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Alfred Redl – Doppelagent auf höchsten Befehl?#

Von

Manfred-Guido Schmitz


Der Essay bezieht sich auf die Neuerscheinung:

Doppelagent auf höchsten Befehl? Egon Erwin Kisch und der Spionage-Fall um Oberst Alfred Redl#

Publiziert am 16. Juli 2013 von Manfred-Guido Schmitz


Der nachstehende Text ist als E n t w u r f zu verstehen: Es ist immer schwierig, einen Beitrag auf Basis eines eigenen Buches zu verfassen.

Der Journalist Egon Erwin Kisch hatte 1913 in Prag als Erster über den ,Fall Redl’ berichtet und erst elf Jahre später im Verlag „Die Schmiede“/Berlin zu diesem Thema sein Buch „Der Fall des Generalstabschefs Redl“ veröffentlicht. Zum 100.Todestag von Alfred Redl setzte sich 2013 der deutsche Journalist und Magister Manfred-Guido Schmitz mit Kischs Buch auseinander und stieß dabei auf seines Erachtens aufschlussreiche Aspekte:

Kisch war durch den ,Fall Redl’ bekannt geworden und hätte im Eigeninteresse die Bedeutung von Redls ,Verrat’ hervorheben können; doch in Kischs Buch geschah das Gegenteil. – Auf über 5 (S. 41–46) von insgesamt nur 90 Buchseiten schilderte Kisch ausführlich, wie er 1913 von jenem Schlosser, der die Wohnung des Obersts hatte öffnen sollen, vom ,Fall Redl’ erfahren haben will, und erwähnte im Kontext en detail einen Zeitungsbericht über ein Fußballspiel (bei dem jener zum Aufbruch von Redls Wohnung dienstverpflichtete Schlosser und Freizeitfußballer gefehlt habe), das bekanntlich nie stattgefunden hatte. Zudem heißt es expressis verbis heißt bei Kisch auf S. 45; „Solche Dementis [die erste Meldung zum ,Fall Redl’ erfolgte in der redaktionellen Form eines Dementis] versteht selbstverständlich jeder Leser, es ist so, wie wenn man sagt: ,Der X. ist kein Falschspieler’“.

Damit hatte aus Schmitz’ Sicht Kisch selbst in seinem Buch sichergestellt, dass die Leser Kischs Angaben zu seinem angeblichen Informanten als frei erfunden erkennen konnten; und zugleich hatte Kisch deutlich gemacht, dass er bei seiner Darstellung jenen Leser im Blick hatte, der ,zwischen den Zeilen lesen’ konnte. – Dies sowie die These, dass Kisch angesichts der brisanten Inhalte seines Buches im eigenen Interesse und in dem seiner Informanten äußerste Vorsicht hatte walten lassen müssen, veranlasste Kischs späteren Berufskollegen Sch. zu einer Auseinandersetzung mit Kischs Buch unter der Fragestellung: Kann ein Journalist aus dem Buch eines Berufskollegen anderes herauslesen als Historiker? Unter diesem Gesichtspunkt fielen Sch. die Gliederung auf (welche Fakten erwähnt Kisch an welcher Stelle in seinem Buch und in welchem Kontext?), ungewöhnliche Formulierungen und vermeintliche Widersprüche (bei einem ,Top-Journalisten wie Kisch), z.T. an entscheidender Stelle fehlende Worte im Buch und zahlreiche Faktenangaben beim Zeitzeugen Kisch, die aus Sch. Sicht von jenen in der jüngsten Fernseh-Darstellung „Leidenschaft und Verrat, Oberst Redl – der Jahrhundertspion“ erheblichst abweichen.

Aus dieser Auseinandersetzung mit Kischs Veröffentlichung von 1924 entstand Sch.’ Buch „Doppelagent auf höchsten Befehl? Egon Erwin Kisch und der Spionage-Fall um Oberst Alfred Redl“ (Nordstrand/Nordsee 2013), das sich als Anregung versteht, das Buch des Zeitzeugen Kisch stärker als bislang offenbar erfolgt in die historische Auseinandersetzung mit einzubeziehen. Eingedenk, kein Fachmann für österreichische Geschichte zu sein, setzte sich der Autor mit dem Buch seines Kollegen – in Form eines fiktiven Vater-Sohn-Gesprächs – ausschließlich und ausdrücklich unter journalistischen Aspekten auseinander und stellte dabei, gestützt auf Kischs Angaben, einen etwaig gänzlich anderen Geschehensablauf zur Diskussion: Der ehrgeizige Oberst Redl wollte General und in den Adelsstand erhoben werden und nahm für diese Ziele ein hohes Risiko in Kauf: Auf höchsten Befehl ,spielte’ er den ,Doppelagenten’, stieß auf eine brisante Information und geriet daraufhin in Konflikt mit der k.u.k.-Obrigkeit, die ihrerseits bei der Verfolgung ihrer Ziele uneinig (Generalität versus Thronfolger) war. Einigkeit herrschte, bei diesem Ansatz, nur in einem: Durch Redls Tod und manipulierte ,Beweise’ zur Person und zum Handeln des Obersts musste sichergestellt werden, dass der tatsächliche Hintergrund und die realen Geschehensabläufe niemals bekannt werden würden.

Besonders interessant erschienen Sch. Kischs Angaben zu jenen Vorgängen, die zum Ausbruch des 1. Weltkriegs führten: Beim damaligen Geheimdienstchef [auf dessen Angaben sich Kisch bezog, S. 87] waren vor dem Besuch des Thronfolgers in Sarajevo in dessen „Bureau wiederholt Warnungen eingetroffen, die fast mit Gewißheit serbischerseits feindseelige Handlungen erwarten ließen. Trotz alle dem setzte der Thronfolger sein politisches Besuchsprogramm für Bosnien durch. Der Chef des Generalstabes mußte als solcher den Manövern beiwohnen, an dem folgenden politischen Akt wollte er auf keinen Fall teilnehmen, weshalb eine Generalstabsreise nach Hoch-Kroatien so angesetzt wurde, daß der Chef den Thronfolger unmittelbar nach dem Schluß der Manöver verlassen mußte. Auf dem Weg nach Lika, dem Ausgangspunkt dieser Reise, traf ihn die Nachricht des Serajevoer Mordes und der Befehl sofort nach Wien zu kommen.“ – Im Zuge des ,Falles Redl’ hatte der Thronfolger den Geheimdienstchef ,kaltgestellt’, nach dem Tod des Thronfolgers hatte die Angelegenheit für den Geheimdienstchef (Kisch, a.a.O) „nun eine andere Wendung genommen“. Der Generalstabschef hatte wiederholt vergeblich den Krieg gegen Serbien gefordert. Nach dem Tod des Thronfolgers begann er.

Manfred-Guido Schmitz (60), Journalist und Historiker, Nordstrand/Nordsee

--> www.schmitz-verlag.de


Die Hötzendorffsche Präventivkriegsidee hätte immer den Weltkrieg bedeutet, da Serbien von russland untertützt wurde. Ähnliches Problem heute bei Syrien, wo jaein Stellvertreterkrieg geführt eird, nicht nur natürlich aber unter anderem eben auch, aber die us-dienste werden es schon schaffen, eine völlig sinnlose bombardierung zu inszenieren....

-- Glaubauf Karl, Montag, 9. September 2013, 12:14