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Gustav Mahler: #

Vom "jüdisch-dekadenten" Aussenseiter zur Kultfigur. Eine Aufführungsgeschichte seiner Werke #


Mit freundlicher Genehmigung von Eugen Semrau zur Verfügung gestellt

von

Eugen Semrau


Die Werke von Gustav Mahler sind heute fester Bestandteil der Konzerprogramme in aller Welt und es gibt kaum einen prominenten Dirigenten, der Mahlers Symphonien oder Liederzyklen nicht in seinem Repertoire hätte. Auf Tonträgern zählt er heute zu den wohl am besten repräsentierten Komponisten der klassischen Moderne. Derzeit liegen nicht weniger als siebzehn Gesamtaufnahmen von Mahlers Oeuvre auf CD vor; allein von seiner 1. Symphonie existieren über vierzig verschienene Einspielungen. Noch vor fünfzig Jahren hätte man diese erstaunliche Popularisierung nicht für möglich gehalten. Nach dem Aufführungsverbot für Mahlers "jüdisch-dekadente" Musik im Deutschen Reich war dieser Komponist im ersten Nachkriegs-Jahrzehnt in Europa fast in Vergessenheit geraten. Auch und gerade in Wien, der angeblichen »Musikhauptstadt Europas.« Obwohl er während seiner zehn Jahre als Direktor der Hofoper dem Musikleben der österreichischen Hauptstadt seinen Stempel aufgedrückt hatte, konnte er sich als Komponist hier nicht durchsetzen. Keine einzige seiner Symphonien ist zu seinen Lebzeiten in Wien uraufgeführt worden. Erst ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod ist er gerade für jüngere Generationen zur Kultfigur geworden.

Mahler und Wien#

Wien war zu keiner Zeit seiner jüngeren Geschichte eine »objektive Umgebung für Kunstvorgänge«, wie es Bruno Walter in seinen Erinnerungen nobel formulierte. Der Hauptgrund war wohl der konservative Musikgeschmack des damals tonangebenden Wiener Bürgertums. Man betrachtete sich zwar als Musikstadt, aber Musik, und hier wieder vornehmlich vergangene, gehörte zum gesellschaftlichen Status, welcher sich über Konsum und Kunstgenuss definierte. Das hatte zur Folge, dass Neues und Unkonventionelles, Verstörendes und Wahrheitssuchendes, als Angriff auf die Reinheit und die wahren Werte der Kunst empfunden und auf Abneigung stieß. Es war dies die Abwehrhaltung einer zerfallenden Gesellschaft: »Ein Minimum an ethischen Werten sollte durch ein Maximum an ästhetischen, die keine mehr waren, überdeckt werden«, urteilte der Schriftsteller und Zeitdiagnostiker Hermann Broch. Ein Urteil, das auch heute noch für weite Kreise der sogenannten Wiener Gesellschaft Gültigkeit besitzt.

Auf die Musik bezogen wurde die konservative Kunstauffassung vor allem von Eduard Hanslick (1825-1904) geprägt, der seit 1864 in der Neuen Freien Presse Musikrezensionen verfasste und seit 1870 auch Professor für Ästhetik und Geschichte der Musik an der Universität Wien war. Aus dieser Position heraus bestimmte er die Musikentwicklung in einer bis heute beispiellosen Weise, nicht immer zum Besten des musikalischen Fortschritts. Hanslick vertrat in seinen theoretischen Schriften und Rezensionen eine klassizistisch-ästhetische Position. Er betonte den absoluten Charakter der Musik, die nichts außerhalb ihr Liegendes anzusprechen hätte. Daher lehnte er jede Art von Programm-Musik ab. Mahler, der der Auffassung war, dass seit Beethoven alle Musik ein inneres Programm habe, wies aber immer darauf hin, dass in seiner Musik im Gegensatz etwa zu Richard Strauss oder Franz Liszt das Programm nicht vorgegeben wäre, sondern erst im Laufe der Komposition zur ideellen Verdeutlichung gelangen würde.

Gustav Mahler um 1890
Gustav Mahler um 1890
© Österreichische Nationalbibliothek
Wie jeder wirkliche Künstler war Gustav Mahler (1860-1911) einer, dessen Kunst nicht allein vom Können, sondern vom Müssen kam. Als Mensch und Charakter extremen seelischen Impulsen ausgesetzt, konnte er Musik nicht bloß als Unterhaltung begreifen. Ihm ging es um Wahrhaftigkeit, Musik war für ihn authentischer Ausdruck ihres Schöpfers. Mit seiner Strenge und Kompromisslosigkeit in künstlerischen Dingen wurde er dann auch rasch mit allem musikalisch Fortschrittlichen identifiziert, was keine Empfehlung beim größten Teil des Publikums und der Presse war. Mahlers Inthronisation als »Gott der südlichen Zonen«, wie er selbst den Posten des Direktors der Wiener Hofoper sah, geschah dann auch in einer Nacht- und Nebelaktion, vorbereitet von der Sängerin Rosa Papier und Eduard Wlassack, dem Kanzleidirektor aus der Intendanz der Hoftheater. Deren Leiter, Fürst Alfred Montenuovo war Mahler freundschaftlich gesonnen, denn dessen »moralische Reinheit bedeutete ihm eine erfrischende Abwechslung, die er zu seiner Ehre mit kampfbereiter Treue erwiderte«, wie Bruno Walter in seinen Erinnerungen notierte. »Seine Direktion brach über das Opertheater wie eine Elementarkatastrophe herein«, erinnerte ein Musiker des Opernorchesters. Denn Mahler wollte nicht nur ein Opernhaus leiten, sondern er wollte Einfluss auf die Hörgewohnheiten und den Geschmack des Publikums nehmen. Seine Reformen waren einschneidend und mussten seinen Kritikern als Diktatur erscheinen: Zu spät Kommende wurden nicht mehr eingelassen, die in Wien zur Institution gewordene Claque wurde abgeschafft, der Orchestergraben wurde abgesenkt. Im Repertoire wurde ein Schwerpunkt auf deutsche und österreichische Komponisten gelegt. Die Stars der vorhergehenden Ära wurden nach harten Kämpfen entlassen, Mahler schuf sich ein Ensemble, das sich mit seinen Rollen identifizieren konnte. In umfangreiche Proben mit Sängern und Orchester und in der Zusammenarbeit mit dem genialen Bühnebildner Alfred Roller gelangen Mahler Modellaufführungen, die die Wiener Hofoper zum führenden Opernhaus der Welt machten. Trotz dieser glänzenden Erfolge, die auch seine schärfsten Kritiker nicht in Abrede stellen konnten, dauerten die Pressekampagnen und der Widerstand des großer Teile des Publikums aber seine ganze Direktionsperiode an. Bereits vor seiner Ernennung gab es Gerüchte in der Presse – er sei zu anspruchvoll, ein charakterschwacher Mensch, der ein ausschweifendes Leben führe. Später lieferten dann sich zurückgesetzt oder schlecht behandelt Fühlende aus dem Haus der Presse Munition für die in Wien bis heute beliebte Methode der »Vernachrichtung« (Joachim Riedl), der Hinrichtung mittels gezielter Nachrichten.

