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Staatssekretär für Medien Josef Ostermayer (Essay)#


Von der Wiener Zeitung freundlicherweise zur Verfügung gestellt (23. November 2008)

Josef Ostermayer
Josef Ostermayer
© Wiener Zeitung



Josef Ostermayer (47) tritt aus dem Schatten. Der langjährige enge Mitstreiter von Werner Faymann wird von seinem Chef mit dem Posten des Staatssekretärs belohnt. Hauptjob des umgänglichen Burgenländers wird es aber sein, die Regierungsgeschäfte im Laufen zu halten. Ostermayer ist in den letzten Jahrzehnten zu einer Art Zwilling Faymanns geworden. Seit gut 20 Jahren klettern die beiden Seite an Seite die Karriereleiter hoch, Faymann immer im Scheinwerferlicht, Ostermayer stets bescheiden im Schatten.

Zueinander gefunden hatten die kongenialen Freunde in der Mietervereinigung, wo Faymann Geschäftsführer war, Ostermayer Rechtsberater. Als Faymann in die Wiener Stadtregierung weiterwanderte, nahm er seinen Freund mit, Ostermayer wurde Büroleiter und das bis ins Jahr 2004, wo er als Geschäftsführer zum "Wohnfonds Wien" wechselte.

Kurze Zeit später folgte Ostermayer abermals einem Ruf Faymanns. Der war frisch gebackener Infrastrukturminister und wollte das schwierige, große Ressort mit ihm gemeinsam managen. Ostermayer zögerte nicht lange, auch wenn nun die wohl anstrengendste Phase seines Arbeitslebens begann. "Viele haben mich gefragt, ob das wirklich eine rationale Entscheidung ist", gestand der Familienvater dereinst der "Presse".

War es schon im Ministerium kein Honiglecken, wurde es ab Sommer dieses Jahres so richtig hart. Denn da wurde Faymann SPÖ-Vorsitzender, Kanzlerkandidat und hatte nebenbei auch noch ein Ministerium zu führen. Wieder einmal half Ostermayer, der seinem Chef im Berufsleben kaum eine Sekunde von der Seite wich. Auf die Frage, wie viele Stunden er zu dieser Zeit arbeitete, fällt dem studierten Juristen keine Zahl ein. Schlaf dürfte jedenfalls die Ausnahme gewesen sein. Allzu gequält wirkt der ganz wie sein Chef stets freundliche Ostermayer freilich nicht. Er arbeite eben gerne, lächelt er sanft jedes Mitleid weg.

Ostermayer kommt aus so genannten kleinen Verhältnissen. Er ist Sohn eines Maurers und einer Hausfrau aus dem Burgenland, wo der neue Staatssekretär heute noch über ein Ferienhaus verfügt.

Ernst wird Ostermayer, wenn es um seine Familienhistorie geht. Das "Kind von Schattendorf", der achtjährige Josef Grössing, war Bruder von Ostermayers Großmutter. Der kleine Bub war im Jänner 1927 in Schattendorf aus Neugier auf die Straße gegangen und bei einer Schießerei von linken Schutzbündlern und rechte Frontkämpfen ums Leben gekommen. Der Freispruch für die Täter hatte zur Revolte und zum Justizpalastbrand geführt.

Erst 80 Jahre später wurde von Bundespräsident Heinz Fischer im Vorjahr eine Gedenktafel enthüllt - im Beisein Ostermayers. (APA)

Wiener Zeitung, 23. November 2008