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Bruno Buchberger#

Zum 65. Geburtstag#

Von

Dipl.-Ing. Dr. Helmut Malleck


Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von OCG Journal

Bruno Buchberger

© OCG Journal

Herrn O. Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Bruno Buchberger herzliche Gratulation zum 65. Geburtstag. Dem aus Innsbruck stammenden Mathematiker und Informatiker, Forscher mit Unternehmergeist und Gefühl für die Menschen, ist alles ganz außerordentlich gut gelungen. International zählt die von ihm geschaffene Theorie der Gröbner-Basen zu den wesentlichsten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Computeralgebra, Automatisierung des mathematischen Denkprozesses und Mathematisches Wissensmanagement sind seine Forschungsinteressen. Als Gründer des RISC (Research Institute for Symbolic Computation) an der Johannes Kepler-Universität und Gründer und Leiter des Softwareparks Hagenberg machte er sich weit über unser Land hinaus einen großen Namen. Um Buchbergers umfassendes Lebenswerk darzustellen, muss auf Modellbildung und Abstraktion zurückgriffenwerden. Damit lässt sich sein beruflicher Werdegang in drei Abschnitte gliedern: zunächst die Periode als Wissenschaftler von Weltgeltung, dann die Erweiterung zum äußerst erfolgreichen Unternehmer und neuerdings als Grundlagenforscher mit reicher Lebenserfahrung und klarem Blick fürs Wesentliche.

Wenden wir uns zunächst der ersten Periode zu. 1960 begann der allseits interessierte junge Bruno Buchberger aus einem spontanen Entschluss heraus, Mathematik an der Universität Innsbruck zu studieren, wo er parallel zu seinem Studium auch als Programmierer angestellt wurde. Als Dissertationsthema übernahm es Buchberger, ein von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gröber vorgeschlagenes Verfahren zur Nullstellenberechnung von Polynomen an der damals neuen Zuse Z23[1] zu programmieren und vor allem herauszufinden, wann man das Verfahren abbrechen kann. Dabei entwickelte er eine für das Weitere entscheidende Idee, die zu einem immer terminierenden Algorithmus führte und schuf damit die Grundlage für die algorithmische Lösbarkeit einer großen Anzahl fundamentaler Probleme in der Theorie der Polynomideale. Mit der von Buchberger gewählten Bezeichnung "Gröbner-Basen" setzte er seinem Doktorvater ein Denkmal. In seiner 1965 vorgelegten Dissertation "Ein Algorithmus zum Auffinden der Basiselemente des Restklassenringes nach einem nulldimensionalen Polynomideal" fand er den Schlüssel zur Lösung eines Jahrhunderte alten Problems der abstrakten Algebra. Seine Theorie entwickelte er in den 1970er-Jahren weiter. Seit den 1980ern schufen weitere Autoren eine breite verallgemeinerte Theorie. Mittlerweile gibt es ca. 1000 Arbeiten über Buchbergers Gröbner-Basen-Theorie, zehn Lehrbücher, ca. 3000 Citations. Die Theorie wurde auch als eigenes Gebiet in den Index der American Mathematical Society aufgenommen. Anwendungen fanden in die verschiedensten Bereiche Eingang, und Gröbner-Basen sind in mathematischen Softwaresystemen weltweit millionenfach installiert.

Mit Abschluss seines Studiums wurde Buchberger Assistent an der UniversitätInnsbruck, wo er sich 1973 im Fach Mathematik habilitierte und noch bis 1974als Dozent tätig war. Einem Ruf als Ordinarius an das Institut für Symbolisches Rechnen - Fach Computer-Mathematik - der Johannes Kepler-Universität JKU folgend, übersiedelte er von Innsbruck nach Linz. Dank seiner koordinatorischen Fähigkeiten wurde er 1979/81 zum Dekan der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der JKU bestellt.

Als Experte für Symbolisches Rechnen war er "Vater" vieler Projekte, übernahm seit 1979 zahlreiche Gastprofessuren in Europa, USA, Japan und Australien, wo er auch mit mehr als 400 Vorträgen hervortrat. Speziellen Didaktikaktivitäten zum Symbolischen Rechnen und über "Thinking, Speaking, Writing" zählen heute zu seinem Unterrichtsangebot als akademischer Lehrer, und 32 betreute Dissertationen und acht Habilitationsverfahren zeugen von seinem fruchtbaren Wirken. Die Universitätsprofessoren Dr. Alexander Leitsch, Dr. Franz Winkler, Dr. Jochen Pfalzgraf und Dr. Hoon Hong zählen ebenso zu seinen Schülern wie Dr. Heinrich Rolletschek, Dr. Peter Paule, Dr. Sabine Stifter und Dr. Tudor Jebelean. Von seinen über 90 Veröffentlichungen sind drei Bücher besonders hervorzuheben: „Mathematics for Computer Science I - The Methode of Mathematics", 1981, 2. Auflage, "Computer Algebra – Symbolic and Algebraic Computation", welches 1982 erschien, ins Russische übersetzt und für China nachgedruckt wurde, sowie "GröbnerBases and Applications", 1998. Buchberger gründete 1985 das Journal of Symbolic Computation, dessen Editorin-Chief er auch bis 1995 blieb.

