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„Wie spricht der Hund? Wauwau!"#

Undressierte Überlegungen zur menschlichen und tierischen Kommunikation[1]#


Von

Günther Jontes

Aus: Haus- und Gebrauchstiere in der steirischen Geschichte. Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark. Band 62. Hg.: Historische Landeskommission für Steiermark. Selbstverlag. Graz 2013.


Unser verehrter Jubilar feiert einen runden Geburtstag, und wir wissen, dass er ein langjährig erprobter Hundefreund ist. Rechnet man sein Alter in Hundejahre um, so ist er gerade einmal 13% Jahre alt, und das ist für einen Wissenschafter, wie wir unseren Alfred Ableitinger kennen, noch durchaus ein Alter, das Höchstleistungen ermöglicht. Und wir blicken bei Betrachtung seiner Biographie keineswegs auf ein Hundeleben zurück. Er ist nie an Staupe oder Dackellähmung erkrankt und auch in seiner Lebensphilosophie nie zum Kyniker geworden.

Hunde spielen, wie gesagt, in sein Leben hinein. Als Gelehrter konnte er natürlich nicht anders, als seinen weiblichen Junghund[2] Sophia „Wissenschaft" zu taufen;[3] auf diese Weise humanistische Bildung mit verinnerlichter Kynophilie verbindend. Ob auch die süddeutsch-österreichische Mundartform Sopherl innerhalb des Ableitinger-Clans Verwendung findet, konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden.

Je nun! So wie die geläufige Frage an den zoomorphen Gefährten „Wie spricht der Hund?" vom gelehrigen und wohlerzogenen Vierbeiner mit einem kräftigen „Wauwau" beantwortet wird, so erhebt sich doch die Frage, ob das, was wir Hunden sagen, von diesen auch dem Sinne nach verstanden wird und logische Handlungen zur Folge hat - wir wissen es nicht. Tierische Kommunikation hat der amerikanische Cartoonist Gary Larson - einer der witzigsten und skurrilsten seiner Zunft - in seiner gesuchten Realität aufschlüssige Weise mitgeteilt. Ein Mann spricht mit seinem Hund Ginger: „What we say to dogs: Okay, Ginger! I've had it! You stay out of the garbage! Understand, Ginger? Stayout of the garbage, orelse ...![4] - What they hear: Blah blah GINGER blah blah blah blah blah blah blah GINGER blah blah blah blah blah..."[5]

Der Hund sagt also Wauwau, zumindest in unserer schönen deutschen Muttersprache, zuweilen auch Wuff. Hochsprachlich kann man dies nicht zuordnen, es ist mehr die Ausdrucksweise von Kindern. Und in anderen Sprachen versteht man es anders. So etwa im Japanischen als wan wan. Der Hund gibt sich also nicht selber seinen Namen wie etwa der Kuckuck oder das Vöglein Zizibe.

Dieses Wau personifiziert sich auch. Der Wauwau ist ein Kinderschreck, und dieses Abschreckende spürt man auch im schwindenden Gebrauch des Anstandswauwaus. Damit meinte man einst Ballmütter oder auch allgemein reifere weibliche Personen, die zur Wahrung der Unschuld von Töchtern oder Enkelinnen diese überall dorthin begleiteten, wo von Seiten der Männerwelt Gefahr drohte. Im venezianischen Karneval ist la bauta die häufigste Standardmaske. Sie verdeckt Stirn, Augenpartie, Nase, lässt aber Mund und Kinn frei. Möglicherweise steckt da auch dieses Wau, welches durch Kulturkontakte aus dem Norden eingeflossen sein könnte.

Ein Wau ganz anderer Herkunft hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten in die deutsche Sprache als eine Folge des vom Angloamerikanischen ausgehenden Sprachwandels eingeschlichen. Dass vieles an Übernahmen, wie etwa die Fachwörter der digitalen Datenverarbeitung, seinen Platz als Fremdwort gefunden hat, ist verständlich. Solche Wörter werden sogar wie etwa updaten oder downloaden, (noch) der deutschen Grammatik unterworfen. Bedenklich wird dieser Wandel aber, wenn selbst schon die Interjektionen übernommen werden, die einen rein emotionalen Ausdruck in sich tragen. So wird heute schon der vielschichtige impulsive Ausruf des Erstaunens durch das amerikanische wowl, gesprochen wie unser wau, ersetzt Das HU als Grußformel hat vor etwa drei Jahrzehnten den Anfang gemacht, jetzt spricht bereits ein Unbewusstes mit.

