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Alle lieben Pluto#

Raumsonden-Daten zeigen eine unerwartete Vielfältigkeit des Eiszwerges im Sonnensystem.#


Von der Wiener Zeitung (Freitag, 16. Oktober 2015) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Alexandra Grass


Plutos Oberfläche präsentiert sich aufgrund unterschiedlicher organischer Verbindungen bunt
Plutos Oberfläche präsentiert sich aufgrund unterschiedlicher organischer Verbindungen bunt.
© Science

Washington/Wien. Er ist wohl einer der farbenprächtigsten Himmelskörper und begeistert mit seinem Variantenreichtum nicht nur die Astronomen. Seine bunte Vielfalt reicht von sanften Orange-Tönen bis hin zu sattem Rot und dezenten Mint-Tönen bis hin zu zartem Himmelblau. Die Rede ist von Pluto, dem ehemals kleinsten und äußersten Planeten unseres Sonnensystems.

Im vergangenen Juli hatte er erstmals Besuch von der Erde erhalten. Seither werden die von der Nasa-Raumsonde New Horizons übertragenen Daten nach und nach ausgewertet. Demnach zeigt sich auf Pluto auch eine geologisch interessante Diversität. Seine Oberfläche besteht aus Bergen, Schluchten, kraterzerfurchten Landschaften und großen, glatten, weißen Eisebenen, wie Forscher um Silvia Protopapa und Douglas Hamilton von der University of Maryland in der ersten Publikation von New Horizons im Fachblatt "Science" berichten.

Der kugelrunde Zwergplanet, dessen gesamte Oberfläche von Eis bestimmt wird, misst 2374 Kilometer im Durchmesser. Die Farbenpracht ergibt sich aus verschiedenen Zusammensetzungen - Stickstoff-, Kohlenmonoxid- und Methaneis. Die organischen Verbindungen absorbieren das Licht in unterschiedlichen Wellenlängen, was wiederum die unterschiedlichen Nuancen hervorbringt. Die Auswertungen brachten aber auch den ersten Beweis für die Existenz von Wassereis auf Pluto. "Wassereis ist ein neues Element, das wir berücksichtigen müssen, wenn wir Plutos komplexen Oberflächenaufbau zusammensetzen", betont Protopapa in der Studie. In der Eisebene Sputnik Planum fand New Horizons Hinweise auf eine Art Gletscher, der immer noch fließen könnte.

Rätsel um Einschlagkrater#

In seinem Inneren soll der Himmelskörper zu rund 70 Prozent aus Gestein bestehen. Obwohl er in seiner Heimat, dem Kuipergürtel, von tausenden tiefgefrorenen Felsbrocken umgeben ist und damit kosmischen Bombardements nur schwer entgehen kann, gibt es auf Pluto relativ wenig Einschlagkrater zu sehen, wundern sich die Forscher. Sie vermuten, dass die Krater durch aktive geologische Prozesse verschwunden sind. Unklar ist allerdings, welche Energiequelle die geologische Aktivität antreibt.

Messungen zeigen auch, dass Plutos Monde Charon, Nix und Hydra auch mit Wassereis bedeckt sind. Während der 1212 Kilometer große Charon ebenso mit abwechslungsreichen Landschaften hervorsticht, zeigen sich die beiden Minimonde mit recht glatter, unbeschädigter Oberfläche. Hydra ist den Messungen zufolge 40 mal 30 Kilometer und Nix etwa 50 mal 30 Kilometer groß.

Angesichts der neu präsentierten Daten schlägt das Herz der Pluto-Freunde höher. Postings in den sozialen Medien fordern dazu auf, dem Himmelskörper den Planetenstatus zurückzugeben. Dieser wurde ihm nämlich vor knapp zehn Jahren - nur kurz nach dem Aufbruch von New Horizons - von der Internationalen Astronomischen Union aberkannt. Die Degradierung

Plutos Schicksal änderte sich damit abrupt am 24. August 2006. Planet durften nur noch jene Himmelskörper genannt werden, die sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne bewegen, die eine näherungsweise kugelähnliche Gestalt besitzen und die Umgebung ihrer Bahn bereinigt haben. Letzteres trifft auf Pluto jedoch nicht zu. Und als immer neue, ähnlich große Körper im Kuipergürtel gefunden wurden, wie zum Beispiel (136199) Eris oder 1992 QB1, wurde er zum Zwergplaneten degradiert. Nach seiner Entdeckung im Jahr 1930 war Pluto nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt worden. Im selben Jahr brachte auch Walt Disney seinen tollpatschigen, orangefarbenen Hund erstmals auf Papier, der, animiert von der Planetenentdeckung, denselben Namen erhielt.

Die aktuellen Erkenntnisse aus den Daten der Raumsonde New Horizons hätten seine Vorstellungskraft bei weitem übertroffen, stellt der Nasa-Astronom Alan Stern in "Science" fest. Er sei schon auf die nächste Überraschung gespannt.

Wiener Zeitung, Freitag, 16. Oktober 2015