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Friedrich Moser (1878 - 1943), ein später Nachkomme der "fahrenden Sänger"#


Von

Mag. pharm. Dr. Bernd E. Mader


(Dieser Beitrag über Friedrich Moser entstammt: "Blätter für Heimatkunde", 75. Jg., H.1, Graz 2001)

Friedrich Moser
Friedrich Moser auf Wanderwegen in der Wachau. Amateurfoto aus den 30er Jahren.
Quelle: Bernd Mader

Wer immer sich mit dem Bauerndoktor Johann Reinbacher vulgo Höllerhansl beschäftigt, stößt unwillkürlich auch auf das ihm gewidmete Lied. Sein Text und auch seine Melodie stammen von einem gewissen Friedrich Moser. Wer war nun dieser Mann?

Spärlich sind schriftliche Nachrichten über ihn. Dort aber, wo über ihn berichtet wurde, war es meist eine Beschreibung seines ungewöhnlichen Äußeren. So eine Beschreibung lieferte uns Josef Steiner-Wischenbart, der im August 1929 nach Tamsweg zum traditionellen Roßmarkt wanderte und auf den Weg dorthin Friedrich Moser traf, der dasselbe Wanderziel hatte:

"Eine mittelgroße Gestalt, mit großen, von einer mächtigen schwarzen Mähne, die aus über die Achsel ("Irx`n") wallenden Haaren bestand, umrahmten Kopf. Das fast bronzefärbig abgebrannte Gesicht zeigte ein Paar gar lebhafte, ausdrucksvolle, schwarze Funken sprühende Augen und eine kühne Nase, die fast schelmisch in die reine Lungauer Bergluft hineinschnupperte. Das Hemd des seltsamen Mannes, das aus dem abgetragenen Samtwams hervorlugte, stand weit offen und ließ die braune Brust frei. Eine wetterfeste Lederhose alten Stiles, dichte Wollstrümpfe und gutbenagelte Bundschuhe kleideten den übrigen Mann. Einen Hut trug er nicht; offenbar sind seine langen Dichterhaare seine beste Reklame... . Er mochte wohl auch ein waschechter Dichter oder ein moderner Minnesänger sein, der seiner "Frau Aventiure" eigenartige "Tanzweisen" singt. Denn an seinem linken Arm baumelte eine im Sacke steckende Laute und sein Wettermantel, den er wegen dessen Dünne selbst nur "seine Haut" nannte." Nachzulesen in der im Jahre 1930 erschienenen Zeitschrift "Der Arbeiter-Trachtler" (Vgl. dazu Abb. 1).[1]

Neben seiner ungewöhnlichen Bekleidung war es vor allem das schulterlange Haar, das allen, die ihm selbst begegnet waren, in guter Erinnerung blieb. Er selbst dürfte darauf besonders stolz gewesen sein.

So eine ungewöhnliche Gestalt erweckte natürlich überall Aufsehen. Rosa Hojak aus Eisenerz war eine jener Personen, die aus eigenem Erleben und auch auf Grund späterer Nachforschungen über Friedrich Moser berichten konnte. Im niederösterreichischen Waldstein, welches zur Katastralgemeinde Aggsbach-Dorf gehört, aufgewachsen, war sie ihm dort als ungefähr siebenjähriges Mädchen - um das Jahr 1936 - erstmals persönlich begegnet. Dies erfuhr ich aus einem Brief, welchen Rosa Hojak mir im Februar 1999 schrieb.[2]

Rosa Hojak schickte auch ein Foto vom Friedrich Moser mit, welches ihn so wiedergibt, wie er oben eben beschreiben worden war. Sie hatte es von einer ehemaligen Schulfreundin erhalten, die Waldstein im Nachbarhaus gewohnt hat. Diese Schulfreundin hatte eine Verwandte, die Tante Poldi, die in den 30er Jahren schon viel gewandert war. Dabei hätte sie eifrig fotografiert. Auf einer ihrer Wanderungen muß ihr Friedrich Moser begegnet sein. Jedenfalls gelang es ihr, diese auffallende Erscheinung zu fotografieren.

Die Begegnung mit Friedrich Moser hatte Rosa Hojak ursprünglich schon längst vergessen, bis zu jenem Augenblick im Jahre 1966, wo sie, nun schon lange in der Steiermark wohnend, im lokalen Radio eine alten Schellak abspielen hörte, auf der Friedrich Moser selbst noch das "Höllerhansl-Lied" sang. Da kehrte in ihr auch die Erinnerung an Friedrich Moser wieder zurück. In diesem Rückblick waren aber Friedrich Moser und der "Höllerhansl" ein und dieselbe Person.

