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Was heißt „End-of-Pipe-Technologie“, was „angepasste Technik“?#

Lisa Noggler

Die Begriffe aus dem Bereich der Umwelttechnik bezeichnen zwei verschiedene technische Strategien, bereits verursachten oder aber drohenden Umweltkrisen zu entkommen. Beide Ansätze verbindet die Erkenntnis, dass die natürliche Umwelt vor drohender Zerstörung geschützt werden muss. Da aufgrund der Selbstbindung an die Technik ein Ausstieg nicht möglich ist, sind weitere Technologien nötig. Sie unterscheiden sich jedoch im Einsatz:

Unter dem Begriff Umwelttechnik sind die auf die Umwelt reagierenden Verfahren und technischen Reaktionen subsumiert. Die gesetzlichen Auflagen, die als politische Reaktion auf sichtbare Umweltprobleme zu verstehen sind, mit den daraus folgenden Genehmigungs- und Betriebsauflagen für Änderung oder Errichtung wie auch zur Sanierung von Anlagen führten dazu, dass technischer Umweltschutz zu einer der wichtigsten Wachstumsbranchen der letzten Jahrzehnte geworden ist.

Die weitaus häufigere und seit einigen Jahren vertraute Strategie ist die Substitution oder so genannte „End-of-the-Pipe-Technology“.

Zugrunde liegt der Gedanke, bereits entstandene oder permanent entstehende Schäden technisch zu reparieren oder sie auf ein „überschaubares Risiko“ zu konzentrieren. Darunter versteht man prozessnachgeschaltete Maßnahmen, wie etwa das Recycling oder die Filterung dessen, was „am Ende des Rohres“ herauskommt. Die Reduktion auf derartige Lösungen führt jedoch häufig zu einer Verlagerung des Problems von einem Umweltbereich in den anderen; Beispiele sind etwa nicht-recyclebare Rückstände nach aufwändigen Mülltrennungs- oder -verbrennungsverfahren. Da diese Strategien dem Gesamtproblem selten gerecht werden und zu immer kostspieligeren Maßnahmen führen, lässt sich ein Wandel zu einer Technik hin beobachten, die mit den Begriffen „integrierter Umweltschutz“ oder „angepassteTechnologien“ benannt wird.

„Angepasste Technologien“ nennt man jene technischen Lösungen, die neue Schäden vermeiden sollen, also nachträgliche Reparaturen nicht mehr nötig machen. Der Umweltschutz wird bereits bei der Auswahl von Einsatzstoffen, Verfahrenstechniken und Arbeitsabläufen berücksichtigt. Dazu ist es nötig, Kriterien für die Verträglichkeit eines Technikeinsatzes festzusetzen und mögliche Folgen in die Planung mit einzubeziehen (Technikfolgenabschätzung). Statt universell gültiger Lösungen wird eine neue Technologie auf das bestimmte soziale und natürliche Umfeld „angepasst“. Zu den Beispielen zählen etwa im Energiebereich Windräder, Sonnenkollektoren, Hackschnitzel- und Pelletsfeuerung (= CO2-neutral) oder Biogasanlagen.


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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