Man darf nicht vergessen, dass auch Hunden Namen gebühren. Diese Namen sind Legion und seit der Antike bezeugt. Hunde verstehen sie, wie wir bei GINGER gesehen haben. Und Hundenamen unterliegen ebenso Moden.6 Allerdings finden wir hier Zuordnungen nach Hunderassen. Ein Dackel kann nur Waldi heißen. Nur dem Hunde- und Menschenfreund Roland Girtler war es vorbehalten seinen Dachshund (im Englischen heißt der Dackel so!) auch noch als Dr. Waldi in einen akademischen Rang zu erheben.

Die Lautäußerungen der Hunde umfassen ein weites Spektrum, das sich wie bei keinem anderen Tier mit psychischen Zuständen verbindet. Zwar gibt es im höheren Säugetierreich zahlreiche Warn- und Drohschreie, aber eine derartige Vielzahl von seelischen und körperlichen Zuständen von behaglicher Zufriedenheit, über Schmerz- und Wohlbefinden, Warn- und Drohgehaben bis zur Kakophonie eines Gemeinschaft stiftenden Rudelgeheuls findet sich nur bei Canis domesticus.

Der famose Gelehrte Johann Amos Comenius beginnt sein richtungsweisendes systematisch bebildertes pädagogisches Werk „Orbis sensualium pictus"[7] mit einer für seine Zeit gewagten Zusammenstellung der Bezeichnungen für Tierlaute. Unter dieser Auflistung von 24 höheren Lebewesen steht auch der Mensch, und das beileibe nicht an erster Stelle. Nicht weit dahinter folgt dann der Hund, der im beigefügten Holzschnitt die charakteristische Körperhaltung beim Bellen einnimmt. Bei ihm heißt es der Hund marret. Das Wort steht zu murren „Unzufriedenheit äußern", ist heute ungebräuchlich und allgemein durch bellen ersetzt. Auch in den leichter zu überblickenden oberdeutschen Mundarten ist es verschwunden. Frühneuhochdeutsch findet sich dafür auch kollen, das sich auch mit dem englischen to call „rufen" vergleichen lässt. Althochdeutsch challon ist zu schallen zu stellen. Unger/Khull und Lexer[8] kennen es noch aus der gesprochenen Sprache. Der Schriftsprache ist das Wort verloren gegangen. Wie dies bis in die Geschlechterheraldik hineinwirken kann, zeigt das redende Wappen des steirischen Geschlechts der Rüedt von Khollenburg, das einen nach links gewendeten Hunde-/Rüdenrumpf mit eisernem Stachelhalsband zeigt.[9] Zahleiche steirische Adelsfamilien, darunter auch die Leuzendorf, Attems, Lamberg, Hundt oder Ungnad sowie zahlreiche andere Familien haben ebenfalls Hunde im Schild.[10] Er gilt hier symbolisch für Treue oder lässt das Wappen „reden".

Der spezifische Hundelaut ist das Bellen (engl. to bark). Es wird im negativen Sinn auch auf den Menschen angewendet, jemanden anbellen „mit gehobener Stimme kritisieren". Germ. ahd. bellan > mhd. bellen führt zu idg. bhel- „schallen, reden, brüllen, bellen" und erklärt auch engl. bell „Glocke" als Ding, das Töne von sich gibt.[11] Zum Nomen wird es im deutschen Gebell.

Vom Allgemeinen zum Spezifischen kommen wir zu einer Reihe anderer Hundelaute mit ihrer Anbindung an psychische Zustände des Tieres. Mitleidheischen und seelischer bzw. körperlicher Schmerz kommt in winseln zum Ausdruck (vgl. engl. to wbine). Jaulen kann ein weiterer Wehlaut sein und erklärt sich als lautmalerisches Verb, ebenso heulen (engl. to howl). Auf den Menschen für das Weinen übertragen, heißt es er heult wie ein Schlosshund. Es wird aber auch die Verwandtschaft mit dem Ruf von Eulen angesprochen.12 Wenn Hunde „schimpfen", kläffen sie. Das ist wohl lautmalerisch zu verstehen. Ein Kläffer ist ein kleiner, stets bellender Hund. Eine drohende Warnung kommt beim Knurren (engl. to growl) zum Ausdruck. Seit dem 16. Jahrhundert bezeugt, ist es onomatopoetisch wie knarren oder knirschen.

