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Auch der Computer hat einen Buzzer#

US-Quizshow lässt Computer gegen Menschen antreten.#


Von der Wiener Zeitung (Donnerstag, 17. Februar 2011) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Washington. (dpa) Es war eine der spektakulärsten Kraftproben zwischen Mensch und Maschine: 1996 spielte Schachgenie Garri Kasparow eine ganz besondere Partie gegen den Supercomputer "Deep Blue" von IBM. Am Ende musste sich der Russe geschlagen geben. Jetzt erlebt das Duell zwischen so unterschiedlichen Partnern eine Neuauflage. Wieder steht ein IBM-Computer im Raum, diesmal mit Namen "Watson". Als sein Gegner lauern erprobte Mitspieler der US-Quizshow "Jeopardy". Brad Rutter und Ken Jennings zählen zu den besten Kandidaten in der knapp 50-jährigen Geschichte der Sendung. Seit Montag versuchen sie, den Bits und Bytes ihres elektronischen Gegners Paroli zu bieten; in Kürze soll der Sieger feststehen. Im Zwischenstand am Mittwochnachmittag lag der Computer nach anfänglichem Gleichstand vorne.

"Jeopardy" dreht das Konzept der meisten Quizshows um. Den Kandidaten werden Antworten vorgelesen, zu denen sie die passende Frage finden müssen. Anders als damals "Deep Blue" muss "Watson" mehr als nur logisch denken können, sondern auch Sprache erkennen.

Drei Jahre lang bastelte der US-Computergigant an "Watson" und investierte nach Schätzungen von Experten etwa 74 Millionen Euro. "Watson" ist ein Technik-Herkules: Er verfügt über die Rechenleistung von 2800 durchschnittlichen Computern und 15 Terabyte RAM-Speicher. Das ergibt einen Zugang zu mehr als 200 Millionen Seiten Inhalt. Internet-Anschluss hat er nicht.

Wenn der Computer eine Frage beantworten soll, muss er, genau wie die menschlichen Kandidaten auch, einen Summer drücken. Das geschieht durch einen Roboterarm. Da "Watson" so groß ist wie ein durchschnittliches Schlafzimmer, wird die Show ausnahmsweise in der IBM-Zentrale in Armonk gedreht. Gedacht ist Watson etwa als Analysewerkzeug für Finanzunternehmen.

"Es war vor allem der gesellschaftliche Nutzen des Experiments, der uns interessierte", sagte TV-Produzent Harry Friedman. Die Redaktion hatte sich einverstanden erklärt, den Computer zuzulassen, nachdem sichergestellt war, dass es dabei fair zugeht.

Wissen: Künstliche Intelligenz#

1950: Alan Turing schlägt vor, mit dem Turing-Test das gleichwertige "Denkvermögen" von Maschinen und Menschen zu testen. Bei diesem Test versucht ein Mensch durch Kommunikation einen anderen Menschen von einem Computer zu unterscheiden.

1956: erste Konferenz zum Thema Künstliche Intelligenz findet am Dartmouth College statt, die von John McCarthy organisiert wurde. Er prägte den Begriff "artificial intelligence".

1966: Joseph Weizenbaum entwickelt Eliza, ein Programm, das dazu in der Lage ist, einen Dialog mit Benutzern zu führen

1972: Mycin, ein sogenanntes Expertensystem, das zur Diagnose und zu Therapieentscheidungen von bakteriellen Infektionen genützt wird, wird entwickelt. Seine Entscheidungen sind laut Stanford University genauso gut wie die eines Experten.

1989: Jabberwacky, eine Chat-Simulation, wird gestartet. Das Programm verwendet Modelle für menschliches Lernverhalten und errechnet mithilfe von Mustererkennung passende Antworten. Seit 1997 läuft Jabberwacky auch im Internet.

1991: Hugh Gene Loebner schreibt den Loebner-Preis aus, dessen Bronzemedaille seitdem jedes Jahr an das "menschenähnlichste" Programm vergeben wird

1995: der schwedische Hersteller Husqvarna bringt mit dem Solarmower den ersten Rasenmähroboter auf den Markt

1997: Der Computer "Deep Blue" (Firma IBM) schlägt den Schachweltmeister Gray Kasparow.

Wiener Zeitung, Donnerstag, 17. Februar 2011