Hanslick war an der Kür Mahlers zum Direktor der Hofoper nicht unwesentlich beteiligt und schätzte ihn als Dirigenten außerordentlich. Den Kompositionen Mahlers stand Hanslick aber distanziert bis ablehnend gegenüber. Zwar hatte er den Liedern eines fahrenden Gesellen noch »außerordentliche Feinheit und meisterliche Technik« zu attestieren, letztlich konnte er aber mit einer Musik, die Extrembereiche subjektiver Gefühle zum Klingen brachte, wie die überwiegende Mehrheit seiner Kollegen in der Presse und des Wiener Publikums nichts anfangen. Ganz im Sinne der Hanslick'schen Musikauffassung war es dann auch eines der Hauptargumente gegen Mahler, seine Musik würde »den Grundbedingungen eines echten Kunstwerks nicht entsprechen.«

Dazu kam noch, dass sich Mahler durch seine radikalen Neuerungen an der Oper im musikalischen Establishment der Hauptstadt viele Feinde gemacht hatte, die ihre Verbindungen zu Presse dazu benutzten, Stimmung gegen den kompromisslosen Reformer zu machen. Die gefürchtete Wiener Musikkritik sah also in dem Komponisten Mahler entweder einen Epigonen - das abschätzige Wort von der »Kapellmeistermusik« machte bald die Runde, oder aber einen Avantgardisten. Letztlich hatte Mahler in der Presse Verbündete nur in Julius Korngold (1860-1945), dem Nachfolger Hanslicks als erster Musikkritiker der Neuen Freien Presse, in Max Kalbeck und in dem Musikschriftsteller Richard Specht. Korngold war zwar ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen die revolutionäre Musik der Schönberg-Richtung, setzte sich aber vehement für Mahler ein. Von den Wiener Schriftstellern warf sich vor allem Hermann Bahr für Mahler ins Zeug, obwohl sich die beiden persönlich nicht nahe standen.

Die antisemitische Presse hetzte von Beginn an gegen Mahler. So etwa die Reichspost, welche schon vor dem Anritt Mahlers in Wien polemisierte, sie freue sich, »wenn der neue Kapellmeister am Pult erst zu mauscheln beginnen würde.« Weiters der Operettenkomponist Heinrich Reinhardt, Musikkritiker im Neuen Wiener Journal und Paul Stauber, der 1909 eine obskure Broschüre mit dem Titel Das wahre Erbe Mahlers veröffentlichte, die dessen Zeit als Operdirektor ins denkbar schlechte Licht zu rücken versuchte. Und leider auch Max Graf (1873-1958), der Mahler ursprünglich gewogen, später zu seinem Gegner wurde. Ihm verdanken wir einen merkwürdigen Nachruf auf Mahlers Wiener Zeit, in dem es unter anderem heißt: »Trotz seines zehnjährigen Aufenthaltes in Wien ist Gustav Mahler in dieser Stadt ein Fremder geblieben… Keine der Neigungen der Wiener Gesellschaft wurde von ihm geteilt, der Zauber der Stadt hat ihn nicht umfangen und keiner seiner Kompositionen merkt man es an, dass der Mann, der sie geschrieben hat, auf dem Wiener Boden tätig gewesen ist“. Wie wenig Natürlichkeit, Schönheitssinn und echte Sinnlichkeit ist in diesen Werken, die eigensinnig, von einem ungeheuren Ehrgeiz vorwärtsgetriebenen Absurditäten nachjagen«. Hauptfeind Mahlers war aber Robert Hirschfeld (1858-1914) in der vielgelesenen Wiener Abendpost. Dieser mischte laufend Werkkritik mit persönlichen Angriffen und Unterstellungen, eine Manier, die bis heute im Wiener Musikjournalismus nachweisbar ist. Dabei fehlten auch antijüdische Untertöne nicht, obwohl Mahler noch vor seiner Ernennung zum Direktor der Hofoper zum Katholizismus übergetreten war. Hirschfeld befand sich dann, typisch für Wien, auch unter den Gründungsmitgliedern des Wiener Konzertvereins, der im Jahre 1900 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, »der symphonischen Musik und der Musik im allgemeinen zu dienen«.

An dieser provinziellen Grundströmung des kulturellen Lebens, die Mahler letztlich vertrieben hat, hat sich bis heute kaum etwas geändert. Wien betrachtet sich auch heute noch als Musikhauptstadt, obwohl Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert in dieser Stadt schlecht behandelt wurden, aber trotzdem hier komponiert haben. Obwohl Vivaldi hier in einem Armengrab verscharrt wurde, andere emigrierten oder sich umgebracht haben. Wien lebt immer noch großenteils vom geistigen Reichtum derer, die es zu Lebzeiten bestenfalls geduldet hat. Und noch immer ersetzen in dieser Stadt Selbstbetrug und gegenseitiges Schulterklopfen eine ernste Auseinandersetzung mit Menschen, die ihr künstlerisches Schaffen aus einem anderen Lebensentwurf speisen, als dem hier weitgehend akzeptierten. In den Jahren, als Mahler Wien verlassen musste, schrieb der unbestechliche Zeitdiagnostiker Robert Musil: »… hier gestatten (sie) eifersüchtig einem Menschen alles, nur nicht seinen seelisch so präjudizierenden Anspruch auf den Ernst seiner Arbeit.« Dieser Satz ist noch heute, fast hundert Jahre nach dem Tod Gustav Mahlers gültig .

Das Ringen um Anerkennung. Die Jahre bis 1902.#

Die Aufführungsgeschichte der Kompositionen Mahlers begann dann auch mit einem Scheitern. 1881 hatte der damals Einundzwanzigjährige seine 1880 geschriebene sinfonische Kantate für Soli, Chor und Orchester Das Klagende Lied zum Beethoven-Preis eingereicht. Das Werk wurde aber von der Jury abgelehnt, in der neben Hanslick auch Richter, Goldmark und Brahms vertreten waren. Das Opus 1 Mahlers wurde erst 1901 in Wien, in einer überarbeiteten Fassung unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt.

Während seiner Zeit als Direktor der Budapester Oper (1888-1891) organisierte Mahler im Jahre 1889 selbst die Uraufführung seiner 1. Symphonie in D-Dur in der ungarischen Hauptstadt, konnte damit aber bei Publikum und Presse keinen Erfolg erzielen. Für die Uraufführung seiner 2. Symphonie in c-Moll im Dezember 1895 in der Berliner Philharmonie mit dem Berliner Philharmonischen Orchester und den Chor der Berliner Singakademie übernahmen wohlhabende Freunde aus Hamburg die Kosten. Die Aufführung selbst hinterließ beim Publikum einen nachhaltigen Eindruck, aber die Pressekritik war großenteils voll von boshaften und höhnischen Bemerkungen. Mit einer rühmlichen Ausnahme: in der Vossischen Zeitung schrieb Max Marschalk, selbst ein anerkannter Komponist, eine sehr positive Rezension und bewies dabei eine erstaunliche Einfühlung in die Tonsprache Mahlers.

Erst im Jahre 1899, seinem dritten Jahr als Hofoperndirektor, riskierte es Mahler, seine eigenen Kompositionen dem Wiener Publikum zu präsentieren. Ein Jahr zuvor war er auch ständiger Dirigent der philharmonischen Abonnementkonzerte geworden, nachdem Hans Richter seine Funktionen in Oper und Philharmonie niedergelegt hatte. Mahler musste zwar in der Programmierung der philharmonischen Konzerte stark auf den konservativen Publikumsgeschmack Rücksicht nehmen, setzte aber trotzdem im April 1899 seine 2. Symphonie an, die zuvor in Liège und München gespielt und mit großer Zustimmung aufgenommen wurde. Die Aufführung wurde aber von Publikum und Presse der »Musikstadt Wien« radikal abgelehnt. Mahler wurde mit Meyerbeer verglichen, dessen Musik bereits Richard Wagner als „Wirkung ohne Ursache“ diffamiert hatte. Von »prunkender Impotenz« konnte man lesen und von »jüdischem Decadententhum in der Musik«. Nicht viel besser kam die 1. Symphonie weg, die 1900 in Wien zur Erstaufführung gelangte. Mahler wurde »schöpferisches Unvermögen« attestiert und ihm vorgeworfen, er würde Anleihen bei der Musik machen, die er täglich dirigiere. Im gleichen Jahr hatte Mahler seine 4. Symphonie in G-Dur beendet, welche 1901 in München unter der Leitung des Komponisten im Rahmen eines »Kaim-Konzertes« uraufgeführt wurde. Die rasch darauf folgende Erstaufführung in Wien im Januar 1901 wurde von der Presse aber wieder überwiegend negativ aufgenommen. Diesmal erregte der Neo-Klassizismus der Partitur Anstoß. Robert Hirschfeld, Mahlers wütendster Gegner, meinte in seiner Rezension »Vater Haydn im Automobil mit brenzligen Benzindämpfen vorbeiholpern zu sehen.«