In Gessners zoologischem Prachtwerk[13] findet man im Kapitel über den Hund auch eine Bemerkung über die Lautäußerungen: Deß Hunds Stimm wird genennt bellen, wiewohl er auch zu Zeiten beulet und weisset(!). Die Hund träumen auch in ihrem Schlaffen, dann zu Zeiten billt(!) er in seinen Schlaff und Ruh.

Wird der Hund auf etwas unter Umständen Drohendes aufmerksam, so ist dieser Beginn des Bellens ein Anschlagen. Der Vergleich mit dem Anschlagen eines Schallinstruments liegt nahe. Schließlich ist das von Lauten begleitete Hecheln (engl. to hackle], das stoßweise Atmen mit hervorgestreckter Zunge, die einzige Möglichkeit für den Hund, einen Teil der Körperwärme loszuwerden, da Hunde bekanntlich nicht schwitzen können. Daraus wird auch ihr Charakter als Jäger deutlich, der dem Beutetier wenig Chancen auf eine warnende Witterung einräumt.

Nach diesen Anmerkungen zu den Lautäußerungen des Hundes ist wohl auch ein Wort über die Bezeichnung Hund als solcher angebracht. Im Sprachvergleich stellt es sich als indogermanisch heraus. Das heißt, dass diese kaum ethnisch, jedoch sprachlich zu definierende Gruppe den Hund als „Haustier" bereits gekannt haben muss.[14] Vergleichbare Belege sind altindisch sva, griechisch kyon, lateinisch canis. Germanisch entspricht diesen got. hunds, ahd. hunt, altnord. hundr. Ein anzusetzendes idg. kuon-könnte zur Wurzel keu- führen, die in die Richtung „von heller Farbe sein, glänzen", was wieder auf die äußere Erscheinung einer hellfarbigen Rasse hinweisen würde.

Nur im Neuenglischen fand eine semantische Einengung statt, weil das entsprechende hound bloß den Jagdhund meint. Der generelle Begriff dog, dessen Herkunft ungeklärt ist, tritt seit dem 11. Jahrhundert im Angelsächsischen auf und wurde als Hunderassenname Dogge im 16. Jahrhundert auch ins Deutsche übernommen.

Zwar schreibt es die Political Correctness noch nicht zwingend vor, dass auch Tiere „gegendert" werden müssen, aber beim Hund ist dies von Alters her sogar dreifach üblich: Rüde, Hündin, Welpe. Die männliche Form ist unter Umständen mit lat. rutilis „von rötlicher Farbe" zu vergleichen, könnte also ursprünglich auf eine Hunderasse rötlichbrauner Farbe gemünzt sein. Ahd. hundinna für den weiblichen Part ist zwar bezeugt, tritt aber allgemein erst ab dem 15. Jahrhundert in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Zuvor wurde das Wurzelwort ahd. zoha verwendet, das der neueren Sprache verloren ging, aber noch im Schimpfwort oberdeutscher Prägung Zauk für „unsittliche weibliche Person, lästige Frau" auftritt.[15] Welpe für das Jungtier ist in seiner Herkunft auch nicht ganz geklärt. Vielleicht hängt es mit ahd. (h)wel „ausgelassen, zudringlich sein" zusammen und würde damit jugendlichen Überschwang markieren. Das althergebrachte, heute aber kaum mehr gebrauchte Schimpfwort Hundsfott „verachtenswerter Mensch" zielt in Richtung weibliches Geschlechtsorgan und ist ein Beispiel für die wechselnde Rezeption des Hundes im gesellschaftlichen Zusammenhang. Ein Hüllwort dazu ist Hundsfutter als Schimpfwort.

Wir haben schon auf den psychischen Hintergrund der Kindersprache hingewiesen, die vielfach mit Verkleinerungs-, besser gesagt Verniedlichungsformen umgeht. Dies hat nichts mit der verkürzenden Primitivsprache zu tun. Demo und Limo weist auf Sprechfaulheit, Ösi, Wessi, Öffi usw. sind Jargonwörter, die auch schon im Deutsch der „Printmedien" angekommen sind. Selbst die Wissenschaft scheut nicht mehr davor zurück, die urgeschichtliche Gletschermumie vom Similaunjoch als Ötzi zu bezeichnen.

