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Wissenschaftsminister Johannes Hahn#


Von der Wiener Zeitung freundlicherweise zur Verfügung gestellt. (Montag, 24.November 2008)


Johannes Hahn
Johannes Hahn
© Wiener Zeitung

Anfang des Jahres gingen ihm die Debatten um Neuwahlen und Koalitionsklima "schon so auf den Keks", nun ist er wieder Minister einer rot-schwarzen Koalition. Johannes Hahn (V), Philosoph, Chef der Wiener Volkspartei und seit 2007 Ressortchef für Wissenschaft, bleibt Herr über Unis und Fachhochschulen in Österreich.

Geboren wurde Hahn am 2. Dezember 1957 in Wien. Nach seiner Matura im Jahr 1976 begann er zunächst das Jus-Studium in seiner Heimatstadt, schwenkte dann jedoch auf Philosophie um. Der Titel seiner 1987 an der Uni Wien eingereichten Dissertation: "Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt".

Diese Arbeit sollte ihm auch eine der schwersten Krisen seiner bisherigen Amtszeit bescheren, als ihm nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt der Medienwissenschafter und "Plagiatjäger" Stefan Weber vorwarf, in seiner Dissertation "absolut schlampig gearbeitet" und "seitenweise abgeschrieben" zu haben. Die Uni Wien ging den Vorwürfen nach, verzichtete letztendlich aber auf die Einleitung eines Plagiatprüfungsverfahrens, weil Hahn nie fremdes geistiges Eigentum als sein eigenes ausgegeben habe.

Seine politische Laufbahn startete Hahn bereits in den 1970er Jahren. Zwischen 1980 und 1985 fungierte er als Landesobmann der Jungen ÖVP Wien, 1992 wurde er Landesgeschäftsführer der Partei und blieb bis 1997 in dieser Funktion. 1996 zog er in den Wiener Landtag und Gemeinderat ein, 2003 wurde er nicht amtsführender Stadtrat. Berufliche begann Hahn seine Karriere 1982 in der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft. Er war auch Vorstandsvorsitzender in der Novomatic AG - und zwar bis zu seiner Angelobung als Stadtrat. Im Juni 2005 löste er Alfred Finz an der Spitze der Wiener ÖVP ab, und im darauffolgenden Oktober schlug er seine erste Gemeinderatswahl als Spitzenkandidat. Er eroberte für seine Partei den zweiten Platz von der FPÖ zurück, auch wenn ein großer Rückstand zur SPÖ blieb. Als Minister musste sich Hahn gleich nach seinem Amtsantritt als Krisenfeuerwehr betätigen und die Quotenregelung für das Medizinstudium auf EU-Ebene verteidigen. Das schließlich von der EU-Kommission gewährte fünfjährige Moratorium war für ihn "nicht die optimalste Lösung", er hätte das Thema gerne ganz vom Tisch gehabt. Dabei könnte es durch die von SPÖ, Grünen und FPÖ beschlossene Novelle um Universitätsgesetz (UG) schneller wieder aktuell werden, als dem Minister lieb ist.

Diese Novelle mit der weitgehenden Abschaffung der Studiengebühren bescherte Hahn zum Abschluss der Legislaturperiode noch einen Super-GAU. Verzweifelt versuchte der Minister gemeinsam mit den Universitäten diese "Schnapsidee" zu verhindern, doch vergeblich. Nun muss er das ungeliebte Gesetz vollziehen. Seinen eigenen Entwurf einer UG-Novelle, der unter anderem "qualitative Zugangsbeschränkungen" für Master- und Doktoratsstudien vorsah, brachte er dagegen vorerst nicht durch, dazu kam das Ende der Koalition zu früh. Als Gang-Nachbar von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) am Minoritenplatz, dem Sitz von Unterrichts- und Wissenschaftsministerium, war der dem liberalen ÖVP-Flügel zugerechnete Hahn gesuchter Gesprächspartner Schmieds bei diversen Bildungsreformen, auch wenn vieles dann am Widerstand der konservativeren VPler scheiterte. Einig waren sich die beiden Minister etwa bei einer gemeinsamen Lehrerausbildung, für die Umsetzung kam aber das Aus der Koalition zu früh.

Erfolgreich war Hahn dagegen bei der Ausweitung der Studienförderung oder dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Südsternwarte (ESO). Hahn, der in jungen Jahren eine Krebserkrankung überstanden hat, gibt sich gerne gelassen und weltgewandt. Er schmückt sich mit dem Spitznamen "Gio". Hahn ist verheiratet und Vater eines Sohnes.


Wiener Zeitung, Montag, 24.November 2008