Mahlers öffentliche Reputation als Komponist begann sich erst im Jahre 1902 zu ändern, als die glänzende Uraufführung der 3. Symphonie in d-Moll bei einem Musikfest in Krefeld die gesamte Musikwelt aufhorchen ließ. Publikumsreaktion und Presse waren dermaßen positiv, dass das Werk in Wien im Dezember 1904 in einer Sonderveranstaltung aufgeführt wurde, die wegen des großen Publikumsinteresses wiederholt werden musste. Plötzlich war die Wiener Musikkritik im Erklärungsnotstand, den sie auf ihre Weise löste: der allgemeine Verfall des Geschmacks und der Werte sei für diesen Erfolg verantwortlich, konnte man lesen; Mahlers bekannte Ausstrahlung als Dirigent würde das Publikum blenden und die »jüdische Bourgeoisie feiere jetzt ihren Helden.«

Zeitgenosse der Zukunft. Die Jahre 1903 bis 1911.#

G. Mahler, Komponierhäuschen bei Maiernigg am Wörthersee
Komponierhäuschen bei Maiernigg am Wörthersee
© Kulturabteilung Klagenfurt
Bedingt durch seine Arbeit als Operdirektor konnte er nur in den Sommermonaten komponieren. Zu diesem Zweck hatte er sich in der Nähe seiner Sommervilla in Maiernigg am Wörthersee im Wald ein "Komponierhäuschen" bauen lassen, in dem von 1900 bis 1907 seine Hauptwerke entstanden, so die Symphonien 5 bis 8 und im Jahre 1904 die Kindertotenlieder, Vertonungen von fünf Gedichten von Friedrich Rückert. Seinen jetzt bereits international ausstrahlenden Ruhm als Dirigent nützte er jetzt, um seinen eigenen Werken zum Durchbruch zu verhelfen. Daher musste er während des Arbeitsjahres notgedrungen eine hektische Reisetätigkeit entfalten, die häufige Absenzen an der Wiener Hofoper zur Folge hatte.

Mahlers Dilemma bestand in dem Umstand, dass es für seine Werke keine Aufführungstradition gab. Dirigenten und Orchester waren mit den Partituren und seiner eigentümlichen Komponierweise nicht vertraut. Aus diesem Grund misstraute Mahler auch mit Ausnahme von Willem Mengelberg anderen Dirigenten, auch solchen Kalibern wie Arthur Nikisch oder Ernst von Schuch und wollte daher vor allem Uraufführungen am liebsten selbst dirigieren. Auch war Mahler sich häufig unsicher, was die Orchestrierung seiner Werke betraf und arbeitet seine Partituren oft noch während der Proben um. Ein gutes Beispiel dafür ist Genese der 5. Symphonie in cis-Moll, die in den Jahren 1901/02 entstand. Nachdem Mahler das Werk mit den Wiener Philharmonikern einmal nicht öffentlich durchgespielt hatte, sah er sich zu umfangreichen Korrekturen veranlasst. Nach der Uraufführung im Oktober 1904 in Köln, die er selbst leitete, war er aber mit der Instrumentierung noch immer nicht zufrieden, weil das Werk nicht so erklang, wie er es sich erhofft hatte. Er machte sich daher erneut an eine tiefgreifende Umarbeitung die sein gesamtes damaliges Honorar verschlang. Im gleichen Jahr gab es noch einmal eine Aufführung unter der Leitung von Arthur Nikisch in Berlin. Mahler selbst dirigierte sein »verfluchtes Werk« zwischen 1904 und 1907 insgesamt neun Mal. In den Jahren 1907 und 1909 folgten weitere Umarbeitungen.

G. Mahler, Autograph 4. Symphonie
Autograph 4. Symphonie
© Bibliotheca Bodmeriana Genf/Cologny, Provenienz Ernst E. Gottlieb 1950

Die 4. Symphonie erklang zum ersten Mal im Dezember 1902 in Berlin und im Januar 1903 in Wiesbaden. Am 12. Juni 1903 gab es eine gelungene Aufführung der 2. Symphonie im Rahmen des Tonkünstlerfestes des Allgemeinen Deutschen Musikvereins in Basel. Im Jahre 1904 folgten Aufführungen der 3. Symphonie in Heidelberg, Prag und Köln, sowie der 4. Symphonie in Mainz. Ein bedeutendes Ereignis für die weitere Karriere Mahlers war die Erstaufführung der 2. Symphonie in New York unter Walter Damrosch im November 1904.

Das Jahr 1905 war für den Komponisten Mahler relativ ereignisreich. Es kam am 29. Januar in Wien zu Uraufführung der Kindertotenlieder, von vier Rückert-Liedern und sechs Liedern aus dem Zyklus Des Knaben Wunderhorn. Im Februar und März dieses Jahres wurde die 5. Symphonie in Berlin, Prag und Hamburg vorgestellt. Am 24. März kam es in Cincinnati zur amerikanischen Erstaufführung des Werkes und am 21. Mai stand es beim Elsässisch-Lothringischen Musikfest in Straßburg auf dem Programm. In Wien wurde die 5. Symphonie erst am 7. Dezember des Jahres erstmals aufgeführt. Bei Publikum und Presse erzielte die Aufführung einen Achtungserfolg. Nur Robert Hirschfeld verhöhnt das Adagietto der Fünften als »Schmachtlappenstil der Salonkomponisten«. Am 1. Juni 1905 erklangen einige Mahler-Lieder beim Tonkünstlerfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins in Graz. Am 25. Oktober kam es zur Erstaufführung der 4. Symphonie in London unter Henry Wood und am 8. November 1905 zu einer Aufführung der 2. Symphonie in Berlin unter Oscar Fried. Mahler selbst machte im November 1905 Klavieraufnahmen für Welte-Mignon und dirigierte seine 3. Symphonie in Berlin.

Die in den Sommermonaten der Jahre 1903 und 1904 entstandene 6. Symphonie in a-Moll wurde im Mai 1906 in Essen unter der Leitung des Komponisten wiederum im Rahmen des Tonkünstlerfestes des Allgemeinen Deutschen Musikvereins uraufgeführt. Mahler leitete die vereinten Städtischen Orchester von Utrecht und Essen. Diesmal reagierten Publikum und Presse allerdings verständnislos. Das Werk erlebte 1906 und 1907 insgesamt sechs weitere Aufführungen. Das Konzert in Berlin am 8. Oktober 1906 wurde von Oskar Fried geleitet, Mahler persönlich dirigierte die Aufführungen in München am 8. November 1906 und die Wiener Erstaufführung am 4. Januar des folgenden Jahres im Konzertverein. Letztere wurde ein Debakel. Robert Hirschfeld, Mahlers wohl unversöhnlichster Kritiker warf Mahler in der Wiener Abendpost »Formlosigkeit«, »verdorbenes Musikempfinden« und einen »einer dekadenten Person entstammenden Zynismus« vor. Am 10. November 1906 kam es auch zur ersten Aufführung eines Mahler-Werkes in Russland: Oskar Fried dirigierte die 2. Symphonie in St. Petersburg. Am 14. Februar 1907 begleitete Mahler als Pianist den berühmten Sänger Johannes Messchaert bei einem Lied-Programm, das auch seiner Werke enthielt. Es war Mahlers letztes öffentliches Auftreten als Klavierbegleiter.

