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"Kann mir Leben im All wie auf der Erde nicht vorstellen"#

Austronaut" Franz Viehböck hält bemannte Raumfahrt für notwendig.#


Von der Wiener Zeitung (Mittwoch, 6. Juli 2011) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Eva Stanzl


Viehböck nach seiner Rückkehr vor der Mir
Damals in der Steppe Kasachstans: Viehböck nach seiner Rückkehr vor der Mir.
Foto: © epa

Wiener Zeitung: Die USA sparen in der bemannten Raumfahrt - vieles in der Raumforschung erledigen mittlerweile Roboter. Zudem gibt es andere Herausforderungen an Budgets, wie den Umstieg auf erneuerbare Energien. Warum ist die bemannte Raumfahrt noch relevant?

Franz Viehböck: Die bemannte Raumfahrt ist relevant, weil der Mensch sich weiter entwickelt, wenn er seine Grenzen überschreitet. Zudem gibt es bei bestimmten Raumflügen Situationen, in denen der menschliche Intellekt und das menschliche Gefühl unabdingbar sind - Roboter können dann nicht entscheiden. Eine Mars-Landung etwa ist so kompliziert, dass ein Mensch binnen Sekunden vor Ort reagieren muss. Da kann man nicht bis zur Auswertung der Daten auf der Erde warten. Hinzu kommen medizinische Experimente als Teil des Jobs. Etwa haben Astronauten in der Schwerelosigkeit die gleichen Symptome wie Patienten, die lange bettlägrig sind. An uns Astronauten wurde etwa getestet, wie man ihnen helfen kann.

Wie hat Ihr Flug zur russischen Raumstation Mir Ihr Leben verändert?

Neben dem Erlebnis des Raketenstarts, des Fluges, des Lebens in der Raumstation und des Erlebens der Schwerelosigkeit hat der Ausblick auf die Erde mich für den Umweltschutz sensibilisiert. Von oben sieht man die Schäden, die der Mensch anrichtet, ganz klar: schwarze Wolken vom Abbrennen der Regenwälder in Brasilien, einen von schwarzem Rauch bedeckten Golf durch das Anzünden von Ölfeldern im Golfkrieg. Und der Aralsee ist nicht der große blaue Fleck, als den wir ihn im Schulatlas sehen, sondern eine weiße Wüste, weil Wasser abgezweigt wird für Baumwollplantagen.

Wie wird man als Österreicher Astronaut?

Im Rahmen des bilateralen Projekts "Austromir" zwischen Russland und Österreich wurden Kosmonauten zur Durchführung von Forschungsexperimenten gesucht. Ein naturwissenschaftliches Studium musste man abgeschlossen haben und man musste 30 bis 40 Jahre alt sein - ich war allerdings jünger. Nach einem zweijährigen Training und einem Russisch-Kurs ging es los.

Welchen österreichischen Nachwuchs gibt es?

Ich kenne jemanden, der weit kam, aber dann nicht genommen wurde, weil Österreich das Projekt der bemannten Raumfahrt der Europäischen Weltraumagentur ESA nicht unterstützt.

Würden Sie auch zum Mars fliegen?

Ja, aber derzeit gibt es kein diesbezügliches Projekt. Das nächste Ziel sind andere Himmelskörper wie der Mond Europa oder andere Asteroiden. Die USA entwickeln dafür ein bemanntes Raumschiff namens "Orion", das auf der Spitze einer Rakete 2015 zum ersten Mal starten soll.

Befürworten Sie die Sparmaßnahmen der Regierung Obama?

Das Space-Shuttle-Programm zu stoppen ist richtig, denn ein Start kostet eine halbe Milliarde Euro. Das Shuttle konnte alles - Menschen und Nutzlasten rauf und runter bringen - doch man muss nicht bei jedem Flug das gesamte System hochfahren.

Was ist der Unterschied zum Weltraumtourismus, bei dem Amateure ins All fliegen?

Als Weltraumtourist können Sie um 150.000 Euro mit Virgin Galactic kurz ins All fliegen. Dabei wird der Flugkörper mit dem Flugzeug auf 15 Kilometer Höhe gebracht, löst sich dann und fährt ins All. Sie verbringen fünf Minuten in der Schwerelosigkeit. Dazu benötigen Sie eine kurze Vorbereitung und einen Gesundheitscheck. Die zweite Variante kostet 20 bis 25 Millionen Euro. Sie reisen in einer Sojus-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS und verbringen dort ein bis zwei Wochen. Sieben oder acht Menschen haben das bereits gemacht. Wenn der Markt dafür wächst, müsste man wohl eigene Touristik-Raumstationen ausbauen.

Gibt es ein Leben im All wie hier auf der Erde?

Rein statistisch gesehen ist es wahrscheinlich, dass Planeten mit ähnlichen Voraussetzungen existieren. Jedoch wäre so ein Planet so weit weg, dass ich es mir nicht vorstellen kann.


Der Elektrotechniker Franz Viehböck (50), ist der erste österreichische Raumfahrer.

Am 2. Oktober 1991 flog er im Rahmen des sowjetisch-österreichischen Weltraumprojekts "Austromir 91" zur russischen Raumstation Mir.

Wiener Zeitung, Mittwoch, 6. Juli 2011