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Trocknet das Mittelmeer aus? (Essay)#

Franz Stürmer

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts präsentierte der Österreicher Alfred Wegener seine Theorie der Kontinentaldrift. Kontinente sind keine fixen Elemente der Erdoberfläche, sondern gleiten auf dem Erdmantel Millimeter bis Zentimeter im Jahr aufeinander zu oder entfernen sich voneinander. Dadurch öffnen sich Meere oder werden eingeengt, ihr Untergrund zu Gebirgen aufgefaltet.

Das Mittelmeer ist ein Restmeer eines früheren Ozeans, aus dem der alpine Gebirgsgürtel herausgehoben wurde. Dieses Tethys-Meer öffnete sich zwischen dem euroasiatischen Festland und Afrika und wurde im Zuge einer gegen Norden drehenden Bewegung der afrikanischen Kontinentalmasse eingeengt.

In mehreren Phasen wurden Meeresablagerungen und Untergrund in den letzten 100 Millionen Jahren hochgeschoben und überschoben und damit zuerst eine Inselkette und schließlich ein zusammenhängendes Gebirge geschaffen: die Alpen.

Nördlich und südlich dieses Gebirgsgürtels blieben vorerst Restmeere erhalten: im Norden die sich vom Indischen Ozean über das Schwarze Meer, die Pannonische Tiefebene bis in das österreichische und bayerische Alpenvorland (eigentlich Molassezone) und das Rhônetal erstreckende Paratethys und im Süden das Mittelmeer.

Durch die nach Norden gerichtete Bewegung des afrikanischen Kontinents verlandete die Paratethys früher (vor 5 Millionen Jahren), das Mittelmeer blieb noch erhalten.

Da die Bewegung von Afrika aber noch nicht abgeschlossen ist, wird das Mittelmeer im Laufe der nächsten 50 Millionen Jahren ebenfalls von der Landkarte verschwinden und die Alpen werden weiter aufgefaltet werden.

Zeugnisse der noch andauernden Bewegung sind tektonische Erscheinungen wie das Erdbebengebiet Friaul, das im Bereich der Periadriatischen Naht, einer Grenze zweier großer Gesteinseinheiten, liegt, und die Thermenlinie südlich von Wien, deren Lage die Störungszone markiert, an der das Wiener Becken als Zerrungsbecken zwischen Alpen und Karpaten im Zuge der alpinen Gebirgsbildung eingebrochen ist.


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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