Mahlers Zeit in Wien war abgelaufen. Trotz seiner glänzenden Erfolge als Operndirektor, die auch seine schärfsten Kritiker nicht in Abrede stellen konnten, hatte er sich als Komponist hier nicht durchsetzen können. Die Pressekampagnen gegen seine Person und der Widerstand großer Teile des Publikums gegen seine Musik, grundiert mit antisemitischen Untertönen hatten seine ganze Direktionsperiode hindurch angedauert. Zur Demission führt dann eine Lappalie: In den Osterferien leitete Mahler zwei Konzerte in Rom und er beschloss, ohne vorherige Absprache mit der Intendanz, eine Woche länger zu bleiben. Diesen Anlass benützen seine Gegner, um jetzt offen seine Entlassung zu betreiben. Man verhandelt mit Felix Mottl, dem Direktor der Münchner Oper, doch die bayrische Hauptstadt versuchte alles, um ihren Musikchef zu halten. Als Mahler dies erfuhr, war er mit Recht verbittert, weil Wien nichts unternommen hatte, um ihn zu halten. Er akzeptierte ein Angebot der Metropolitan Opera in New York, die ihm für zwei bis drei Monate Dirigieren weitaus mehr Gehalt bieten konnte, als er in Wien für das gesamte Jahr bekommen hätte. Nach seinem letzten Wiener Konzert mit seiner 2. Symphonie verliess er Wien am 9. Dezember 1907. Um seinen Pensionsanspruch nicht zu verlieren, hatte er sich verpflichten müssen, hier nie mehr zu dirigieren. Eine letzte Schikane der angeblichen »Musikhauptstadt Europas«.

G. Mahler, Probe 8. Symphonie in der Münchner Ausstellungshalle 1910
Probe 8. Symphonie in der Münchner Ausstellungshalle 1910
© Stadtarchiv der Landeshauptstadt München
So fanden auch die beiden letzten Uraufführungen, die Mahler noch erleben konnte, nicht in Wien statt. Prag erlebte 1908 die Uraufführung der 7. Symphonie in e-Moll unter der Leitung des Komponisten und zwei Jahre später kam es zur Uraufführung der 8. Symphonie in Es-Dur in einer großen Ausstellungshalle in München. Diese beiden Abende des 12. und 13. September 1910 in der bayrischen Hauptstadt wurden für Gustav Mahler zum Höhepunkt seines Komponistenlebens. Rund dreitausend Zuhörer und Kritiker aus vielen europäischen Ländern machten die Premiere zu einem für unser Jahrhundert beispiellosen Triumph für den jetzt bereits fünfzigjährigen Komponisten. In den letzten Lebensjahren Mahlers gab es noch eine Reihe weiterer Aufführungen seiner Werke in Europa und den Vereinigten Staaten. So erklang etwa die 7. Symphonie am 27. Oktober 1908 in München, am 15. Januar 1909 dirigierte Richard Strauss die 4. Symphonie seines Komponistenkollegen in Berlin. Im November und Dezember 1908 leitete Mahler selbst die 2. Symphonie erstmals in den USA mit dem New York Symphony Orchestra.

Mahlers Amsterdamer Kreis 'Willem Mengelberg Vereniging Amsterdam'
Mahlers Amsterdamer Kreis um 1905. Mengelberg (rechts), Diepenbrock (ganz rechts)

Für Mahler war in diesen Jahren Amsterdam zu seiner künstlerischen Heimstätte geworden, wo er im Dirigenten Willem Mengelberg (1871-1951) und dem Komponisten Alphons Diepenbrock kundige Anwälte für seine Musik gefunden hatte. Die beiden holländischen Künstler hatten Mahler im Jahre 1902 bei der Krefelder Uraufführung der 3. Symphonie kennen gelernt. Mengelberg machte Mahler spontan das Angebot, jedes Jahr seine Werke mit dem Concertgebouw-Orchester aufzuführen. Mahler hatte in Amsterdam vor allem ein Orchester, dass bereits war, auf seine Intentionen einzugehen und in Mengelberg einen Dirigenten, den er voll vertraute. Mengelberg machte beispielsweise während der Proben zahlreiche Korrekturen in den Partituren Mahlers, vor allem was die Orchestrierung betraf, die dann vom Komponisten akzeptiert wurden. Durch diese künstlerische und menschliche Verbindung wurde Amsterdam für den Komponisten nach seinen eigenen Worten so etwas wie »sein Bayreuth«. So kam es im bereits im Oktober 1903 zu Aufführungen der 1. Symphonie und der 3. Symphonie im Concertgebouw. Wenige Tage davor hatte Martin Heuckeroth in Arnheim die holländische Erstaufführung der 3. Symphonie geleitet. Im Oktober 1904 wurden die 4. Symphonie und danach die 2. Symphonie vorgestellt. Seine 5. Symphonie dirigierte Mahler dann im Jahre 1906, zuerst in Antwerpen, dann in Amsterdam, zusammen mit den Kindertotenliedern. Allerdings war die 5. Symphonie schon im Juni 1905 von den Berliner Philharmonikern unter August Scharrer im Badeort Scheveningen zum ersten Mal in Holland aufgeführt worden. Dann gab es eine längere Unterbrechung, erst im März 1908 wurde die 4. Symphonie unter Alphons Diepenbrock, der allerdings kein sehr erfahrener Dirigent war. Im Oktober 1909 wurde dann schließlich die 7. Symphonie zuerst in Den Haag und dann zweimal in Amsterdam aufgeführt.

Gustav Mahler kehrte im April 1911 bereits unheilbar krank nach Österreich zurück und starb am 18. Mai 1911 in Wien.

Mahler-Apostel. Die Jahre 1911 bis 1938.#

Nach dem Tode Gustav Mahlers wurde sein Werk von einer Reihe bereits renommierter Dirigenten weiter gepflegt. Neben dem unersetzlichen Willem Mengelberg waren die wichtigsten Mahler-Apostel in den Jahren bis zur Machtergreifung der Nazis in Deutschland Bruno Walter, Otto Klemperer und Oskar Fried. Oskar Fried (1871-1941), der Dirigent des Stern'schen Gesangsvereins in Berlin und Gründer einer Gesellschaft für neue Musik, dirigierte 1920 den ersten Mahler-Zyklus mit dem Wiener-Symphonie- Orchester im 1913 fertiggestellten Wiener Konzerthaus. Fried hatte bereits sehr früh Werke von Mahler in Berlin aufgeführt, so etwa im Jahre 1905 seine 2. Symphonie und später dann die 6. Symphonie. Bei diesen beiden Konzerten, die in Anwesenheit Mahlers stattfanden, wirkte auch Otto Klemperer (1885-1973) mit. Er leitete die Fernmusik in der 2. Symphonie und spielte in der 6. Symphonie die Celesta. Am 10. November 1906 dirigierte Fried die 2. Symphonie in St. Petersburg. Von Fried existiert auch die älteste Aufnahme auf Schallplatte 1923 die 2. Symphonie mit dem Orchester der Berliner Staatsoper.

Bruno Walter
Bruno Walter

Gustav Mahlers Freund und Vertrauter Bruno Walter (1876-1962) betreute nach dem Tod des Komponisten die Uraufführungen der beiden letzten fertiggestellten Kompositionen. Das Lied von der Erde erklang zum ersten Mal am 20. November 1911 in München. Mahler hatte die Komposition seines persönlichsten Werkes bereits 1907 begonnen, die vollständige Instrumentierung entstand in den Jahren 1908/09 in New York. Am 26. Juni 1912 leitete Bruno Walter auch die Uraufführung der 9. Symphonie in D-Dur in Wien. Der Tenor der Kritik hatte sich kaum geändert, nur dass jetzt antijüdische Äußerungen deutlicher wurden. So schrieb etwa Heinrich Damisch in der Ostdeutschen Rundschau über die 9. Symphonie: »Ein Riesenunkraut im symphonischen Garten, davon ein neuer Balken zu dem Tempel widerlicher Unzucht gezimmert werden mag, die Krankhafte und Verbrecher jetzt immer ungescheuter mit der Musik treiben.« Der gleiche Damisch war später dann an der Gründung der Salzburger Festspiele beteiligt und spielte auch nach 1945 im Kulturleben Salzburgs noch eine wichtige Rolle. Er wurde auch mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