Und wieder geriet dies alles in Vergessenheit bis zu jenem Tag, wo im Fernsehen den von Helmut Strunz gestaltete Film "100 Jahre Stainzer Flascherlzug" zu sehen konnte (1992).[3] Abermals kehrten nun die Bilder aus ihrer Jugend zurück. Der Film hatte ihr aber klar gezeigt, daß der Weststeirer Johann Reinbacher der wirkliche "Höllerhansl" gewesen war. Wer war aber ihr "Höllerhansl" gewesen? Sie beschloß nun eigene Nachforschungen in Niederösterreich anzustellen.

Als sie nun einiges über "ihren Höllerhansl" bzw. über Friedrich Moser erfahren hatte, wandte sie sich an Helmut Strunz vom Landesstudio Steiermark. Dieser zeigte Interesse daran, suchte Rosa Hojak im Juli 1993 in Eisenerz auf und befragte sie zu Friedrich Moser. Zwei Tage später wurde das Interview gesendet. Leider wurde die Aufnahme aber nicht aufbewahrt!

Durch Zufall hatte Rosa Hojak auch von meinem Buch über den "Höllerhansl" gehört und über den Verlag meine Adresse erhalten.[4] Sie schrieb mir das eben Geschilderte. Da Rosa Hojak schon so viel über Friedrich Moser gesammelt hatte, ermunterte ich sie, ihr Wissen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, sondern es in einer kleinen Arbeit zu veröffentlichen.

Das wollte sie nicht, sie war aber gerne bereit, ihr Wissen und ihre Forschungsergebnisse an mich weiterzugeben. Als besonders wertvoll für diese Arbeit erwiesen sich verschiedene Fotos, Ansichtskarten und ein Liedblatt. Ich möchte an dieser Stelle Rosa Hojak nochmals herzlich dafür danken! Ohne ihres Forscherdranges hätten wir wahrscheinlich nie eine Fotografie von Friedrich Mosers gekommen!

Friedrich Moser 1920
Von links: Rudolf Gestl, Josef Flieder, Kleinrichter Oberhofer aus Rudersdorf, Friedrich Moser, Elisabeth Gestl beim Gasthaus Gestl in Limbach.
Quelle: Isabella Knar

Über Friedrich Mosers Vorfahren und über seinen eigenen Lebensweg bis zum Jahre 1930 erfahren einiges aus einem Aufsatz, der in der Zeitschrift "Der Arbeiter-Trachtler" erschienen war. Josef Steiner-Wischenbart unterhielt sich damals mit ihm und schrieb darüber in mehreren Folgen.[5]

Friedrich Moser war Kärntner von Geburt. Es erweist sich hier als notwendig, sich etwas mit der Geographie der Heimat von Friedrich Moser zu beschäftigen. Die im folgenden genannten Orte liegen vor allem Lieser-, weniger im Maltatal. Am Zusammenfluß dieser beiden Flüsse liegt die Stadt Gmünd. Von dort, dem Tal der Lieser flußaufwärts folgend, liegen Ober- und Unterkreuschlach, nicht weit davon Eisentratten, dann kommt Kremsbrücke und noch weiter flußaufwärts Rennweg. Alle diese Orte im Liesertal liegen an einem wichtigen Nord-Süd-Verbindungsweg, der, früher noch über den Katschberg, ins Salzburgische führt.

Die Ortschaft Puchreit liegt heute im Stadtbereich von Gmünd, um 1890 war sie noch eine eigene Gemeinde, bestehend aus Ober- und Unterbuch, Gries, Landfraß, Moos, Perau, Platz und eben Puchreit. Der Ort Malta liegt ca. 6 km von Gmünd entfernt, wenn man dem Tal der Malta aufwärts folgt. Im Drautal, nahe Lendorf, liegen Pusarnitz bzw. Stöcklern.

