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So klein sind wir#

Die Raumsonde "Cassini" fotografierte die Erde aus 1,4 Milliarden Kilometer Entfernung#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Wiener Zeitung (Donnerstag, 25. Juli 2013)

Von

Eva Stanzl


Die Erde, vom Saturn aus gesehen, ist ein winziger, blauer Punkt.#

Blick vom Saturn
Finden sie uns nicht, weil unser Planet nur ein Punkt ist?
© Nasa

Wien. Wenn man bedenkt, wie klein wir sind, scheint es kein Wunder, dass etwaige Bewohner anderer Planeten uns noch nicht gefunden haben. Die Raumsonde "Cassini" hat die Erde vom Saturn aus fotografiert. Auf dem aus 1,44 Milliarden Kilometer Entfernung aufgenommenen Bild ist unser Planet ein kleiner, blauer Punkt. "Die Aufnahmen erinnern uns daran, wie winzig unser Planet im Universum ist", sagt Linda Spiker, eine der Projektmitarbeiterinnen der US-Weltraumbehörde Nasa.

Das am 19. Juli aufgenommene Weitwinkelfoto wurde am Mittwoch veröffentlicht. Es ist Teil eines Mosaiks aus 323 Bildern, die das Saturn-Ringsystem und den Gasplaneten selbst zeigen. Die dunkle Seite des Saturn, sein Hauptring und die Ringe F, G und E sind in aller Schärfe zu erkennen, die Erde hingegen als kleiner, leuchtender Himmelskörper. Die Aufnahme wurde möglich, weil die Sonne im Moment des Auslösens hinter dem Saturn verborgen war. Andernfalls wäre die Lichteinstrahlung zu intensiv gewesen. Bei dem aktuellen Foto handelt es sich um das dritte, das aus dem äußeren Sonnensystem gemacht wurde. Die erste Aufnahme wurde 1990 aus vier Milliarden Kilometer Distanz zur Erde geknipst und stammt von der Nasa-Raumsonde "Voyager", die zweite 2006 von "Cassini" selbst.

Im Juli 2004 war "Cassini" nach einer siebenjährigen Reise über 3,5 Milliarden Kilometer in eine Umlaufbahn um den Saturn eingeschwenkt. Die Raumsonde ist ein US-europäisches Gemeinschaftsprojekt. Laut Nasa ist die Bildqualität der Cassini-Aufnahmen bemerkenswert, weil die Kamera aus den 1990er Jahren stammt und seit mehr als 15 Jahren in Betrieb ist.

Als Forscher 1995 den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckten, war das ein astronomischer Meilenstein. Inzwischen sind rund 900 weitere bekannt, darunter auch erdähnliche. "In zehn bis 20 Jahren sollten wir Antworten haben, was Leben auf anderen Planeten betrifft", sagte Christoph Mordasini vom Max-Planck-Institut für Astronomie jüngst bei der Heidelberger Konferenz "Protostars and Planets". Trotz aller technologischen Fortschritte wird eine solche Entdeckung eine Meisterleistung sein. Saturn, der sechste Planet in unserem Sonnensystem, ist der letzte, der mit freiem Auge erkennbar ist. Milliarden von Planeten sind so weit entfernt, dass wir sie nicht sehen.

Wiener Zeitung, Donnerstag, 25. Juli 2013