Um die Jahreswende 1918/19 dirigierte Walter einen kleinen Mahler-Zyklus in Wien. Das Adagio aus der unvollendet gebliebenen 10. Symphonie in Fis-Dur in einer Bearbeitung von Ernst Krenek wurde dann erst nach Ende des Ersten Weltkriegs 1924 in Wien unter Franz Schalk erstmals gespielt. In diesem Zusammenhang ist auch der bis heute unterschätzte Dirigent Josef Krips (1902-1974) zu erwähnen, der bereits in seinen Jahren als Generalmusikdirektor in Karlsruhe zahlreiche Mahler-Werke aufführte. So etwa 1928 Das Lied von der Erde und die 5. Symphonie, im Jahr darauf die 2. Symphonie und die 9. Symphonie und dann im Jahre 1930 die 3. Symphonie und die 4. Symphonie. Höhepunkt der Bemühungen Mahler-Pflege in der Zwischenkriegszeit war aber zweifellos das große Mahler-Fest 1920 in Amsterdam. Zwischen 6. und 21. Mai erklang das gesamte Oeuvre Mahlers dirigiert von Willem Mengelberg. Flankierend gab es Referate und Kammermusikabende mit Werken von Reger, Strawinsky, Casella, Debussy, Ravel, Scrjabin und anderen. Auf Schallplatte hat Mengelberg die 4. Symphonie (aufgenommen 1939) und das Adagietto aus der 5. Symphonie (aufgenommen 1923) hinterlassen.

Grosse Verdienste um das Werk Gustav Mahlers hat sich auch Arnold Schönberg (1874-1951) erworben, der sich nach anfänglicher Skepsis nach dem Besuch der Erstaufführung der 3. Symphonie im Dezember 1904 in Wien zu einem bedingungslosen Verehrer Mahlers gewandelt hatte. Dieser wiederum unterstützte und förderte Schönberg und dessen Werk wo immer er konnte und soll sich sogar noch auf seinem Totenbett um die Zukunft des Jüngeren Sorgen gemacht haben. Von Schönberg wiederum stammt die schöne Würdigung von Mahlers Schaffen: »... dass diese Musik unnachahmlich scheint, wie alles, das nur einer kann, das ist ein Beweis dafür, dass Mahler das Größte gekonnt hat, was ein Künstler können kann; sich ausdrücken«.

Anton von Webern
Anton von Webern
© Österreichische Nationalbibliothek

Als Schönberg im Herbst 1918 unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs den »Verein für Musikalische Privataufführungen« gründete, setzte er auch regelmäßig Werke Mahlers an. Dieser Verein, welcher nach seinen Statuten der Förderung der neuen Musik dienen sollte, konnte relativ rasch ein dafür prädestiniertes und interessiertes Publikum als Vereinsmitglieder gewinnen. Diesen wurden sorgfältig einstudierte Aufführungen neuester Werke u.a. von Max Reger, Claude Debussy, Maurice Ravel oder Igor Strawinsky geboten. Da aus finanziellen Gründen keine Aufführungen mit großem Orchester möglich waren, wurden in den Konzerten Kammermusikversionen oder Klavierbearbeitungen gegeben, die von Schönberg selbst, oder von Anton von Webern und Erwin Stein vorbereitet wurden. Ende 1921 musste der Verein seine Tätigkeit leider einstellen.

Nicht eigentlich ein Mahler-Apostel, aber jemand, dessen wichtiger Beitrag für die Mahler-Rezeption viel zu wenig bekannt ist, war Anton von Webern (1883-1945). Der sich mit Unterrichten und Choreinstudierungen mühsam über Wasser haltende Komponist wurde im Frühjahr 1922 vom Musikkritiker David Josef Bach eingeladen, im Rahmen der von Bach gegründeten Arbeiter-Symphonie-Konzerte zwei Aufführungen von Mahlers 3. Symphonie im Konzerthaus zu dirigieren. Obwohl musikalisch ein Antipode, erwies sich Webern in diesen Konzerten als eminenter und eigenständiger Mahler-Dirigent. Im März 1926 gelang Webern zusammen mit allen von ihm geführten Chören eine aufsehenerregende 8. Symphonie, die im zweihundertsten Arbeiter-Symphonie-Konzert zweimal im Wiener Konzerthaus aufgeführt wurde. Im Jahre 1928 sollte Webern den ersten im Radio übertragenen Konzertabend der Gesellschaft mit Mahlers 2. Symphonie leiten, wurde aber krank und musste sich von Erwin Stein vertreten lassen. Ab 1929 leitete er dann regelmäßig Konzerte des Österreichischen Rundfunks (RAVAG). So hatte er beispielsweise am 14. Dezember 1930 einen großen Erfolg mit der 6. Symphonie im Musikverein im Rahmen eines Arbeiter-Symphonie-Konzerts. In den folgenden Jahren dirigierte Webern Mahlers 2. Symphonie beim Musikfest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM), dann 1933 wieder für die RAVAG die 5. Symphonie und die 6.Symphonie. In den Jahren nach 1933 leitete Webern für die BBC noch die 4. Symphonie.

Auch in Frankreich waren Werke von Mahler schon in dessen letzten Lebensjahren zu hören. Im Mai 1909 dirigierte Joseph Lassalle die 1. Symphonie in Paris mit dem Münchner Tonkünstler Orchester und dann im Jahre 1911 die 4. Symphonie. Im gleichen Jahr leitete Camille Chevillard ebenfalls in Paris zwei Aufführungen der 5. Symphonie. Mahler selbst hatte dort bereits ein Jahr zuvor die Erstaufführung der 2. Symphonie mit dem Orchestre des Concerts Colonne dirigiert. Das Auftreten Mahlers in Paris war einigermaßen erfolgreich, der Tenor der Kritiken in der französischen Presse war aber mehr von Respekt, als von Zustimmung getragen. Denn die Rezeption der Werke Mahlers in Frankreich war von Anfang an mit Vorurteilen belastet, welche einen durchaus chauvinistischen Beiklang hatten. Die zeitgenössischen Komponisten wie Debussy, Ravel, Dukas, oder Faurè vertraten einen vollkommen anderen Musikstil, für den sich wiederum Mahler nicht erwärmen konnte.

Im österreichischen Ständestaat der Dreißiger-Jahre gab es sogar kulturpolitische Bemühungen, Mahler zu einem musikalischen Aushängeschild des Regimes zu machen. Dahinter stand wohl auch das Kalkül, sich mit einem Komponisten jüdischer Abstammung gegenüber den verhassten Nazis im Nachbarland zu profilieren. Höhepunkt dieser Bestrebungen waren die Feiern zu Mahlers 25. Todestag im Mai 1936. Bruno Walter, der vom Regime als künstlerischer Erbe betrachtet wurde, dirigierte im Rahmen dieser Feiern die 2. Symphonie, die 8. Symphonie und Das Lied von der Erde und dann schließlich im Jahre 1938, knapp vor dem Anschluss, die 9. Symphonie mit dem Wiener Philharmonikern. Davon existiert auch ein Mitschnitt auf Schallplatte. Kurz danach wurden Aufführungen der Werke Gustav Mahlers im gesamten Deutschen Reich verboten.

Gustav Mahler Superstar. Die Jahre nach 1945.#

Während der ersten fünfzehn Jahre nach Kriegsende fanden sich in den Konzertprogrammen deutscher oder österreichischer Städte nur sporadisch Werke Mahlers. So etwa wurde die 1. Symphonie 1950 in München und im Mai 1951 überhaupt zum ersten Mal in Hannover aufgeführt. Die Publikumsreaktionen und die Kritik waren kaum dazu angetan, Mahlers Musik eine weitere Überlebenschance zu geben. Wieder wurden die alten Vorurteile laut, denen sich schon der Nationalsozialismus bedient hatte, um Mahler abzuqualifizieren. Aber auch von Kritikern ohne antijüdischen Zungenschlag, wurde seine Musik vielfach als überholt betrachtet.

