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Grönlandhai - ein Methusalem im Eismeer#

Die langlebigsten Wirbeltiere bekommen erst mit 150 Jahren Nachwuchs.#


Von der Wiener Zeitung (Freitag, 12. August 2016) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Grönlandhai
Der Grönlandhai kann mehrere tausend Meter tief tauchen.
© Science/Julius Nielsen

Kopenhagen/Wien. (gral) Würde es einen Award für das langlebigste Wirbeltier der Welt geben, ginge dieser an den Grönlandhai. Auch den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde hätte er verdient. Der im Durchschnitt rund fünf Meter lange Bewohner des Nordatlantiks und des Nordpolarmeeres wird laut Forschern dabei nicht nur mehr als 400 Jahre alt, sondern bringt auch erst mit 150 Jahren seinen ersten Nachwuchs zur Welt, wie sie im Fachblatt "Science" berichten.

Bislang ist der Grönlandhai nur sehr wenig erforscht, die neuesten Daten sorgen daher für Aufsehen unter den Wissenschaftern. Da er sehr langsam wächst - vermutlich nur einen Zentimeter pro Jahr -, war jedoch schon länger vermutet worden, dass die Tiere sehr alt werden. Eine konventionelle Altersbestimmung dieser Knorpelfische war den Forschern wegen ihres Mangels an verkalktem Gewebe nicht möglich, schreibt Julius Nielsen von der Universität Kopenhagen in der Publikation. Das Alter wurde stattdessen mittels Radiokarbonmethode anhand von Proteinen in der Augenlinse datiert. Die Forscher untersuchten 28 weibliche Haie, die bei mehreren Expeditionen gefangen worden waren.

Gemächlicher Lebensstil#

Mit einer maximalen Geschwindigkeit von 2,6 Kilometern pro Stunde zählen Grönlandhaie zudem zu den langsamsten Haien. Dieser besonders gemächliche Lebensstil scheint ein Patentrezept für ein hohes Alter zu sein. Auch lassen sich die Tiere ja mit ihrer Vermehrung immerhin um die eineinhalb Jahrhunderte Zeit. Ist es dann so weit, schlüpfen die jungen Haie noch im Mutterleib aus den Eiern und werden anschließend geboren. Der Grönlandhai ist damit ovovivipar - ei-lebend-gebärend.

Ein hohes Alter erreicht unter den Wirbeltieren auch der Grönlandwal mit rund 200 Jahren. Übertroffen wird die Langlebigkeit des Eisbewohners allerdings von der in der Ostsee vorkommenden Islandmuschel, schreiben die Autoren. Diese könne nämlich sogar über 500 Jahre alt werden.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion wird der Grönlandhai als "potenziell gefährdet" eingestuft. Die neuen Ergebnisse würden unterstreichen, dass er vorsorglichen Schutzes bedürfe, so die Forscher. Denn die Methusalems seien ein häufiger Beifang der Fischerei nach Grundfischen und geraten durch deren kommerzielle Nutzung unter Druck. Ihre späte Geschlechtsreife könnte sich diesbezüglich besonders nachteilig auswirken.

Wiener Zeitung, Freitag, 12. August 2016