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Trifft uns der Fluch der Mammuts? (Essay)#

Franz Stürmer

Seit einigen Jahren werden immer mehr Stimmen laut, dass der Menschheit durch den Gasaustritt aus den durch die globale Erwärmung auftauenden Permafrostböden Sibiriens und anderer arktischer Gebiete Gefahr droht. Wie ernst ist diese Gefahr?

Permafrostböden sind in den frostigen Landschaften zwischen Nordpol und dem 50. Breitengrad zu finden und zeichnen sich dadurch aus, dass sie andauernd gefroren sind. IhreMächtigkeit kann bis zu mehreren hundert Metern betragen und in den kurzen polaren Sommern tauen maximal die oberflächlichen Schichten auf.

Durch die globale Erwärmung beginnen nun – so warnen Wissenschaftler – die Permafrostböden aufzutauen und geben Methan und Kohlendioxid in die Atmosphäre ab. Diese greifen die Ozon-Schicht an und kurbeln den Treibhauseffekt weiter an, was wiederum das Auftauen beschleunigt.

Woher kommen diese Gase? Die Permafrostböden enthalten eine Vielzahl organischer Stoffe, die aus dem Eiszeitalter stammen. In den (noch) ewigen Eisböden wurden nicht nur die Reste von Mammuts und Wollhaarigen Nashörnern konserviert, sondern auch die der eiszeitlichen Pflanzenwelt.

Teilweise sind diese Reste schon zerfallen, teilweise aber im wahrsten Sinn des Wortes „ohne Ablaufdatum“ tiefgefroren. So wurde Mammutfleisch bei ersten Expeditionen an Schlittenhunde verfüttert. Wird nun diese „natürliche Tiefkühltruhe“ abgetaut, beginnen die organischen Stoffe zu verwesen und Gase werden ebenso freigesetzt wie auch der durch frühere Verwesung verstärkt im Boden vorhandene Kohlenstoff.

Um welche Mengen handelt es sich dabei? Nach Hochrechungen ist der Kohlenstoff- Gehalt (hauptsächlich CO2 ) derAtmosphäre in den letzten 150 Jahren von 540 auf 730 Gigatonnen (Gt) angestiegen. Jährlich werden durch Industrie, Verkehr undHaushalte ca. 6,5 Gt abgegeben, davon können rund 3 Gt von den Ökosystemen aufgenommen werden. Damit steigt der CO2-Gehalt kontinuierlich an.

Beim Auftauen der weltweiten Permafrostböden werden nach Schätzungen derWissenschaftler zwischen 90 und 300 Gt jährlich freigesetzt! Eine ungeheure Menge, die den Treibhauseffekt rapide beschleunigt. Mit dem Auftauen der Böden würden dabei aber nicht nur schädliche Gase freigesetzt, sondern auch ganze Landstriche sumpfig und unbewohnbar werden.

Andere namhafteWissenschaftler verurteilen die in den Medien verstärkt auftretende „Panikmache“, wie sie es nennen. Diese sei wirtschaftlich gesteuert und ziele vor allem auf den potentiellen Abbau fossiler Brennstoffe in Sibirien.

Sie argumentieren mit der Pufferwirkung der Sümpfe und deren Vegetation, die jetzt schon in den Randbereichen des Permafrosts vorhanden sind. Bei Vergrößerung der Sümpfe durch die Erwärmung werde der Permafrostboden durch Verdunstungskälte geschützt und der Kohlenstoff durch die Pflanzen reduziert.


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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