Der Hauptgrund für das mangelnde Interesse war aber wohl, dass die bestimmenden Dirigenten dieser Jahre keine Affinität zu Mahlers Musik hatten. Wilhelm Furtwängler dirigierte nach dem Krieg nur mehr die Lieder eines fahrenden Gesellen und die Kindertotenlieder, Clemens Kraus der sich bis 1938 sehr für Mahler eingesetzt hatte, später gar nichts mehr, so wie auch Celibidache oder Knappertsbusch. Karl Böhm hatte schon vor dem Krieg nur sporadisch Mahler dirigiert und Herbert von Karajan bis 1970 überhaupt nicht.

Dimitri Mitropoulos
Dimitri Mitropoulos

So schien es in diesen Jahren, als wäre es mit Mahler vorbei. Dieser traurige Befund galt aber nur für Österreich und Deutschland und in einem weiteren Sinn für Europa. Nicht aber für die USA. Dort wurde auch dank des Einsatzes von Bruno Walter eine gewisse Kontinuität der Mahler-Pflege gewahrt. Mahlers Schaffen war den musikalischen Insidern dort durch die Erstaufführungen der 4. Symphonie in New York 1904 und der 5. Symphonie ein Jahr darauf in Cincinnati nicht mehr gänzlich unbekannt. Mahler selbst hatte dann während seiner Jahre an der Metropolitan Opera und als Dirigent des New York Philharmonic Orchestra einige seiner Werke aufgeführt, so etwa die 2. Symphonie im Dezember 1908. Fast alle in die USA emigrierten Dirigenten von Rang setzten während der Vierziger- und Fünfzigerjahre Werke des in Europa fast vergessenen Komponisten auf ihre Konzertprogramme. So natürlich Bruno Walter, der wann immer er konnte, Werke Mahlers aufführte. Aber beispielsweise auch Arthur Rodzinski, der im Herbst 1943 eine fulminante Aufführung der 2. Symphonie in New York leitete, oder Leopold Stokowski, der im April 1950 die 8. Symphonie dirigierte. Besonders hervorzuheben ist Dimitri Mitropoulos (1896-1960), der sich bereits 1948 Mahler zuwandte und in den folgenden Jahren zu einem eminenten Interpreten des österreichischen Komponisten wurde. Mitropoulos leitete am 15 April 1956 eine großartige 3. Symphonie mit dem Philharmonic-Symphony Orchestra in der Carnegie Hall. Einige dieser Aufführungen wurden mitgeschnitten und sind erst kürzlich auf CD erschienen.

In den USA entwickelte sich auch der bis heute anhaltende Kult um Gustav Mahler. Es selbst hatte es prophetisch vorausgesehen, dass »seine Zeit kommen würde«. Jetzt plötzlich, nach der traumatischen Erfahrung mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg traf seine Musik den Nerv eines verunsicherten Zeitalters, das in den Ängsten und der Zerrissenheit des Komponisten Mahler seine eigene Befindlichkeit erkennen konnte. Diese Entwicklung hängt vor allem mit der Persönlichkeit von Leonard Bernstein (1918-1990) zusammen. Dieser erste in Amerika geborene universelle Musiker mit internationaler Ausstrahlung war erstmals 1943 mit der Mahlers Musik in Berührung gekommen, als er auf einer Orchesterprobe der 2. Symphonie für Arthur Rodzinski einspringen musste. Damals hatte er nach eigenem Einbekenntnis mit der für ihn vollkommen neuen Musik erhebliche Schwierigkeiten. Im Jahre 1947 führte er dann mit dem City Symphony Orchestra erstmals die 2. Symphonie auf. Im Mahler-Gedenkjahr 1960 organisierte er zusammen mit dem eminenten Mahler-Dirigenten Dimitri Mitropoulos in der Carnegie Hall ein Mahler-Festival. Mitropoulos dirigierte im Januar des Jahres die 1. Symphonie, die 5. Symphonie, die 9. Symphonie, sowie das Adagio aus der unvollendeten 10. Symphonie. Bernstein leitete wiederum die 2. Symphonie, die 4. Symphonie, sowie die Lieder eines Fahrenden Gesellen und die Kindertotenlieder. Zum Abschluss des Festivals dirigierte Bruno Walter Das Lied von der Erde. In den Lebensläufen Mahlers und Bernsteins gab es augenfällige Parallelen. Beide waren Juden, Komponisten und Dirigenten, beide leiteten zehn Jahre lang wichtige Musikinstitutionen und wurden mehr oder weniger aus ihren Funktionen hinaus intrigiert. Wie Mahler musste auch Bernstein im Dauerkrieg mit den Medien lange für die öffentliche Akzeptanz seiner Werke kämpfen. Während der Sechziger-Jahre wurde die Identifikation Bernsteins mit Mahler total. Er legte die erste Mahler-Gesamtausgabe auf Schallplatten vor und begab sich in diesen Jahren auch nach Wien, um »den Geist Mahlers einzuatmen«. Bernstein sorgt auch dafür, dass in der Wiener Staatsoper die Mahler-Büste wieder aufgestellt wurde, welche von den Nazis entfernt worden war. Als Dank wurde er mit der Gustav-Mahler-Medaille ausgezeichnet und behauptete kurz darauf von sich: »Ich bin wienerischer geworden.«

In Wien war Mahlers Musik seit dem Anschluss nicht mehr aufgeführt worden. Erst am 3. Juni 1945 spielten die Wiener Philharmoniker im Konzerthaus die 1. Symphonie unter Robert Fanta (1901-1974). Der gleiche Dirigent interpretierte dann am 16. September 1945 Mahlers 3. Symphonie mit den Wiener Symphonikern. Joseph Krips dirigierte am 31. Oktober 1945 die 2. Symphonie und dann Das Lied von der Erde. Bruno Walter leitete dann 1948 wiederum die 2. Symphonie und übernahm dann auch den Ehrenvorsitz der 1955 gegründeten Internationalen-Mahler-Gesellschaft. Im Jahre 1960 wurde in Wien der hundersten Wiederkehr des Geburtstags von Gustav Mahler mit einer großen Ausstellung gedacht. Im Zuge der Gedenkveranstaltungen dirigierte Bruno Walter 1961, einige Monate vor seinem Tod im Musikverein noch einmal die 4. Symphonie mit den Wiener Philharmonikern (davon gibt es einen Mitschnitt). Das gleiche Orchester spielte in einer denkwürdigen Aufführung der 8. Symphonie am 28. August im Rahmen der Salzburger Festspiele unter Dimitri Mitropoulos. Ein Jahr zuvor hatte der griechische Dirigent am 31. August die 6. Symphonie mit dem Orchester des Westdeutschen Rundfunks aufgeführt (auch davon existiert ein Mitschnitt). Den ersten Mahler-Gesamtzyklus gab es aber erst im Jahre 1967 im Rahmen der Wiener Festwochen. Höhepunkt war eine spektakuläre Aufführung der 2. Symphonie in der eigens für dieses Konzert adaptierten Wiener Staatsoper mit den Wiener Philharmonikern unter Leonard Bernstein.

