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Fehlt es in Österreich an spontanem Unternehmertum?#

Hermann Maurer

Auf allen Flughäfen Europas spielt sich im Moment bei der Sicherheitskontrolle ein Ritual ab, das die meisten von uns nicht wirklich nachvollziehen können. Warum soll eine kleine Nagelfeile gefährlicher sein als ein langer stabiler Kugelschreiber? Ist mein flacher Laptop nicht eine recht gefährliche Schlagwaffe? Die scharfe CD, die aber auf einer Seite gut angreifbar gemacht worden ist erscheint mir ein sehr gefährliches Schneidewerkzeug zu sein. Im Übrigen, ist eine Explosion in einem Flugzeug (vor allem wenn es sich um ein kleines handelt) wirklich so viel gefährlicher als in einem langen Intercity Zug?

Sei es wie es sei, es gehen also täglich hunderttausende Menschen durch die Sicherheitskontrollen (ist sie vielleicht nur eine Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit?). Die Männer legen brav ihre Gürtel ab (weil ja die Gürtelschnallen aus Metall sind), kleine Nagelclips werden misstrauisch angesehen und oftmals eingezogen, usw.

Da mich vor allem das mit dem Gürtel nervt (haben Sie gesehen, mit welchen Verrenkungen sich dann manche Männer und einige Hosen tragende Frauen wieder den Gürtel einziehen, wobei sie fallweise darauf achten müssten, dass die Hose nicht zu tief rutscht?) habe ich in letzter Zeit versucht, Gürtel ohne Metallschnalle zu bekommen. Wenn es sie gibt, sind sie gut versteckt!

Dort wo sie besonders leicht verkauft werden könnten, auf Flughäfen, habe ich sie bisher nicht gesehen. Wieso kommt niemand auf die offensichtliche Idee, Gürtel oder auch nur Schnallen aus anderen Materialien (Porzellan, Hartplastik, ...) anzubieten? Am Flughafen, während ich warte, würde ich mich sogar freuen, wenn jemand meine Metallschnalle mit einigen gekonnten Griffen gegen eine andere austauscht: dann bin ich dieses Problem los!

Ich glaube auch, dass man Nagelclips aus anderem Material herstellen könnte. Da man Flüssigkeiten kaum mehr ins Handgepäck nehmen darf, wie wäre es mit einem Shampoo in der Form eines Seifenstücks?

Es ist sind dies nur ein paar Beispiele von vielen, die mir ständig auffallen: dass es so viele Dinge und Dienstleistungen gibt, die sehr nützlich wären, die aber von niemand angeboten werden.

Warum nur in den verruchten USA Teenager den Rasen beim Nachbarn mähen oder Obst pflücken, warum nicht statt der früheren Scherenschleifer heute konzessionierte Fensterputzer die Runde machen (also bei meinem Haus waren in 30 Jahren keine), warum es noch immer keinen ÖCIC gibt (den Österreichischen Computer Installier Club) gibt, warum ich zwar Nachhilfe in Latein bekommen kann, aber nicht dieselben Organisationen Nachhilfe in der Bedienung meines Computers (nicht irgendeines, meines, ich nehme ihn zur Not auch mit, wenn der Hausbesuch zu teuer wird), all das verstehe ich eigentlich nicht.

Was ist hier los? Fehlt die Phantasie oder werden solche Versuche durch ein viel zu komplexes Regelwerk von Gesetzen erstickt? Was meinen Sie? Und was haben Sie an Ideen auf Lager?