die Räume, besonders im zweiten Stockwerk, sind in den Urzustand zurückversetzt worden, just in jene spätbarock geprägte Zeit Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts, in der Franz Schubert lebte. Der Höhepunkt ist die Rokoko Stuckdecke im kleinen Saal im Obergeschoss, die von einem noch unbekannten Meister in bestechenden Details gearbeitet wurde. Allein die Gestaltung der Waffen um das Hohenemser Wappen, den Steinbock, hat etwas von jener zeitlosen Kunst, die seit Platon die Welt der Ideen ins Faktische zu übertragen im Stande ist.

Stuckdecke im Museum in Hohenems
Stuckdecke. Der Höhepunkt des neuen Museums in Hohenems ist die Rokoko Stuckdecke im kleinen Saal im Obergeschoss, die in bestechenden Details gearbeitet wurde.
Foto: © www.kath-kirche-vorarlberg.at (2)

Die Verbindung zwischen Hohenems und Schubert ist eher assoziativ. Der Hohenemser Salomon Sulzer wurde als jüdischer Oberkantor an die Wiener Synagoge berufen und lernte dort Schubert kennen. Noch in dessen Todesjahr 1828 erteilte der berühmte Bariton Sulzer mit seiner hochgepriesenen Stimme Schubert den Auftrag für eine Vertonung des 92. Psalms. Bei der ersten Schubertiade wurde dieser von den Regensburger Domspatzen aufgeführt, die damals der Bruder des jetzigen Papstes, Georg Ratzinger, als Domkapellmeister dirigierte.

„Sein“ Schubert, so gibt Gerd Nachbauer an, soll der „wahrheitsgetreue“ Schubert sein. Nachbauer: „Schubert ist in seinem Nachleben soviel Verkitschung und Legendenbildung zugefügt worden wie kaum einem anderen Komponisten, da ist er mit Abstand Weltrekordhalter.“

Hunderte Ansichtskarten der kitschigsten Art, Operetten, Schau spiele und Filme über Schubert, in denen biographisch alles mögliche zurechtgebogen oder schlicht und einfach erfunden wurde, beherrschen das Schubert-Bild. Musikalisch hat Schubert etwa die Operette vom „Dreimäderlhaus“ sehr populär gemacht, die in den 50er Jahren mit Karlheinz Böhm als Schubert ganz in der Tradition der Sisi-Filme auch im Kino große Erfolge feierte.

Ausgewählte Exponate#

Gerd Nachbauer möchte anhand von ausgewählten Exponaten dem wahren Schubert die Ehre geben, wiewohl man sich mit dem Schubert- Geburtshaus in Wien nicht messen will und kann. Ein Highlight ist etwa ein originaler Klavierauszug der Oper „Die Schweizer Familie“ von Joseph Weigl aus dem Jahr 1809, der ersten Oper, die Schubert gesehen hat.

DIE FURCHE (5. Mai 2011)