Jetzt war Mahler plötzlich en vogue, auch in den Ländern, die seiner Musik kurz zuvor noch reserviert begegnet waren galt er jetzt als ein moderner Klassiker. Eine Ausnahme blieb Frankreich. Dort waren die starken Vorbehalte gegen das »Teutonische« in der deutschen Musik waren nach wie vor virulent. Jedenfalls ist auffallend, dass nach dem Krieg kein französischer Maestro von Rang Mahler aufgeführt hat, nicht Monteux, nicht Munch, nicht Prètre. Lediglich Pierre Boulez hat sich wiederholt für Mahler eingesetzt und auch einiges von ihm dirigiert. Vom berühmten, als Spezialist für französische Musik bekannten Ernest Ansermet ist sogar eine abwertende Beurteilung bekannt. In seinem 1961 erschienenen Buch Die Grundlagen der Musik im menschliche Bewusstsein behauptet Ansermet, kein jüdischer Komponist wäre je wirklich schöpferisch gewesen. Auch Mahler würde »über keinen persönlichen Stil verfügen, sondern nur über eine persönliche Manier, eine im allgemeinen unpersönliche Ausdrucksweise zu organisieren.« Mahlers Musik, so Ansermet, wäre »keine jüdische Musik, sie ist Musik von Mahler, aber sie drückt in gängiger Sprache eine Art, Jude zu sein, aus.« Dieses merkwürdige Zitat ist wahrscheinlich nur aus dem Kontext der französischen Musiktradition zu verstehen. Es soll Ansermet, der persönlich sicher kein Antisemit war, zugute gehalten werden, dass er vielleicht erkannt hatte, dass sich der Gedanken- und Gefühlskosmos Mahlers mit rein musikalisch-dirigentischen Mitteln nicht erschließen lässt, sondern etwas erfordert, was letztlich außerhalb der Musik liegt: Identifikation.

Sir John Barbirolli, 1947
Sir John Barbirolli, 1947
© Encyclopedia Britannica

Dagegen brachte Großbritannien nach Ende des Zweiten Weltkriegs einen der kongenialsten Mahler-Dirigenten hervor: Sir John Barbirolli (1899-1970). Im britischen Königreich hatte die Mahler-Pflege noch zu Lebzeiten des Komponisten begonnen, mit Aufführungen der 1. Symphonie (1903) und der 4. Symphonie (1905) durch Henry Wood. Im Februar 1930 gab es auch eine Aufführung der 9. Symphonie mit dem Hallé-Orchestra unter Sir Hamilton Harty. Angeregt durch den Kritiker Neville Cardus interessierte sich dann Sir John Barbirolli für das Werk Mahlers und dirigierte dann nach langem Studium und einer Probenzeit von fast fünfzig Stunden im Februar 1954 Mahlers 9. Symphonie in mehreren englischen Städten, darunter in Manchester und London. Im Laufe der nächsten sechzehn Jahre reifte Barbirolli zu einem der besten Interpreten Mahlers und dirigierte auch alle weiteren Symphonien mit Ausnahme der 8. Symphonie und des Fragments aus der 10. Symphonie. Im Zuge ausgedehnter Tourneen mit dem Hallé-Orchestra präsentierte Barbirolli seine Mahler-Interpretationen in den USA, Italien, Russland, Österreich und Deutschland. Maßstäbe setzend waren vor allem seine Aufführungen von Mahler-Werken mit dem Berliner Philharmonischen Orchester (Ein Mitschnitt der 9. Symphonie existiert auf CD). Nach seinem letzten Konzert mit der 2. Symphonie in Stuttgart sagte ein erschütterter Besucher: »Es war, als ob der große alte Mann an den Pforten des Himmels gerüttelt habe.«

Entgültig zur Kultfigur wurde Mahler dann in den Siebziger-Jahren durch den Film Tod in Venedig (1970) von Luchino Visconti, der als Leitmusik das Adagietto aus der 5. Symphonie verwendete. Viscontis opulente ästhetisch eindrucksvolle Umsetzung der Novelle Thomas Manns, insbesondere die sensible Charakteristik der Mahler nachempfundenen Hauptfigur, des Dichters Gustav Aschenbach, steigerte breitenwirksam das Interesse an seiner Musik. Leider ist die für den Film verwendete Version des Adagiettos von minderer künstlerischer Qualität, was aber für die sich bis heute weiter ausbreitende Mahler-Welle ohne Belang geblieben ist.

