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Liegt die Zukunft im Computernetz?#

Mirko Herzog

Die Zukunft des Computers bringt sein Verschwinden. Das Gerät, das seit gut zwanzig Jahren die Schreibtische prägt, entwickelt sich zunehmend zur unsichtbaren Infrastruktur im Hintergrund. Im Vordergrund verbleiben lediglich Endgeräte, die permanent Zugang verschaffen zum Internet, das kennzeichnend ist für den Computer der Zukunft. Der Zugang erfolgt entweder über schlichte Steckdosen in der Wohnung oder mit Hilfe von „Handys“, „Personal Digital Assistents“ („PDAs“) oder „Laptops“ über unsichtbare Funkportale im öffentlichen Raum – so genannte „Hot Spots“. Multimediatauglich, erlauben die Endgeräte zu telefonieren und zu mailen, aber auch Bilder herzustellen und zu versenden. Mit ihrer Hilfe kann der Besitzer seine persönlichen Texte verfassen, allerlei Information aus Archiven und Bibliotheken im Internet beziehen und sogar Transaktionen abwickeln – vom Einkaufen samt Bezahlen über die Erledigung von Behördenwegen bis hin zur Kartenreservierung bei der Eisenbahn.

Das Internet ist auch der zentrale Ort künftiger Medienunterhaltung und bietet interaktives Radio und Fernsehen, Filme und Musik auf Bestellung oder aber Ausflüge in virtuelle Spielwelten mit fiktiven und echten Mitspielern. Darüber hinaus eröffnet es Möglichkeiten, die Büroarbeit kabellos und mobil zu erledigen – sofern es überhaupt noch ein Büro gibt, denn viele Firmen sparen die hohen Betriebskosten ein und stellen ihren Mitarbeitern statt Büroarbeitsplätzen Laptops samt Netzzugang zur Verfügung.

Eine zentrale Facette dieses globalen Computernetzwerks bildet der persönliche Identifizierungscode, kurz „ID“, der sich auf einem Chip im Handy, im PDA oder auf einer Wertkarte befindet. Jeder Teilnehmer erhält durch die ID eine Adresse im globalen Netzwerk, unter der er erreicht werden kann, gleichzeitig aber auch eine Registriernummer zur Abrechnung kostenpflichtiger Dienste.

Solche IDs fungieren aufgrund ihrer Einzigartigkeit auch als persönliche Schlüssel – etwa zu privaten im Internet gespeicherten Dateien. Sie können freilich ebenso als elektronische Auto- und Wohnungsschlüssel dienen – am besten und sichersten in Verbindung mit elektronischem „Fingerprint“. Mit Hilfe einer solchen ID ist es ferner möglich, von auswärts via Handy die Heizung zu regulieren oder das sensorgesteuerte Garagentor zu öffnen, sobald man sich ihm nähert.

Einer der Väter des PC, Bill Gates, hat die Vision vom mitdenkenden „Cyber Home“ entworfen, in dem die Bedienung zahlreicher Geräte mehr oder weniger automatisch erfolgt. Diese Vision stößt freilich an Grenzen: Die durch und durch elektronisierte Wohnung, gespickt mit Sensoren, die auf Stimmen, Bewegungen und vielleicht sogar irgendwann auf Gemütslagen der Bewohner reagieren, verspricht wenig Heimeligkeit und droht bei einem simplen Stromausfall völlig außer Betrieb gesetzt zu werden. Ganz zu schweigen von der Anfälligkeit des Internet für Viren und Würmer oder der Angreifbarkeit durch „Hacker“, die es lahmzulegen oder für ihre Zwecke auszubeuten versuchen.


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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