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Richard Tauber – die vertriebene Stimme#

Exzellente Biographie über den weltberühmten Startenor aus Linz#


Von der Wiener Zeitung (Mittwoch, 13. Juli 2011) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Rainer Mayerhofer


Richard Tauber
Richard Tauber bei einer Wohltätigkeits-Matinee 1932 im Berliner Zoo.
Foto: © wikimedia/bundesarchiv.de, Bild 102-13781/CC-BY-SA.

1933 stoppten die Nationalsozialisten Taubers Karriere in Deutschland. Nordico-Museum in Linz besitzt seinen Nachlass mit einer Fülle an Material.#

Exzellente Biographie über den weltberühmten Startenor aus Linz Richard Tauber gilt als einer der größten Tenöre des 20. Jahrhunderts, der schon lange vor Luciano Pavarotti, Placido Domingo und Jose Carreras die Mauern zwischen E- und U-Musik einriss. Er feierte als Mozart- Interpret ebensolche Erfolge wie mit Operettenrollen von Franz Lehar, der ihm einige seiner größten Erfolge auf den Leib geschrieben hat, wie „Dein ist mein ganzes Herz“ und „Immer nur lächeln“ in der Operette „Das Land des Lächelns“.

„Judenlümmel, raus aus Deutschland“#

1933 aber war für den am 16. Mai 1891 in einem Linzer Hotelzimmer als Sohn einer katholischen Soubrette und eines getauften jüdischen Schauspielers geborenen Richard Denemy, der erst 1913 von seinem Vater offiziell adoptiert wurde, die Karriere in Deutschland vorbei. Vor dem Hotel Kempinski am Berliner Kurfürstendamm schlugen SA-Männer den Gesangsstar nieder und brüllten: „Judenlümmel, raus aus Deutschland“. Der politisch keineswegs engagierte Tauber emigrierte vorerst in sein Geburtsland Österreich, seine Karriere setzte er mit Auftritten in ganz Europa und in den USA fort. Den Anschluss Österreichs im März 1938 erlebte er während einer Tournee in Mailand, seine neue Heimat sollte danach Großbritannien werden, dessen Staatsbürger Richard Tauber 1940 wurde.

Evelyn Steinthaler zeichnet in ihrer ausgezeichnet recherchierten Biographie, bei der sie sich auf das umfangreiche Material des Nachlasses im Linzer Nordico- Museum stützen konnte, das abwechslungsreiche Leben des Tenors mit all seinen Höhen und Tiefen nach.

Die familiären Probleme mit Ehefrauen und alkoholkranken Geliebten, die finanzielle Pleite im kommerziellen Filmgeschäft werden dabei ebenso beleuchtet wie die politischen und kulturpolitischen Umstände, die das Leben Taubers und seiner Zeit prägten, sowie seine künstlerische Verbundenheit mit Franz Lehar, der es an Ambivalenz nicht fehlte.

Der großzügige Tauber kämpfte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit schweren gesundheitlichen, aber auch finanziellen Problemen. Als er am 8. Jänner 1948 in London an Lungenkrebs starb, hatte er 750.000 Mark Steuerschulden, und während der Trauerfeier in der Royal Albert Hall wurde unter den 7000 Trauergästen für die Witwe gesammelt.

Kurz zuvor hatte der gefeierte Star, der aus aller Welt Angebote erhielt, jedoch keine aus Berlin oder Wien, aber noch die Genugtuung, beim ersten Gastspiel der Wiener Staatsoper in London nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs seine Paraderolle, den Don Octavio aus Mozarts „Don Giovanni“, an der Royal Opera Covent Garden singen zu dürfen.

Sachbuch #

Morgen muss ich fort von hier. Richard Tauber – Die Emigration eines Weltstars.

Evelyn Steinthaler Milena-Verlag, 227 Seiten

Wiener Zeitung, Mittwoch, 13. Juli 2011