Die sprachliche Verniedlichung ist besonders beim Hund ausgeprägt. Natürlich versucht auch der Mensch sich dem Hund sprachlich zu nähern. Die Vermenschlichung von Haustieren ist ja nicht nur auf den nonverbalen Umgang ausgerichtet. Aber der Hund gibt das Pfoti, bekommt sein Tschappi und sein Wassi. Kratzi-kratzi tut dem Hausgenossen wohl und er verlangt auch täglich sein Gassi-Gehen, Und seine Bezugspersonen sind das Frauerl und das Herrl. Sein Verhalten wird in der Anrede mit den Gegenätzen braves oder schlimmes Hundi ausgedrückt, dem im Englischen ein good bzw. bad boy entspricht.

Wir stehen also vor dem Phänomen einer - wollen wie sie so nennen - „Nebensprache", wie sie etwa auch die Kommunikation mit Kleinkindern oder des Deutschen kaum mächtigen fremdländischen Menschen darstellt. Was viele Menschen als Mangel empfinden, ist die Tatsache, dass der Hund nicht in menschlichen Tönen, Worten und Sätzen reden kann.16 Es gab auch Versuche, einem Hund etwas Verständliches einzutrichtern, und mit Mühe gelang es auch einem Engländer, seinem Hund ein halb gebelltes I love you beizubringen. Aber zu mehr hat es nicht gereicht, und trotzdem ging die Mär vom sprechenden Hund um die Welt.

Das Miteinander der beiden Kreaturen hat die größte historische Tiefe und reicht vom Jagdhelfer bis zur verzärtelten, verzüchteten Wesen. Die ungefähr vierhundert Hunderassen von heute verfügen über das fast identische genetische Potential. Ungefähr seit dem 18. Jahrhundert erst spielt auch eine zum Teil skurrile Ästhetik mit. Zuvor war der Hund vor allem von seinem Nutzen bestimmt. Die Entstehung der Städte mit ihrer Umwallung und drangvollen Enge machte ihn zum unnützen Fresser und Verbreiter von Krankheiten. Daraus resultieren auch die zahlreichen Schimpfwörter, die ihn evozieren: Schweinehund, Sauhund, Hundling, falscher Hund usw. kommen von da her.[17] Man trat und verfolgte ihn, Hundefänger und Abdecker machten ihm das Leben schwer. Vor dem Salzburger Dom stand im 18. Jahrhundert ein livrierter Mann mit einer Stange, an deren Ende sich eine Igelhaut befand. Damit verwehrte er Hunden den Zutritt zu den geheiligten Hallen, wohin sie sich gerne flüchteten.[18] Die niederländische Genremalerei kommt bei der Darstellung von Kircheninnenräumen kaum ohne Hunde aus.

Fürstliches Jagen im ausgehenden Mittelalter wertete den Hund in den Oberschichten auf, während er auf dem flachen Lande zum Wach- und erbarmenswürdigen Kettenhund herabsank, als den Bauern die Jagd verboten wurde. Und der Wilderer brauchte keinen Hund. Kaiser Maximilian L, der große und waghalsige Jäger, soll 1.500 Hunde besessen haben, und auch später galt ihnen vom Kaiserhof besondere Aufmerksamkeit und Pflege.[19]

Diese Jagdhunde, häufig in Meuten zusammengefasst, wurden erstmals im 16. Jahrhundert systematisch beschrieben und nicht nur nach ihrem Äußeren, sondern auch nach ihren Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften.[20] In kraftvoller Sprache widmet der frühe Zoologe Conrad Gessner sich dem Hund: Die besten Hunden sollen die sein, welche nach der Geburt ihre Augen als letzte öffnen, eine runde, harte und stumpfe Nase haben. Der Magen ist khlein und hat einen engen Ausgang. Aus der Ursach arbeiten sie so heftig, so sie scheinen. Vortrefflich beobachtet! Seine Geschlechtsreife erreicht der Rüde nach Gessner so: So bald der Hund anhebt mit aufgehebten Beinen seichen / sofahet er an zu den Hündinnen fügklich sein.

Erbarmungslose Klugheit wird sichtbar, wenn ein Haus in Brand gerät, in welchem eine Hundemutter mit ihrem Wurf haust, so trägt sie den edlesten zu ersten auß dem Fewr, den geringsten aber zuletzt.

