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Was ist „Palliative Care“? (Essay)#

Andreas Kratschmar

Palliative Care ist ein ganzheitliches Betreuungskonzept, das medizinische, pflegerische, soziale, psychische und spirituelle Dimensionen des kranken Menschen berücksichtigt.

Es stellt die Umsetzung des Hospizgedankens in die Betreuungs- und Behandlungspraxis bei schwerst erkrankten und sterbenden Menschen dar. Ein wichtiges Ziel von Palliative Care ist die (Wieder-)Herstellung und Erhaltung der Lebensqualität der Kranken und ihrer Angehörigen.

Weiterewichtige Aspekte von Palliative Care:

– Im Bereich der Palliativmedizin umfasst sie die Anwendung moderner Symptomtherapie gegen Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Atemnot. Dies gestattet es den behandelnden Ärzten und den Krankenpflegepersonen, die vielfältigen körperlichen Beschwerden des Kranken zu behandeln und zu lindern.

– Das seelische Gleichgewicht von lebensbedrohlich Erkrankten und ihren Angehörigen soll durch hochwertige psychosoziale Betreuung und Begleitung gestärkt werden, denn mehr seelisches Gleichgewicht bedeutet mehr Lebensqualität.

– In sozialer Hinsicht stehen lebensbedrohlich Erkrankte oft vor dem Problem, dass sie aufgrund ihrer Diagnose aus bisherigen persönlichen Beziehungen „hinausfallen“. Regionale Hospizdienste ermöglichen eine Wegbegleitung auf Zeit: Bestehende tragfähige Beziehungen werden gestärkt, die Angehörigen aber in ihrer Eigenverantwortung belassen.

– In spiritueller Hinsicht geht die Betreuung auf die individuellen Lebensentwürfe und Glaubensentscheidungen der Menschen ein. Weil auch der kulturelle Hintergrund der Menschen das Erleben und Bewältigen der Grenzsituation „Sterben“ bestimmt, wird dieser in der Betreuung angemessen berücksichtigt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte Palliative Care 2002 als „Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, welche mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen – und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, die untadelige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art“.

Die Europäische Gesellschaft für Palliativmedizin (EAPC) entwickelte in Anlehnung an die WHO folgende Definition: „Palliativmedizin ist die angemessene medizinische Versorgung von Patientenmit fortgeschrittenen und fortschreitenden Erkrankungen mit einer begrenzten Lebenserwartung, für die das Hauptziel der Begleitung die Lebensqualität ist. Palliativmedizin schließt die Bedürfnisse der Familie vor und nach dem Tod des Patienten ein.“ „Ich halte die Hospizbewegung deshalb für so bedeutend, weil ich Sterbebegleitung und Schmerztherapie für unverzichtbar halte, wenn es darum geht, in Ruhe sterben zu können. Ich sage absichtlich in Ruhe, da wir in einer Zeit leben, in der man sich immer und überall beeilen muss. Zeit ist Geld, heißt es. Das Sterben aber hat mit dem Nu zu tun, der Ewigkeit im Augenblick und dem Augenblick in der Ewigkeit. Dafür soll man sich schon Zeit lassen dürfen.“ Barbara Frischmuth

„Es hat mich immer berührt, mit wie viel Liebe und Fürsorge wir die Kinder auf ihrem Weg ins Leben begleiten – und wie isoliert und einsam so viele Menschen den Weg aus diesem Leben antreten müssen. Die Hospizbewegung hat hier auf wunderbare Weise ein neues Bewusstsein geschaffen – und vorgelebt. Mit ihr verbinde ich die Hoffnung, dass wir bis zuletzt in Würde leben können – betreut und umsorgt von mitfühlenden Menschen.“ Heinz Nussbaumer

„Es ist viele Jahre her und doch unvergesslich. Als junges Mädchen besuchte ich mit meiner Mutter eine Klinik in London, in der Cicely Saunders, die Gründerin der modernen Hospizbewegung sterbende Menschen betreute. In Minuten weicht mein ängstliches Gefühl unendlichem Staunen. Sterben in Würde, in Gelassenheit, ja Heiterkeit ist möglich? Der Eindruck lichtdurchfluteter, offener Räume. Menschen, die kommen und gehen –Verwandte, Freunde, Nachbarn, Kinder. Niemand, der weggesperrt ist oder einsam, niemand der Schmerzen leidet und niemand, der den Tod verdrängt. Fast eine Utopie.Wir sollten sie auch in Österreich zum Alltag machen! Und zwar überall, wo schwerkranke oder hochbetagte Menschen ihre letzte Lebensphase verbringen.“ Barbara Rett




Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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