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Vögel und Fledermäuse sichern Ernten in den Tropen#

ForscherInnen belegen natürliche Schädlingsdezimierung bei Nutzpflanzen#

Ägyptische Schlitznase (Nycteris thebaica)
Dank der Fledermäuse gibt es weniger Schädlinge in afrikanischen Macadamiaplantagen - hier eine Ägyptische Schlitznase (Nycteris thebaica) mit einer Baumwanze (Nezara viridula).
© Merlin Tuttle

Vögel und Fledermäuse, die Insekten fressen, haben auch viele Schädlinge auf ihrem Speiseplan. So verbessern sie die Erträge vieler Nutzpflanzen weltweit, darunter auch die Ernten von Kakao- und Kaffeeplantagen. Diese Schädlingsdezimierung ist von hohem wirtschaftlichen Gesamtwert. Ein internationales ForscherInnenteam unter der Leitung der Ökologin Bea Maas von der Universität Wien publiziert dazu in der Fachzeitschrift "Biological Reviews".

In den Tropen bedroht die rasant wachsende und intensive Landnutzung viele Lebensräume, Arten und Ressourcen. Natürliche "Dienstleistungen" von Vögeln und Fledermäusen bieten eine Möglichkeit, solche bedrohten Lebensräume nachhaltiger und dennoch gewinnbringend zu bewirtschaften. "Vögel und Fledermäuse werden in ihrer Bedeutung für die Landnutzung oftmals unterschätzt", so Bea Maas, Tropenökologin am Department für Biodiversitätsforschung an der Universität Wien: "Experimentelle Studien aus insgesamt sieben tropischen Ländern zeigen, dass die geleistete Schädlingsdezimierung der Tiere einen enorm hohen wirtschaftlichen Wert haben kann.“ Beispielsweise sichern Vögel und Fledermäuse in indonesischen Kakaoplantagen über ein Drittel der Ernte, mit einem Wert von über einer Milliarde US-Dollar pro Jahr. In Kaffee- oder Reisplantagen, von denen Millionen von Haushalten in den Tropen abhängig sind, leisten sie ähnlich bedeutende Beiträge. Ihr Einsatz als Insektenfresser könnte sich durch gezieltes Management sogar noch gesteigert werden.

Die ForscherInnengruppe überprüfte unter anderem, wie gut sich Ergebnisse einzelner Studien auf andere Standorte und Regionen übertragen lassen. Der Vergleich zeigt, dass Vögel und Fledermäuse sehr unterschiedlich auf Landnutzung reagieren: Während Vögel, besonders Insektenfresser, mit deutlich weniger Arten in landwirtschaftlich genutzten Flächen vertreten sind, nimmt der Artenreichtum von Fledermäusen zwischen Wald und Landnutzung nicht so stark ab. "In den wenigen Studien, in denen die Leistungen von Fledermäusen gezielt berücksichtigt wurden, fallen sie als besonders starke Dienstleister auf", erklärt Maas als Leiterin der Studie.

Schutz und Nutzung natürlicher Dienstleistungen würden auch den Tieren und der Nachhaltigkeit in tropischen Landschaften zu Gute kommen. "Um die Schädlingskontrolle durch Vögel und Fledermäuse dort optimal zu integrieren, benötigt es ein noch besseres Verständnis, welche Rolle die Zusammensetzung von Lebensräumen und das lokale Management spielen", so Bea Maas: "Es besteht jedoch kein Zweifel, dass ein optimiertes und Biodiversitäts-freundliches Landschaftsmanagement das Wohlergehen von Mensch und Natur verbessern kann".

amerikanischen Rotkehl-Hüttensänger (Siala sialis)
Die amerikanischen Rotkehl-Hüttensänger (Siala sialis) sind nicht nur die Staatsvögel von Missouri und New York, sie sind als fleißige Inssektenfresser auch wichtige ökologische Dienstleister
© Doug Tallamy
Kakaobaum in Zentralsulawesi, Indonesien
Kakaobaum in Zentralsulawesi, Indonesien. Hier steigern insektenfressende Vögel und Fledermäuse die Kakaoernte durchschnittlich um 30% oder 730 US-Dollar pro Hektar und Jahr
© Bea Maas
Kakao (Theobroma cacao)
Kakao (Theobroma cacao) zählt zu den tropischen "cash crops", profitiert jedoch enorm von natürlicher Schädlingskontrolle durch Vögel und Fledermäuse
© Bea Maas
Reis (Oryza sativa)
Reis (Oryza sativa) ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel, dass vor allem von Fledermäusen stark vor Zikaden und anderen Schädlingen geschützt wird
© Bea Maas

Publikation in "Biological Reviews":

  • Bea Maas et al. (2015): Bird and bat predation services in tropical forests and agroforestry landscapes. In: Biological Reviews.


Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Universität Wien.