Die Wertschätzung des Nutzens wird bei Gessner auch deutlich, wenn er über die Behandlung von Krankheiten, aber auch über die Vertreibung von Ungeziefer und Wurmbefall berichtet. Die Bindung an den Besitzer könne man fördern, indem man ihn vom Kopf bis zum Schwanz mit Butter bestreiche und ihm auch Butter zu fressen gäbe.

Rührende Worte findet der Autor für den wachen Verstand des Tieres auch in Bezug auf seine reale Ansprechbarkeit: Hunde haben einen sonderbaren Verstand, dann sie erkennen und verstehen ihren Namen, mercken, so man ihnen rufft. Ob sie schon lange ihren Herrn verloren, so erkennen sie ihn doch wiederum.

Man kann ihm durch Dressur auch Kunststücke derart beibringen, dass er zu allem Spiel und Schimpff[21] underwisen mag werden, so man ihn mit guter Speiß belohnt, zu danken, zu dienen, aller Ding aufzuheben, zu tragen, zu sterben, zu schlaffen, zu springen.

Hat man seinen tierischen Gefährten „zum Fressen gern", so kann das zum Teil auch wörtlich genommen werden und stellt letztendlich wohl die „innigste" Beziehung zwischen den beiden dar. Zu Gessners Zeiten gilt das aber für die Oberschichten als Tabubruch, fast als Kannibalismus: Bei etlichen Völkern werden die fetten jungen Hunde in die Speiß genommen, wie wohl in unseren Landen jederman ein Abscheu von solchem Fleisch hat. Wer denkt da nicht an die modernen Legenden von den hiesigen Chinarestaurants.[22]

Es gäbe noch viele Aspekte des Gedankenfeldes Mensch-Hund zu bereden, denn die abstruse barocke Dreckapotheke bediente sich ausgiebig mit hündischen Gaben und wies diesen besondere Wirkungsweisen am Menschen zu.

Zur Tatsache zurückkehrend, dass der Hund sich nicht selbst bei Namen nennt wie Kuckuck und Zizibe, soll nun zum Schluss ein halbes HUNDert Sprachbelege aus aller Welt, auch den gehörigen Beweis dazu führen.[23]

Afrika
wischschaAmharisch
kareHausa
mbwaKisuaheli
ombuaHerero
mbwaLingala
alikaMadagassisch
eydliTamaschek/Tuareg
kälbiTigrinya
kramanTwi
in jaXhosa

Asien
kalbArabisch
khweeBurmesisch
kelevHebräisch
kutaHindi
anjingIndonesisch
inuJapanisch
itKirgisisch
kaeKoreanisch
mahThai
köpekTürkisch

Amerika
gitliCherokee
olshkesoCheyenne
sariComanche
jaguaGuarani
pohkoHopi
peekMaya
itzcuintliNahuatl/Aztekisch
bileechaa'INavajo
duTlingit
tsi'iTzotzil
Europa*
shunArmenisch
zakurBaskisch
kiBreronisch
hundFäröisch
cjanFriaulisch
gosKatalanisch
ghjacaruKorsisch
sunsLettisch
kelbMaltesisch
beanaSamisch
posSorbisch

* Hier wurden nur ferner liegende und Kleinsprachen ausgewählt.


Arktis
qimunInuit/Grönland*
qimiqInuit/Kanada/Inupiallu
angaqurtuInuit/Kanada/Yupik

* Die Inuit-Dialekte sind dem Typus nach inkorporierende Sprachen, das heißt, dass die Bedeutung nicht durch Ablaut, Präfixe oder Postpositionen zum Ausdruck kommt, sondern sich im Inneren des Wortes abspielt. Deshalb gibt es wenig Oberbegriffe, aber „Wurzelwörter", die sehr genaue Spezifika herausbilden, wie sie auch beim Begriff HUND augenfällig wird. Deshalb etwa qlmulvak „großer H." melqussuk „struppiger H.", esqayuq „H. mit dunklem Augenfleck".


Ozeanien
akuBugotu/Salomonen
kukouGapapaiwa/Neuguinea
yungalyiMartu Wangka (Australien)
dokPidgin/Neuguinea
maileSamoanisch

Fußnoten#

[1] Die hier für unseren Jubilar formulierten Gedanken wurden während der Hundstage des Sommers 2013 niedergeschrieben, mir zu Füßen die Labradordame Akemi, die sich stundenlang bemühte, einen aus Rindersehnen verfertigten Pantoffel in seine Bestandteile zu zerlegen.

