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Wie Google unsere Daten sammelt#

Auch ohne Zustimmung wird man ausspioniert. Man kann aber auch etwas dagegen unternehmen.#


Von der Wiener Zeitung (Sa/So, 13./14. August 2011) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


(kuc) Wenn Medien vom US-amerikanischen Online-Konzern Google berichten, wird immer über dessen Datensammelwut, den gläsernen User und die Gefahren moderner Technologien gesprochen. Doch wie kommt Google eigentlich an die Daten der Anwender? Ist Facebook weniger gefährlich? Und gibt es keine Möglichkeit sich zu schützen?

Wie kommt Google an die Daten? Das ist im Prinzip ganz einfach: Viele Webseiten - sowohl im Inland wie auch im Ausland - nehmen am Google-Display-Netzwerk teil. Dabei handelt es sich um ein Werbenetzwerk von Google - das unter der Bezeichnung "AdWords" wesentlich bekannter und geläufiger ist. Über diese Plattform bauen fast alle Onlineangebote Google-Werbung in Ihre Webseiten ein. Sobald ein Anwender eine dieser Webseiten aufruft, werden Cookies über seinen Besuch gespeichert. Cookies lassen sich am besten als digitale Fingerabdrücke bezeichnen, über diese werden Anwender beim nächsten Besuch auf einer Webseite wiedererkannt. So lassen sich Besucherströme nachvollziehen und auch die mittlerweile werbetechnisch relevanten "Unique User" - also die einzelnen Besucher einer Webseite - nachvollziehen. Diese "Fingerabdrücke" sorgen aber auch dafür, dass genau nachverfolgt werden kann, welche Webseiten wann und wie lange besucht wurden. Aus diesen Daten generiert Google für jeden einzelnen Anwender ein eigenes Nutzerprofil.

Google abdrehen#

Um einen Blick in das eigene Google-Nutzerprofil zu werfen, rufen Sie die Seite www.google.com/ads/preferences auf. Das Ergebnis ist für die meisten Anwender doch schockierend und auch beunruhigend: Im Bereich "Ihre Kategorien" werden alle Webseitenkategorien aufgelistet, die besucht wurden. Selbst das Geschlecht seiner User kennt man bei Google. Aus den gesammelten Daten wird nun eine personalisierte Werbung generiert. Wer diesem Treiben ein Ende setzen will, muss lediglich den Link "Entfernen" anklicken und kann so die gemerkten Kategorien aus dem Gedächtnis des Onlineriesen löschen. Allerdings ist dies nur eine temporäre Lösung, da beim nächsten Ausflug in die Weiten des Internet wieder weitergesammelt wird. Wer auch dies verhindern w ill, der sollte

sein Google-Nutzerprofil abschalten. Zu diesem Zweck muss im Bereich "Deaktivieren" auf die "Deaktivieren"-Schaltfläche geklickt werden. Nun wird der persönliche Google-Cookie gelöscht und es werden ab sofort keine weiteren Interessen und demografischen Kategorien gesammelt. Aber Achtung: Diese Vorgehensweise gilt nur für den gerade in Verwendung befindlichen Computer und Browser. Wer mit einem anderen Browser weitersurft oder den PC wechselt, startet das Datensammeln über Cookies erneut.

Auch in sozialen Netzwerken dreht sich alles um personalisierte Angebote und Werbung. Daher versuchen Facebook und Co. ebenfalls, so viele Daten wie möglich zu sammeln. Dabei spielen nicht nur die eigenen persönlichen Angaben eine große Rolle, sondern auch die Angaben und Einträge von Freunden. Für Facebook-Anwender gibt es noch einen weiteren Stolperstein, der nicht unbeachtet bleiben sollte: der "Gefällt mir"-Knopf öffnet Dritten Tür und Tor. Ebenso ist Vorsicht bei Spielen geboten, da diese ebenfalls zu Datensammlern werden können.

Gefahr durch Bilder#

In Zukunft wird die Verknüpfung von Daten und Inhalten aus der virtuellen und realen Welt zusehends an Bedeutung gewinnen. Für soziale Netzwerke bedeutet dies unter anderem die Zuordnung von Bildern zu bestimmten Nutzern. Da Freunde und Bekannte Bilder auf Facebook markieren, lässt sich so ein rundes Werbeprofil erstellen. Die große Problematik in diesem Zusammenhang liegt in der Tatsache, dass sich viele Einträge im Internet, vor allem auf Webseiten, deren Server im Ausland stehen, nicht so einfach wieder löschen lassen. Das digitale Gedächtnis vergisst leider nie. Daher bedarf es von Seiten der Anwender eines vernünftigen Umgangs mit den Daten.

Pro Anonymität#

„Ich bin ein Mensch, ob Mann oder Frau ist egal. Religion, Hautfarbe oder Aussehen spielen keine Rolle. In der Realität werden diesen Attributen oft Dinge oder Fähigkeiten zugeschrieben, die nicht stimmen. Ein Pseudonym schützt vor Vorverurteilungen, Sexismus, Rassismus und Intoleranz.“

Ein/e anonyme/r UserIn

„Viele der besten und beliebtesten Mitarbeiter bei Boing Boing verwenden Pseudonyme. Für mich ist es viel interessanter die gewählten Namen zu kennen, als die echten. Ein Name den unsere Eltern uns gaben, sagt bei Weitem nicht so viel aus, wie ein Name den wir uns selbst geben haben.“

Cory Doctorow, Mitgründer des Blogs Boing Boing


„Pseudonyme an sich sind nicht schädlich. Nur weil sich Forentrolle, Hassprediger oder andere asoziale Kreaturen in der Anonymität des Internet verstecken, dürften Künstlernamen und Schutz-Pseudonyme nicht zur Debatte gestellt werden. Zumal die beiden letztgenannten Kategorien die Mehrheit ausmachten.“

Caterina Fake, Mitgründerin des Bilderdienstes Flickr


„Ich bin sowohl für Identität wie auch Anonymität, beides hat ihre Berechtigung und ihren Nutzen. Abschaffung der Anonymität zur allgemeingültigen Forderung zu erheben, ist schlicht gefährlich.“

Jeff Jarvis, US-amerikanischer Journalist und Blogger


Das Unbehagen gegenüber der „anonymen Masse“ im Internet, die sich in Teilen unflätig benimmt, ist nur zum Teil der Anonymität geschuldet. Für die soziale Interaktion ist es irrelevant, ob wir mit Michaela Müller oder I. Gitt diskutieren. Primär ist es eine Diskussion um Verhaltensregeln, Normen und Anstand. Manche wissen sich schlicht nicht zu benehmen.

Falk Lüke, Journalist, Mitglied der „Digitalen Gesellschaft“


Wiener Zeitung, Sa/So, 13./14. August 2011