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Können „sanfte Technologien“ harte Technik ersetzen?#

Jakob Calice

Wenn gleich man sich über den Zeitpunkt nicht einig ist – fossile Energieträger werden uns irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen. Und selbst wenn die Vorkommen unendlich wären, würde der weiterhin steigende Verbrauch zu einer Bedrohung unserer Umwelt durch die Klimaerwärmung führen. Die Industriegesellschaft könnte damit in zweifacher Hinsicht die Basis ihres materiellen Wohlstandes verlieren. Daher sucht man nach technisch nutzbaren alternativen Energieträgern, die in großen Mengen vorhanden sind und deren Nutzung die Umwelt nicht belastet. Allen voran diskutiert man zurzeit den vermehrten Einsatz von Atomkraftwerken zur Energiegewinnung. Sie haben allerdings zwei große Nachteile: Unfälle sind zwar unwahrscheinlich – treten sie aber doch ein, dann haben sie verheerende Folgen. Dazu kommt das Problem des strahlenden Atommülls, der sich kaum über lange Zeiträume sicher lagern lässt.

In den letzten Jahren sind daher vermehrt Stimmen für den Umstieg auf so genannte „sanfte Technologien“ laut geworden. Diese umfassen alle technischen Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu nutzen, ohne die Umwelt allzu stark zu beeinträchtigen – beispielsweise die Wind- und Sonnenenergie. Hackschnitzelheizungen etwa, also die Wärmeerzeugung aus Sonnenlicht über den Umweg von biogenem Material, setzt nur von den Hölzern zuvor gebundenes CO2 frei. Da Pflanzen aber im Gegensatz zu fossilen Energieträgern an die (begrenzte) Oberfläche der Erde gebunden sind, müssten alleine für die Deckung des heutigen Wärmebedarfs ungeheure verheizbare Waldflächen zur Verfügung stehen – man setzt daher auf eine dezentrale kombinierte Energieversorgung, d. h., Wärme und Strom werden dort erzeugt, wo sie benötigt werden.

Strom- und Wärmeverbrauch machen aber nur einen kleinen Teil des Gesamtenergieverbrauchs aus; Treibstoffe lassen sich kaum durch Strom ersetzen. Wenn man also ganz auf fossile Energieträger und Atomenergie verzichten möchte, muss man den Energieverbrauch senken, was ohne eine Änderung unseres Lebensstils langfristig nicht möglich ist.
Dieser Ansatz wird in der Nachhaltigkeitsdiskussion Suffizienz genannt. Suffizienz zielt auf ein „genügsames“ Leben ab, womit nicht ein Leben in Armut gemeint ist, sondern die Besinnung auf Qualitäten wie Zeit, Ruhe und Freiheit abseits des Konsums.

In kleineren Projekten wird dieser Gedanke schon heute umgesetzt. Da aber Zeit und Ruhe für viele Menschen weit weniger Wert haben als Konsum und Komfort, werden diese Initiativen oft eher als Gruppen realitätsferner Aussteiger angesehen denn als Propheten einer nachhaltigen Zukunft.


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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