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Buchsbaumzünsler: Gefräßig und gefährlich#

Eine kleine Raupe aus Asien frisst sich durch Österreichs Buchsbestände#


Von der Wiener Zeitung (Freitag, 31. Mai 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Petra Tempfer


Bis auf Tirol bereits alle Bundesländer betroffen.#

Buchsbaumzünsler
Sie schlüpfen im Inneren des Buchs’ und beginnen sofort zu fressen: die Raupen des Buchsbaumzünslers, ein eher unscheinbarer Schmetterling.
© dpa/Ages

Wien. Sie kommen eingebettet in ihre Lieblingsspeise zur Welt, fressen sich durch - und haben ihre nächste Futterquelle erreicht. Was klingt wie ein Märchen aus dem Schlaraffenland ist zum Alptraum der Hobby- und Profigärtner geworden: Die Raupen eines kleinen Schmetterlings, des Buchsbaumzünslers, wurden vor etwa sechs Jahren aus Ostasien importiert und breiten sich seitdem rasend schnell aus. Bis auf Tirol hat der Buchsbaumzünsler bereits alle Bundesländer Österreichs erreicht - erst in der Vorwoche wurde er erstmals in Oberösterreich entdeckt. Davor haben sich die giftgrünen Raupen, die bitter schmecken sollen, mangels natürlicher Feinde schon durch Deutschland und die Schweiz durchgefressen. Klassische Bioinvasoren also, die vermutlich über Containerschiffe nach Deutschland eingeschleppt worden sind und nun neues Gebiet erobern.

Neuer Pilz vernichtet zusätzlich ganze Bestände#

Das Ende des Buchs’ droht, warnen Experten. "Zu allem Überdruss ist vor kurzem ein weiteres Problem dazugekommen: ein gefährlicher Pilz, der ganze Bestände zerstört", sagt Gartenexperte Karl Ploberger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Vor einigen Jahren war dieser erstmals in England aufgetaucht, etwas später klagten holländische Baumschulen über komplett vernichtete Buchsbaum-Bestände. "Der Pilz in Kombination mit den Raupen setzt dem Buchs derart zu, dass ihn heimische Baumschulen schon ohne Garantie verkaufen", so Ploberger.

Vor allem den Buchsbaumzünsler-Befall merkt man vorerst nämlich nicht. Legen doch die weiß-schwarzen Schmetterlinge ihre Eier direkt ins Innere der Pflanze, wo die Raupen - sobald sie geschlüpft sind - sofort zu fressen beginnen. Danach nagen sie die Blätter, die grüne Rinde der Triebe und schließlich auch das Holz ab. Stark befallener Buchs ist mit den Gespinsten der Raupen überzogen, die Blätter sind bis auf die Mittelrippen abgefressen oder eingetrocknet.

Bis zur Verpuppung durchlaufen die bis zu zweieinhalb Zentimeter großen Raupen mehrere Larvenstadien - als Schmetterling leben sie nur wenige Tage. Das Fatale: Bei günstigen Witterungsbedingungen sind bis zu fünf Generationen möglich, daher breitet sich der Buchsbaumzünsler so rasend schnell aus. Vor dem Winter spinnen sich die Raupen der letzten Generation im Inneren des Buchs’ ein, um etwa Anfang März wieder zu fressen zu beginnen.

Bakterien im Kampf gegen Raupen eingesetzt#

Wer sich dem Kampf gegen den Buchsbaumzünsler stellt, muss laut Ploberger zwei bis dreimal in der Saison spritzen. Am besten mit einem Mittel, das das Bakterium namens Bacillus thuringiensis enthält. "Die Raupen sterben bei direktem Kontakt", sagt Ploberger, der rät, ein Hochdruck-Spritzgerät zu verwenden, damit das Mittel die feinen Raupen-Gespinste durchdringt. Vorbeugende Maßnahmen gegen den Buchsbaumzünsler gibt es laut Ploberger nicht.

Dem Pilz-Befall kann man aber sehr wohl entgegenwirken. Etwa, indem man den Buchs in trockener Umgebung und nicht in Rindenmulch einsetzt. Ist die Pflanze bereits befallen, gibt es auch spezielle Spritzmittel gegen Pilze. Falls die Zerstörung durch Pilz oder Raupen zu massiv ist, rät Ploberger, die Pflanze kräftig zurückzuschneiden.

Die seiner Ansicht nach effektivste Rettung des Buchs’: "Dass heimische Vogelarten auf den Geschmack kommen, die Raupen des Buchsbaumzünslers in ihren Speiseplan aufnehmen und zu natürlichen Feinden werden."

Wiener Zeitung, Freitag, 31. Mai 2013