Vielleicht nicht ganz willkürlich kann mit 1987 der Beginn des sehr erfolgreichen und fruchtbringenden Unternehmertums von Buchberger angesetzt werden. Damals gründete der WissenschaftlerBuchberger das RICS, das Research Institute for Symbolic Computing an der JKU in Linz, welches 1989 auf Schloss Hagenberg übersiedelte und dem er bis 1999 vorstand. Mit der Weiterentwicklung des RISC zu einem internationalen Zentrum für Symbolic Computation ging die Errichtung eines internationalen Tagungszentrums einher. Dort fanden z. B. allein im "RISC Summer 2007" elf internationale Konferenzen mit großer internationaler Beteiligung statt.

Um der Region Hagenberg eine neue wirtschaftliche Zukunft zu geben, gründete Buchberger 1990 den Softwarepark Hagenberg, den er in der Folgeals Leiter kontinuierlich ausbaute. Anliegen war ihm, ein heimisches Technologie- Netzwerk auf Basis international Anerkannter Grundlagenforschung aufzubauen, wobei Technologie- und Regionalentwicklung zusammen gehören. Dass er stets an ein Gesamtentwicklungskonzept für die Region Hagenberg dachte, findet man in seinen bereits 1994 niedergeschrieben Gedanken:

"Erfinden von Lebensstilen ist eine der wesentlichsten Aktivitäten in der zukünftigen Gesellschaft." 1992 gründete er die Fachhochschul-Studiengänge und 1998 das Software Competence Center Hagenberg. Mit acht Forschungsinstituten, fast 20 Studiengängen (Schwerpunkte am Campus Hagenberg sind IKT, Medientechnik und Bioinformatik), einem internationalen Doktoratsstudium, einem Gymnasium, mit fast 1000 Beschäftigten, 1300 Studenten und 40 Firmen vor Ort ist die praktische Umsetzung der Problemlösepotenz der Mathematik und Informatik für die regionale und österreichische Wirtschaft im Softwarepark Hagenberg allgemein anerkannt. Damit nicht genug, 2006 setze Buchberger mit seiner Zukunftsplattform für die Regionale Entwicklung für Hagenberg sowie für drei Nachbargemeinden eine breite Initiative in der Bevölkerung zur Verbesserung der Lebensqualität und Attraktivität der Region.

Er initiierte auch in Timisoara, Westrumänien, einen Spin-off des RISC, das "Institute e-Austria Timisoara", das inzwischen auf 30 Mitarbeiter angewachsen ist. Auch die Informatik-Offensive der Universität Innsbruck, die u. a. 2001 zur Neugründung des Informatikinstituts und zu verstärktem Technologietransfer auf klein- und mittelständische Unternehmen führte, ging von der Initiative „Zukunftsgedanken des Arbeitskreises der Auslandstiroler“ unter Buchbergers Leitung aus.

Seit 1991 ist Buchberger Mitglied der Academia Europea, London. Die herausragenden Leistungen Buchbergers wurden mehrfach anerkannt und ausgezeichnet. Ehrendoktorate der Universitäten Nijmegen (Niederlande), Timisoara (Rumänien) und Bath (UK) sind da ebenso hervorzuheben wie die Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst erster Klasse, der Julius Raab-Medaille, der Wilhelm Exner-Medaille sowie des Erwin Wenzl-Ehrenpreises.

Allmählich begann sich die dritte Phase in Buchbergers Leben abzuzeichnen, die Zeit als Grundlagenforscher mit reicher Lebenserfahrung. Dabei beschäftigt er sich - seit nunmehr über zehn Jahren - mit der Zukunft der Mathematik. Im Mittelpunkt steht der Computer als Forschungsobjekt der Mathematik, aber auch als Werkzeug für die Automatisierung des mathematischen Denkprozesses. Am Österreichischen Wissenschaftstag 2001 findet man von Buchberger den Beitrag "Mathematik: im Auge des Hurrikans. Konsequenzen wissenschaftlicher Revolutionen für die Politik", wo Mathematik als Denktechnologie für technologische Höherentwicklung - auch als Grundlage heutiger E-Technologien - dargestellt wird. Darin wird unter anderem erläutert, dass durch Anwendung verbesserter mathematischer Algorithmen die Beschleunigung der Arbeit von Computern weitaus höher ist als durch den technologischen Fortschritt seit Beginn des Computerzeitalters vor 60 Jahren!

Im Projekt "Theorema" entwickelt Buchberger einen integrierten Rahmen zum Beweisen, Rechnen und Lösen in allen Bereichen der Mathematik, verbunden durch die universelle Sprache der Prädikatenlogik. Die Automatisierung des Erfindens und Beweisens mathematischen Wissens und mathematischer Methoden steht hier im Vordergrund.

Für die Zukunft ist Bruno Buchberger voller Pläne. Mathematik steht für ihn im Zentrum der Spirale der technischen Entwicklung. In Pension gegangen ist er nur in Bezug auf seine Vorlesungstätigkeit. Als Leiter seiner Theorema-Forschungsgruppe und als Leiter des Softwareparks steht er noch voll zur Verfügung.

Ad multos annos!


[1] Vgl. etwa OCG Journal 1/2007 "Pioniere der Informatik: Konrad Zuse".

Pioniere der Informatik, OCG-Journal, Ausgabe 5/2007