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Welche Rolle spielt die Technik bei der Rohstoffnutzung der Erde?#

Andreas Vormaier

Mit der wachsenden Bevölkerung und dem technologischen Fortschritt steigt zugleich der Bedarf an Rohstoffen. Nicht nur die Menge der abgebauten Stoffe wächst rasch, auch die Vielfalt der eingesetzten Materialien erhöht sich. Von 1900 bis 2000 hat sich die Weltbevölkerung vervierfacht, während der Energieverbrauch um das 17fache und der Verbrauch an Metallen gleich um das 37fache zugenommen haben.

Heute werden in den Industrienationen pro Kopf jährlich bis zu 20 Tonnen Rohstoffe verarbeitet. Auch die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie hat bislang nicht zur erwarteten „Entmaterialisierung“ geführt. Ein Computer beispielsweise enthält mehr als 20 verschiedene mineralische Rohstoffe; um sie zu gewinnen, müssen mehrere Tonnen Gesteinsmaterial bewegt und bearbeitet werden.
1972 prognostizierte der Club of Rome in seiner Studie Die Grenzen des Wachstums, dass ein Großteil der Erdöl- und Erdgasreserven bis zum Jahre 2000 verbraucht sein würden. Dass dies nicht der Fall ist, hat einerseits mit einer effizienteren Energienutzung, vor allem nach den Ölpreis-Schocks von 1973 und 1979, zu tun, andererseits mit verbesserten Methoden der Prospektion, wie der 3-D Seismik, der Erschließung vorher kaum zugänglicher Lagerstätten durch die Off-shore- Technik und einer besseren „Entölung“ der Lagerstätten. Würde der Ölpreis weiter steigen, könnte – allerdings mit gravierenden Auswirkungen auf die Umwelt – noch auf „nicht konventionelles“ Erdöl in den riesigen Ölschiefer- und Ölsandvorkommen zugegriffen werden.

Auch die pessimistischen Prognosen über die baldige Erschöpfung der Vorräte an Metallerzen scheinen sich nicht zu bewahrheiten: Einerseits sind durch Recycling und neue Werkstoffe zusätzliche Reserven entstanden. Wenn zum Beispiel das Kommunikationsnetz unter den urbanen Zentren auf Glasfaserkabel umgestellt wird, stellen die nicht mehr benötigten Kupferkabel eine nicht unbeträchtliche „abbauwürdige“ Reserve dar.

Andererseits wurden neue riesige Erzlagerstätten in bisher kaum zugänglichen Gegenden entdeckt. Zu den wichtigsten zählen die so genannten „schwarzen Raucher“, ca. 350 °C heiße Quellen am Meeresgrund, die einen beträchtlichen Nachschub an Sulfiderzen, vor allem von Kupfer, Eisen, Zink, Blei, Zinn und Molybdän, aber auch von Edelmetallen wie Gold und Silber liefern.

Der Abbau dieser Erze ist zurzeit – abgesehen von den verheerenden Umweltauswirkungen – vor allem aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise nicht wirtschaftlich. Aber Bergbauunternehmen experimentieren bereits mit ferngesteuerten Bohr- und Sprenganlagen sowie Baggern und konstruieren Rohre, durch die dann der dünnflüssige Schlamm aus zerkleinertem Erz an die Oberfläche gepumpt werden kann. Erdölförderung in Millionen Tonnen pro Jahr:

Land19701980199020002004
Saudi-Arabien188,4496,4341,3439,8487,9
Russland318,0543,0516,2323,0456,8
USA475,3482,2414,5351,8327,1
Iran191,376,6161,4193,3197,9




Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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