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Durchbruch für E-Auto?#

Die Einführung von Elektrotaxis der Taxifunkzentrale 40100 könnte Anfang vom Ende des Verbrennungsmotors sein.#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Wiener Zeitung (Mittwoch, 21. Mai 2014)

Von

Bernd Vasari


Elektroautos außerhalb des Golfplatzes waren bis vor kurzem unvorstellbar.Folgt nun aber der Siegeszug im Straßenverkehr?
Elektroautos außerhalb des Golfplatzes waren bis vor kurzem unvorstellbar. Folgt nun aber der Siegeszug im Straßenverkehr?
© Horst Klemm/Great Stock/Corbis

Wien. Bis vor kurzem galten Elektroautos hierzulande noch als die weithin belächelten Automobile, die in den Augen vieler Menschen allenfalls für Golfplätze oder die Altenpflege taugten. Vor allem zwei Nachteile wurden immer wieder angeführt: die hohen Anschaffungspreise der Stromautos und ihre begrenzte Reichweite. Das Bemühen von Umweltschützern, die neue Antriebstechnik als Beitrag zur Weltrettung zu verkaufen, hat zudem wenig genutzt.

Nun scheint sich Elektromobilität allmählich doch durchzusetzen. Die Wiener Linien haben etwa seit Sommer 2013 mit den Citybussen 2A und 3A die ersten Elektrobusse im Einsatz. Aber auch vonseiten der Politik gibt es zaghafte Ansätze sich für die neue Technologie einzusetzen.

Ein großer Schub könnte nun allerdings von Österreichs größter Taxifunkzentrale 40100 in Wien kommen. Das Unternehmen präsentierte am Dienstag sein erstes Elektrotaxi. Die Flotte soll kontinuierlich ausgebaut werden. Bis 2015 seien etwa 20 Elektrofahrzeuge geplant, hieß es. Aufgetankt werden die Stromtaxis an den Betriebsstätten des Unternehmens in der Sturzgasse 13 im 15. Bezirk und im nördlich von Floridsdorf gelegenen Hagenbrunn. Dort können die Autos an sogenannten Superchargern in 30 Minuten aufgetankt werden. Laut dem Geschäftsführer von Taxi 40100, Martin Hartmann, würde die Reichweite dann über 400 Kilometer betragen, womit ein Schichtbetrieb möglich ist.

Sollte das Experiment gelingen, dann wären Elektroautos mit einem Schlag ihr Kabinenroller-Image los. Denn, wenn ein Taxifahrer mit einem Elektroauto stundenlang durch die Stadt fahren kann, ohne dass ihm der Saft ausgeht, dann schafft der durchschnittliche Autofahrer das erst recht, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen in der Früh mit dem Auto in die Arbeit und am Abend wieder nach Hause fahren. Ein Gelingen des Taxiprojekts könnte daher der Anfang vom Ende des Verbrennungsmotors in Wien sein.

Autos werden nicht aus reiner Vernunft gekauft#

Das Argument für den Umstieg auf ein Elektroauto würde dann aber nicht die größere Umweltverträglichkeit gegenüber konventionellen Autos sein. Schließlich kauft kaum ein Mensch ein Auto aus reiner Vernunft. Wie wäre es sonst zu erklären, dass Millionen Menschen mit wuchtigen SUVs durch die Städte drängeln, die aussehen wie Geländewagen, aber keine sind.

Vielmehr würden die geringen laufenden Kosten eines Elektroautos den Autofahrer überzeugen, auf die neue Antriebstechnik umzusteigen. Der Kostenfaktor wurde auch bei der Präsentation des ersten Elektrotaxis angeführt. Demnach kostet ein Volltanken an der Steckdose 7,4 Euro. Für Martin Hartmann steht bereits fest, wohin der Weg führen soll: Zieht die Stadt mit der Ladeinfrastruktur nach, "sehen wir darin die Zukunft des Taxis in Wien". Und weiter: "Langfristig wollen wir alle Wagen auf grüne Mobilität umstellen."

Dass die Chancen für den Erfolg des Elektroexperiments nicht schlecht stehen, bestätigt auch eine Aussendung des Konkurrenten 31300, die am selben Tag der E-Taxi-Präsentation verschickt wurde. Man sei schon seit Jahren an zahlreichen Forschungsprojekten beteiligt, bei denen Elektromobilität im Fokus stehen würde, heißt es dort. Nikolaus Norman, Geschäftsführer von Taxi 31300: "Das bisherige Ergebnis aus unserem Forschungsprojekt Zenem zeigt, dass eine Umstellung auf Elektro-Fahrzeuge in Wien realisierbar ist und bekräftigt unseren Entschluss diese Themen künftig zur forcieren und zu realisieren".

Dass nun der Konkurrent Taxi 40100 das erste Elektrotaxi präsentiert hat, ist schmerzhaft für 31300. Das Wettrennen der beiden Taxifunkzentralen zeigt aber auch, dass dem Elektroauto mittlerweile nicht nur ein Leben außerhalb von Golfplätzen zugetraut wird, sondern dass dieses auch zu einem Prestigeobjekt geworden ist.

Der Verlust von Vorurteilen nach vier Sekunden#

Initiiert wurde das E-Experiment von Taxibetreiber Milan Milic, der bereits vor ein paar Jahren mit der Einführung von Hybridtaxis goldrichtig lag. Wer in letzter Zeit Taxi gefahren ist, dem wird die Vielzahl an Hybridtaxis nicht entgangen sein. Frei nach dem Motto "Keine halben Sachen", geht Milic bei der Auswahl der Elektroautos gleich aufs Ganze. Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, dass das Stromtaxi einem konventionellen Taxi nicht das Wasser reichen könnte, setzt er auf den 400 PS starken Tesla S. Dass hier jeder, der das Gaspedal dieses Autos durchtritt, innerhalb der vier Sekunden, die das Auto von null auf hundert braucht, jedes Vorurteil über elektrische Antriebe verliert, ist bekannt.

Die enormen Kosten des Tesla S von rund 55.000 Euro will Milic nach spätestens fünfeinhalb Jahren ausgeglichen haben. Denn nach dem Fahrer seien die Benzinkosten der zweitgrößte Kostenfaktor. Dieser würde nun aber wegfallen, denn Tesla stellt den Strom gratis zur Verfügung.

Sollten sich Elektroautos tatsächlich durchsetzen, dann würde damit ein noch völlig unterschätzter Kulturwandel mit dieser Entwicklung einhergehen. Denn das Brummen von Motoren und das Röhren von Auspuffen würde Vergangenheit sein.

Wiener Zeitung, Mittwoch, 21. Mai 2014

Brochüre über Elektroautos: Mythbuster ElektromobilitätInformationen für Interessierte aus dem Handschuhfach eines Schweizer TeslafahrersMartin Rotta2016