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ÖSTERREICH UND DIE FRANKFURTER NATIONALVERSAMMLUNG 1848/49.#

Eine Manifestation der österreichischen Staatsidee.

von Wilfried Slama

Die Frankfurter Nationalversammlung von 1848/49 hat alle politischen Gegensätzlichkeiten und Unvereinbarkeiten ihrer Zeit einer europäischen Öffentlichkeit deutlich und drastisch vor Augen geführt: Die beabsichtigte Ersetzung der monarchischen durch die Volkssouveränität, die versuchte Staats- und Verfassungsschöpfung im Sinne nationaler Einheit bei gleichzeitiger Rücksichtnahme auf die Sonderinteressen zweier eingebundener Großmächte, denen es nicht nur um die Bewahrung ihrer unversehrten Eigenstaatlichkeit, sondern eben doch auch auf ihre Vormachtstellung ankam, war nicht zu realisieren. Sämtliche von der Nationalversammlung angebotenen Kompromisse konnten den Idealvorstellungen nicht gerecht werden, ohne gleichzeitig historisch gewachsene Rechte und Einflusssphären zu zerstören. Von nun an wusste man aber, dass eine Lösung, die im Sinne der nationalen Einheit gelegen und beide Großmächte zufriedengestellt hätte, mit friedlichen Mitteln nicht zu erreichen war.

Bis zur militärischen Entscheidung brauchte es allerdings noch siebzehn Jahre: Die Niederlage Österreichs gegen Preußen in der Schlacht bei Königgrätz (3. Juli 1866) besiegelte das Ende des Deutschen Bundes.

Im Friedensschluss von Prag (23. August 1866) erklärte sich Österreich mit dessen Auflösung und seinem eigenen Ausschluss aus allen deutschen Staatsbelangen einverstanden; eben dieser Ausschluss erleichterte aber im folgenden Jahr den Ausgleich mit Ungarn. Das neugewonnene, von deutschen Interessen künftig unbelastete Selbstverständnis der Österreichisch-Ungarischen Monarchie setzte von nun an, gestützt auf die Traditionsstränge des alten übernationalen Reichsgedankens und des ihn vertretenden Kaiserhauses, neue Maßstäbe für die rationale und emotionale Aufbereitung und Ausgestaltung der in gefestigter Eigenstaatlichkeit zu verwirklichenden völkerverbindenden „Österreichischen Idee“.

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Wilfried Slama (Jg. 1943) ist seit Ende 2008 Bundesbeamter im Ruhestand (Reg.-Rat). Zuvor war er 42 Jahre hindurch im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek als Sachbearbeiter der graphischen Bestände, vornehmlich der Regenten- und Adelsbildnisse in der Porträtsammlung, sowie der historischen Szenarien tätig (Schwerpunkt Frühe Neuzeit, Austriaca, Habsburgica). In den letzten Jahrzehnten betreute er überdies das Fachreferat für Genealogie und Heraldik, zuletzt die gesamte Graphik als Kurator. Wilfried Slama hat einen Bachelor-Abschluss in Geschichte; für die ihm anvertraute erfolgreiche Gestaltung der Oranien-Ausstellung 2002 an der Österreichischen Nationalbibliothek wurde er im folgenden Jahr von I. M. Königin Beatrix der Niederlande zu einem Ritter im Orden von Oranien-Nassau erhoben.