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Sind Zeitreisen möglich? (Essay)#

Lothar Bodingbauer

Steigen Sie doch einmal in eine Zeiteisenbahn. Der Zug bringt sie nach gestern oder übermorgen, in der ersten Klasse sogar besonders bequem. Sie bekommen gratis eine Zeitung. Von heute?

Nein. Zeitreisen sind heute praktisch nicht möglich. Ja. Sie sind möglich, theoretisch durchaus.

Physiker versuchen die Welt zu erklären. Viele ihrer Ergebnisse leiten sie aus Beobachtungen ab, viele andere aber leiten sich auch aus Berechnungen her. Es gibt mathematische Modelle für die Entstehung des Universums, für den Aufbau der Materie, für den Ablauf der Zeit. In vielen dieser Modelle ist rein mathematisch Platz für eine Umkehrung der Zeit, für eine Zeitreise in die Vergangenheit oder auch für einen spannenden Sprung nach vorne in die Zukunft.

Wir wissen jedoch nicht, wie wir das Experiment aufbauen sollen, mit dem wir diese Zeitreisen beweisen könnten. Es sieht nicht danach aus, als ob sich das bald ändern würde, und es gibt noch eine weitere Sache: Was theoretisch mathematisch möglich ist, muss nicht unbedingt eine erlaubte Lösung in der freien Natur sein. Sie bietet diese Lösung auf dem wirklichen Jahrmarkt der Möglichkeiten vielleicht gar nicht an.

„Wurmlöcher“ etwa wären so ein mathematischer Vorschlag der Physiker für Zeitreisen. Sie verbinden zwei Gebiete auf einer Apfeloberfläche miteinander. Es könnte laut Einstein auch ein raum-zeitliches „Wurmloch“ geben, irgendwo im Universum – bis jetzt konnten aber „Wurmlöcher“ nicht einmal experimentell nachgewiesen werden!

Was heute schon funktioniert, ist die bloße Dehnung der Zeit. Sie können sich von Ihren Freunden zeitlich entfernen, indem Sie eine möglichst lange Zeit mit einer möglichst hohen Geschwindigkeit verreisen. Sie bleiben jünger, da nach Einsteins Relativitätstheorie für bewegte Bezugssysteme die Zeit langsamer vergeht.

1971 ließen Josef Hafele und Richard Keating Atomuhren in einemPassagierflugzeug um die Erde fliegen. Ein paar hundert Milliardstel Sekunden betrug der Unterschied, als das Flugzeug zurückkehrte.

Die verreisten Uhren waren wirklich jünger. Sollten Sie jedoch eine Zeitmaschine entwickeln, lassen Sie es uns wissen. Seien Sie vorweg schon etwas beruhigt: Physiker glauben, dass es eine Chronologie-Schutzthese gibt.

Die physikalischen Gesetze wirken demnach so zusammen, dass Zeitreisen makroskopischer Objekte in die Vergangenheit verhindert werden. Wir werden wohl nicht in die Vergangenheit reisen können, um dem Großvater ein Kondom auszuhändigen, mit der Bitte, es in Zukunft auch zu verwenden!



Von einem weiteren Versuch, eine Zeitmaschine zu konstruieren, berichtet die Homepage der Universität Utah: „Bereits im Jahr 2000 konnte Steve Mallet zeigen, dass ein im Kreis laufender Laserstrahl zu einer Verzerrung des Raumes, einer Art Strudel in der Umgebung führt. Doch Mallet ging noch einen Schritt weiter. Seine Berechnungen ergaben folgendes: Läuft ein zweiter Laserstrahl dem ersten entgegen und wird die Intensität entsprechend erhöht, dann tauschen Raum und Zeit ihre Rollen. Im Inneren des zirkulierenden Laserstrahls rotiert die Zeit. Menschen könnten in die Vergangenheit zurückreisen, allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, als der zirkulierende Lichtstrahl erzeugt wurde. ...“


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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