[2] muss eigentlich auch bei Hunden schon „gegendert" werden?

[3] Müsste noch pastoral- und moraltheologisch überprüft werden. Kein Problem, in der HLK gibt es ja etliche hochgradige Theologen.

[4] Das schöne altertümliche Wort Hundegeläut erinnert an diese Gemeinschaftsproduktion etwa einer jagenden Meute. Analog dazu findet sich das Vogelgeschrei als kollektive Lautäußerung.

[5] Gary Larson, The PreHistory of The Far Side. A 10th Anniversary Exhibit (Kansas City 2005), 230.

[6] Auch körperliche Eigenschaften spielen mit. Vgl. Leopold kretzenbacher, „Vieräugel". Kleine Mythologie eines steirischen Hundenamens. In: BlHk34 (I960), 2-11.

[7] Orbis sensualium pictus quadrilinguis. Hoc est: Omnium fundamentalium, in mundo rerum & in vita actionum, Pictura et Nomenclaturae latina, germanica, hungarica & bohemica ... Die sichtbare Welt in Vier Sprachen (Leutschoviae 1685), pag. 2-3.

[8] Theodor Unger/Ferdinand Khull, Steirischer Wortschatz (Graz 1903, Reprint Graz 2009), 375; Matthias Lexer, Kärntisches Wörterbuch (Leipzig 1862), Sp. 153.

[9] Vgl. Zacharias Bartsch, Wappen Buch Darinen aller Geistlichen Prelaten Herren und Landleut... des löblichen Fürstenthumbs Steyer Wappen .... 1567. Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Josef von Zahn und Alfred Ritter Anthony von Siegenfeld (Graz 1893), fol. 93.

[10] Josef Krassler, Steirischer Wappenschlüssel (= Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives 6, Graz 1968), 236-238.

[11] Jedoch engl. to bark „bellen".

[12] So bei Wolfgang Pfeifer (Hg.), Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (= dtv 3358, München 1995), 538.

[13] Conrad Gessner, verdeutscht von Conrad forer, Thierbuch / Das ist Außführliche Beschreibung, ja auch lebendige Contrafactur und Abmahlung aller vierfüssigen Thieren/ so auff der Erden und im Wasser wohnen (Heidelberg 1606) [in Folge: Gessner, Thierbuch], fbl. 86r-93v.

[14] Die folgenden Erklärungen folgen hier Friedrich Kluge/Walther Mitzka (Bearb.), Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (Berlin 2I1975), 320f.

[15] Vgl. Günther Jontes, Das österreichische Schimpfwörterbuch (Graz 2009) [in Folge: Jontes, Schimpfwörterbuch], 393f.

[16] Dazu etwa die humorvolle Anthologie von Elfriede Ott (Hg.), „Gestatten, mein Name ist Hund. Literarische Erfahrungen (Graz-Wien-Köln 1998).

[17] Siehe Jontes, Schimpfwörterbuch.

[18] Friederike Prodinger, Gewand und Stand. Kostüme und Trachtenbilder der Kuenburg-Sammlung (Salzburg-Wien 1983).

[19]Michaela Laichmann, Die kaiserlichen Hunde. Das Rüdenhaus zu Erdberg in der Organisation der kaiserlichen Jägerei in Niederösterreich im 16.-19. Jahrhundert (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte 34, Wien 2000).

[20] Gessner, Thierbuch, fol. 86r-93v

[21] Scherz, Spaß.

[22] Der Autor hat allerdings in China die Erfahrung chinesischer Küchenkünste auch auf diesem Sektor gemacht, wenn er bei Gastmählern ein feinfasriges wohlschmeckendes Hundefleisch auf einem Stövchen bei Tisch in einer gehaltvollen köchelnden Suppe selbst garte.

[23] Die Belege dazu finden sich in der Sammlung von Wörterbüchern und Grammatiken in der Privatbibliothek des Autors. Nur ein kleiner Ausschnitt aus den mehreren HUNDert Einträge ist hier möglich. Leider! Aus typographischen Gründen musste auf die spezifischen diakritischen Zeichen verzichtet werden.