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Gibt es Mörderbäume?#

Franz Stürmer

Die Pflanzen, die Jonny Weißmüller in alten Tarzan-Filmen zu verschlingen drohen, gibt es nicht – Bäume, die andere Bäume erwürgen, jedoch schon.

Eine der bekanntesten „Würgepflanzen“ ist mit einer beliebten Zimmerpflanze verwandt – die Würgefeige. Die Samen der Würgefeige werden von Vögeln vertragen und mit dem Kot ausgeschieden. Fallen sie auf einen Ast eines Baumes oder in eine Astgabel, beginnen sie zu keimen und wachsen in ihrer Jugend als Epiphyten auf den noch unbeschadeten Dschungelbäumen.

Ihre Nährstoffe ziehen sie aus dem geringen Substrat, das sich auf den Ästen und in den Astgabeln der Baumriesen ansammelt. Die Feige beginnt auch Luftwurzeln zu treiben, die Richtung Boden wachsen. Treffen sie auf den Stamm des Wirtsbaumes, beginnen sie sich zu verzweigen und miteinander zu verwachsen, sodass sich schließlich ein Netz von Wurzeln um den Stamm ihres Trägers legt. Erst wenn die Luftwurzeln der Feige nach jahrelangem Wachstum den oft weit entfernten Erdboden erreichen und sich verwurzeln, wird der Epiphyt zum schnell wachsenden Baum.

Durch den Zugriff auf die Nährstoffe des Bodens folgt ein Wachstumsschub, die Wurzeln umschließen den Wirtsbaum immer stärker. Dadurch wird sein Dickenwachstum gehemmt, die Wasser- und Nährstoffzufuhr eingeengt und schließlich unterbrochen – der Baum wird erwürgt. Im hölzernen Griff der Würgefeige beginnt der abgestorbene Baum zu zerfallen und dient dabei als Nährstoff für die Feige, die nun auf eigenen Wurzeln steht.

Der von den Feigenwurzeln umschlossene Bereich des Stammes des Wirtsbaumes bleibt oft leer, zudem werden oft zusätzlich Wurzeln ausgebildet, die die Feige stützen, sodass der Baum eine Bodenfläche von mehreren Hundert Quadratmetern bedecken kann.

Würgefeigen können bis zu 30 Meter hoch werden. Würgefeigen gibt es in mehreren Arten in tropischen Ländern.

Eine bekannte Würgefeigenart ist der Banyan-Baum (Ficus benghalensis). Die Würgefeigen gehören zur Untergattung Urostigma, diese zur Gattung Ficus, die wie die Essfeige (Ficus carica) und der Gummibaum (Ficus elastica) zu den Maulbeergewächsen gehören.


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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