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Roboterschlange im Kraftwerk#

AKW Zwentendorf: von der Investitionsruine zum Roboter-Testgelände.#


Von der Wiener Zeitung (Freitag, 31. Mai 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Petra Tempfer


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Mit Digitalkamera ausgerüstet kann der Roboter für Kontrollen in Kernkraftwerken mit hoher Strahlung eingesetzt werden.
©EVN

Zwentendorf. Einst teilte es die Bevölkerung und kostete Bruno Kreisky fast das Amt des Bundeskanzlers - heute ist es zum Symbol für die Stimmkraft des Volkes avanciert: das Atomkraftwerk (AKW) Zwentendorf in Niederösterreich, mit dessen Bau 1972 begonnen worden war, um es nach der Volksabstimmung 1978 doch nicht in Betrieb zu nehmen.

Nach seinem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf wird es heute vielseitig genutzt: Der Eigentümer EVN betreibt hier eine Photovoltaikanlage, es ist Ersatzteillager und weltweit das einzige Kernkraftwerk, das wie ein Museum besichtigt werden kann. Zuletzt diente es als Testgelände für einen schlangenförmigen, mit Digitalkamera und Sensoren bestückten Roboter: Dieser kann durch enge Leitungen kriechen und soll künftig für Kontrollen in jenen Teilen von Kernkraftwerken verwendet werden, die aufgrund der Strahlung unzugänglich sind. Auch Personen in eingestürzten Gebäuden könnten damit gesucht werden.

35 Jahre Atomsperrgesetz#

Zur Roboter-Testung kam ein Team des Robotics Institutes der amerikanischen Forschungsuniversität Carnegie Mellon in der Vorwoche nach Zwentendorf. Bereits seit 15 Jahren arbeitet es an dem Roboter-Projekt. Ziel der Tests in Zwentendorf: "Wir möchten sehen, ob unsere Entwicklungsrichtung stimmt", sagte Florian Enner, Mitglied des Forscherteams.

Aktuell findet außerhalb der dicken Mauern des Kraftwerks das "Tomorrow-Festival" statt (siehe links). Trotz allem gilt das AKW Zwentendorf, dessen Errichtung und Instandhaltung bis zur stillen Liquidierung 1985 eine Milliarde Euro gekostet haben, als größte Investitionsruine Österreichs. Die Nichtinbetriebnahme 1978 führte aber immerhin zum Atomsperrgesetz: Kernkraftwerke dürfen seitdem nicht mehr ohne Volksabstimmung gebaut werden.

Wiener Zeitung, Freitag, 31. Mai 2013