Aufführungschronik (1889-1933)#

188920. NovemberMahler dirigiert die Uraufführung der 1. Symphonie in Budapest.
189327. OktoberUraufführung der revidierten Fassung der 1. Symphonie und von sechs Liedern aus "Des Knaben Wunderhorn" in Hamburg.
17. NovemberAufführung von drei Liedern aus "Des Knaben Wunderhorn" in Wiesbaden.
18943. JuniMahler leitet eine Aufführung der 1. Symphonie beim Deutschen Musikfest in Weimar.
18954. März Mahler leitet die Uraufführung der ersten drei Sätze der 2. Symphonie in Berlin.
13. Dezember Mahler dirigiert die Uraufführung der vollständigen 2. Symphonie in Berlin.
189616. MärzMahler dirigiert die Uraufführung der „Lieder eines fahrenden Gesellen“ zusammen mit der 1.Symphonie in Berlin.
9. November Uraufführung des zweiten Satzes der 3. Symphonie unter Arthur Nikisch in Berlin.
7. Dezember Felix von Weingartner dirigiert den zweiten Satz der 3. Symphonie in Hamburg.
14. Dezember Aufführung des ersten und zweiten Satzes der 2. Symphonie in Leipzig.
18979. März Felix von Weingartner leitet drei Sätze aus der 3. Symphonie in Berlin.
31. März Mahler dirigiert den zweiten Satz der 3. Symphonie im Rahmen eines Benefizkonzertes in Budapest.
18983. MärzMahler leitet die 1. Symphonie in Prag.
3. MärzAufführung des Andante aus der 2. Symphonie mit dem Kaim-Orchester unter Ferdinand Löwe in Wien.
6. März Aufführung der 2. Symphonie unter Sylvain Dupuis in Liège.
189922. Januar Mahler dirigiert die 2. Symphonie in Liège.
8. März Mahler leitet die 1. Symphonie in Frankfurt.
9. April Mahler dirigiert die Erstaufführung der 2. Symphonie in Wien im Rahmen eines Nicolai-Konzerts im Musikverein.
190014. Januar Konzert mit zwei "Liedern eines fahrenden Gesellen" und drei "Wunderhorn"-Liedern in Wien.
18. November Mahler dirigiert die 1. Symphonie erstmals in Wien.
190117. Februar Mahler dirigiert die Uraufführung des "Klagenden Liedes" in Wien.
5. November Mahler dirigiert die Uraufführung der 4. Symphonie in München.
16. Dezember Mahler leitet eine Aufführung der 4. Symphonie in Berlin.
20. Dezember Aufführung der 2. Symphonie unter Ernst von Schuch in Dresden.
190212. Januar Wiener Erstaufführung der 4. Symphonie unter Mahler, zusammen mit dem "Klagenden Lied".
9. Juni Mahler dirigiert die Uraufführung der 3. Symphonie in Krefeld.
16. Dezember Mahler dirigiert die 4. Symphonie in Berlin.
190323. Januar Mahler dirigiert die 4. Symphonie in Wiesbaden.
2. April 1. Symphonie unter Mahlers Leitung in Lemberg (Wiederholung am 4. April)
15. Juni Mahler dirigiert die 2. Symphonie in Basel.
21. Oktober Aufführung der 1. Symphonie in London unter Henry Wood.
22. Oktober Aufführung der 3 .Symphonie in Amsterdam unter Mahler. Wiederholung am 23. Oktober.
25. Oktober Aufführung der 1 .Symphonie in Amsterdam unter Mahler.
2. Dezember Mahler dirigiert die 3. Symphonie im Opernhaus in Frankfurt.
18. Dezember Aufführung der 2. Symphonie in Prag unter Oskar Nedbal.
19041. Februar Aufführung der 3. Symphonie in Heidelberg (Wiederholung am 2. Februar in Mannheim).
25. Februar Mahler dirigiert die 3. Symphonie in Prag.
23. März Mahler leitet die 4. Symphonie in Mainz.
27. März Mahler dirigiert die 3. Symphonie in Köln.
18. Oktober Mahler dirigiert die Uraufführung der 5. Symphonie in Köln.
23. Oktober Doppelaufführung der 4. Symphonie in Amsterdam.
26. Oktober Mahler dirigiert die 2. Symphonie in Amsterdam. Wiederholung am 27. Oktober.
6. November Erstaufführung der 2. Symphonie in New York unter Walter Damrosch.
28. November Mahler dirigiert die 3. Symphonie in Leipzig.
14. Dezember Mahler dirigiert die 3. Symphonie in Wien mit den Wiener Philharmonikern (Wiederholung am 22. Dezember).
190527. Januar Aufführung der 5. Symphonie in Dresden unter Ernst von Schuch.
29. Januar Uraufführung der "Kindertotenlieder“, von vier Rückert-Liedern und sechs Liedern aus dem Zyklus "Des Knaben Wunderhorn" unter Leitung des Komponisten in Wien. (Wiederholung des Konzerts am 3. Februar).
20. FebruarAufführung der 5. Symphonie unter Arthur Nikisch in Berlin.
2. März Aufführung der 5. Symphonie unter Leo Blech in Prag.
13. März Mahler leitet eine Aufführung der 5. Symphonie in Hamburg.
24. März Amerikanische Erstaufführung der 5. Symphonie in Cincinnati unter Frank van der Stucken.
21. Mai Aufführung der 5. Symphonie in Straßburg unter Mahler.
25. Oktober Erstaufführung der 4. Symphonie in London unter Henry Wood.
8. November Aufführung der 2. Symphonie in Berlin unter Oscar Fried.
? November Mahler dirigiert die 3. Symphonie in Berlin.
1. Dezember Mahler leitet die 5. Symphonie in Triest.
7. Dezember Aufführung der 5. Symphonie in Wien mit den Wiener Philharmonikern.
20. Dezember Mahler leitet die 5. Symphonie in Breslau mit dem dortigen Orchesterverein.
19062./3. März Wilhelm Gericke dirigiert die 5. Symphonie in Boston.
5. März Mahler leitet eine Aufführung der 5. Symphonie in Antwerpen.
8. März Aufführung der 5. Symphonie, der "Kindertotenlieder" und von "Ich bin der Welt abhanden gekommen" in Amsterdam.
10. März Aufführung des "Klagenden Liedes" in Amsterdam unter Mahler. Die Wiederholung am 11. März dirigierte Mengelberg.
27. Mai Uraufführung der 6. Symphonie in Essen unter Leitung des Komponisten.
8. Oktober Oskar Fried dirigiert die Erstaufführung der 6. Symphonie in Berlin.
24. Oktober Mahler leitet eine Aufführung der 3. Symphonie in Breslau.
8. November Mahler dirigiert die 6. Symphonie in München.
10. November Oskar Fried dirigiert die 2. Symphonie in St. Petersburg.
11. November Mahler leitet die 1. Symphonie in Brünn mit den dortigen Philharmonikern.
3. DezemberMahler dirigiert die 3. Symphonie in Graz im Stadttheater. Wiederholung am 23. Dezember.
19074. Januar Mahler dirigiert die Erstaufführung der 6. Symphonie in Wien mit dem Orchester des Konzertvereins.
14. Januar Aufführung der 3. Symphonie in Berlin.
18. Januar Mahler leitet eine Aufführung der 4. Symphonie in Frankfurt.
20. Januar Aufführung der 1. Symphonie in Linz.
14. Februar Johannes Messchaert singt in Berlin die "Kindertotenlieder", die „Lieder eines fahrenden Gesellen", vier "Rückert-Lieder" und fünf "Wunderhorn"-Lieder mit dem Komponisten am Klavier.
Letzter öffentlicher Auftritt Mahlers als Begleiter.
1. April Mahler dirigiert das Adagietto aus der 5. Symphonie im Rahmen eines Konzertes in Rom.
4. April Konzert in Triest mit der 1. Symphonie.
9. November Konzert in St. Petersburg mit der 5. Symphonie.
24. November Mahler dirigiert die 2. Symphonie mit dem Hofopernorchester in Wien.
Letztes Auftreten Mahlers in Wien.
19088. Mai Konzert in Wiesbaden mit der 1. Symphonie.
19. September Mahler leitet die Uraufführung der 7. Symphonie in Prag.
27. Oktober Aufführung der 7. Symphonie in München im Odeon.
8. Dezember Erstaufführung der 2. Symphonie mit dem New York Symphony Orchestra in New York.
190915. Januar Richard Strauss dirigiert die 4. Symphonie in Berlin.
2. Mai Erstaufführung der 1. Symphonie in Paris unter Joseph Lassalle mit dem Münchner Tonkünstler Orchester.
2. Oktober Aufführung der 7. Symphonie in Den Haag mit dem Concertgebouw Orchester. Wiederholungen des Konzerts am 3. und 7. Oktober in Amsterdam.
10. November Uraufführung der Bach/Mahler-Suite in New York.
3. Dezember Richard Strauss dirigiert die 1. Symphonie in Berlin.
16. Dezember Mahler leitet die 1. Symphonie im Rahmen eines Abonnement-Konzertes in New York. Wiederholung am 17. Dezember.
191026. Januar Amerikanische Erstaufführung der "Kindertotenlieder" in New York. Wiederholung am 27. Januar in der Academy of Music in Brooklyn.
17. April Mahler dirigiert die Erstaufführung der 2. Symphonie in Paris mit dem Orchestre des Concerts Colonne.
12. September Mahler dirigiert die Uraufführung der 8. Symphonie in München. Wiederholung der Aufführung am 13. September.
1. November Konzert mit der Bach/Mahler Suite in New York. Wiederholungen am 4. und am 6. November.
5. Dezember Konzert mit den Bach/Mahler Suite in Pittsburgh. Wiederholungen in Cleveland, Buffalo, Rochester, Syracuse und Utica.
191117. Januar Konzert mit der 4. Symphonie in New York. Wiederholung am 20. Januar.
22. Januar Camille Chevillard dirigiert die 5. Symphonie in Paris. Wiederholung des Konzerts am 29. Januar.
23. Januar Oskar Fried leitet die 7. Symphonie in Berlin.
26. Januar Joseph Lassalle dirigiert die französische Erstaufführung der 4. Symphonie in Paris mit dem Münchner Tonkünstlerorchester.
15. Februar Konzert in New Haven mit der Bach/Mahler-Suite.
18. Mai Gustav Mahler stirbt in Wien.
20. November Bruno Walter leitet die Uraufführung des „Liedes von der Erde“ in München zusammen mit einer Aufführung der 2. Symphonie.
191226. Juni Bruno Walter leitete die Uraufführung der 9. Symphonie in Wien mit den Wiener Philharmonikern.
1920 Oskar Fried dirigiert den ersten Mahler-Zyklus im Wiener Konzerthaus.
1922 Anton von Webern dirigiert zwei Aufführungen der 3. Symphonie im Wiener Konzerthaus.
1924 Uraufführung des Adagio aus der unvollendet gebliebenen 10. Symphonie unter Franz Schalk in Wien.
1926März Zwei Aufführungen der 8. Symphonie unter Anton von Webern im Wiener Konzerthaus.
1928 Aufführung der 2. Symphonie unter Erwin Stein in Wien.
Aufführungen der 5. Symphonie und des "Liedes von der Erde" unter Josef Krips in Karlsruhe.
1929 Josef Krips dirigiert die 2. Symphonie und die 9. Symphonie in Karlsruhe.
1930 27. Februar Aufführung der 9. Symphonie mit dem Hallé-Orchestra unter Sir Hamilton Harty.
Aufführungen der 3. Symphonie und der 4. Symphonie unter Josef Krips in Karlsruhe.
14. Dezember Anton von Webern leitet eine Aufführung der 6. Symphonie im Wiener Musikverein.
1932 Aufführung der 2. Symphonie unter Anton von Webern in Wien.
1933 Anton von Webern dirigiert Aufführungen der 5. Symphonie und der 6. Symphonie für den Österreichischen Rundfunk (RAVAG).

Quellen#

  • Jens Malte Fischer, Gustav Mahler. Der fremde Vertraute, Wien 2003
  • Henry-Louis de La Grange, Wien. Eine Musikgeschichte, Frankfurt/Main 1997
  • Website der Internationalen Mahler Gesellschaft Wien, www.gustav-mahler.org