Friedrich Mosers Urgroßvater mütterlicherseits, sein Familienname war Festine[6], besaß einen Bauernhof in Kreuschlach (im Aufsatz fälschlich "Kraischlag" geschrieben). Der "Mar in Kraischlach" (abermals falsch geschrieben!), so lautete der Hofname, ist auch heute noch in Oberkreuschlach nachweisbar.[7] Jedenfalls muß der Urgroßvater ein reicher Bauer gewesen sein.[8]

Elisabeth, die einzige Tochter dieses Bauern - Friedrich Mosers Großmutter - heiratete einen Schmiedegesellen namens Johann Moser.[9] Der Vater kaufte dem jungen Ehepaar in Eisentratten die "Streckerschmiede", zu der auch eine ansehnliche Landwirtschaft gehörte. Doch der junge Ehemann war diesem jähen sozialen Aufstieg nicht gewachsen und innerhalb weniger Jahre war das Anwesen vollkommen verpfändet und abgewirtschaftet und kam zur Versteigerung.[10]

Der reiche Urgroßvater bezahlte alle Verbindlichkeiten, erwarb die Schmiede abermals und gab sie wieder an seine Tochter und den Schwiegersohn. Da in der Zwischenzeit zwei Kinder - Friedrich und Aloisia Moser - das Licht der Welt erblickt hatten, vermachte er diesen je 800 Gulden, legte aber testamentarisch fest, daß, was immer geschehen mag, das Erbteil der Kinder nicht angegriffen werden durfte. Diese Entscheidung war weise, denn Großvater Moser wirtschaftete mit seiner Schmiede abermals ab.[11]

Friedrich, der Sohn der Großeltern, erlernte ebenfalls das Schmiedehandwerk und pachtete, wahrscheinlich mit dem ihm testamentarisch vermachten Geld, in Rennweg eine Schmiede, die dort in der Brauerei Brenner eingebaut war. Er muß sich aber später örtlich verändert haben, denn das Pfarramt Malta teilte auf briefliche Anfrage Rosa Hojak im März 1993 mit, der Taufpate unseres Friedrich Moser sei sein Onkel gleichen Vornamens gewesen, von Beruf zwar Schmied, aber in Gmünd bzw. Kremsbrücke zuhause. Leider verstarb der Onkel in seinen besten Jahren.[12]

Aloisia, die Tochter, kam nach Gmünd und lernte dort im Gasthofe Lax das Kochen. Zu dieser Zeit kamen die Brüder Karl und Philipp Schallhorn aus Thüringen in diese Stadt und gründeten dort eine Fachschule für Schnitzerei. Obwohl Karl Schallhorn, der Leiter dieser Fachschule, mit der Komtesse von Lodron ein stadtbekanntes Verhältnis hatte, hinderte es ihn nicht, auch ein solches mit dem jungen Lehrmädchen in der Küche des Gasthofes Lax anzufangen. Das Resultat dieser Liaison war Friedrich Moser.

Aufgrund ihrer Schwangerschaft mußte Aloisia Moser - wahrscheinlich - ihre Lehrstelle verlassen und kam als "Näherin" (Störarbeiterin) kurzfristig auf dem Bauernhof vlg. Thomanriepl in Obermalta 26 (heute Malta 11) unter. Dort gebar sie am 27. Oktober 1878 einen Sohn, der bereits am nächsten Tag auf den Namen Friedrich getauft wurde. Ihr Aufenthalt dort dürfte nur kurzfristig gewesen sein, da sie in den Taufmatriken der Pfarre Malta als "Einwohnerin aus der Stadtpfarre Gmünd" bezeichnet wurde.[13]

Friedrich Moser
Volkssänger Friedrich Moser beim Haus Seinitz um 1920 (Mitte unten)
Quelle: Isabella Knar

Obwohl im Taufregister der Pfarre Malta der Name des Vaters von Friedrich Moser nicht angeführt war, besteht an der Vaterschaft Karl Schallhorns kaum ein Zweifel. Auf einen "Meldezettel für Unterparteien" aus dem Jahre 1926, wo Friedrich Moser in Graz als Untermieter angemeldet worden war, führte er Karl Schallhorn als Vater an.

Als Friedrich ein Jahr alt war, gab in die Mutter zum Schmiedemeister Pfeifhofer nach Gries bei Malta in Pflege. Sie selbst wanderte der besseren Verdienstmöglichkeiten wegen über den Hohen Tauern nach Gastein und verstarb einige Jahre später, fern ihrer Kärntner Heimat, in Kleinmünchen bei Linz.[14] Der Kindesvater kümmerte sich indes nicht um seinen Sohn. Die Fachschule für Schnitzerei in Gmünd wurde aufgelöst. Der Vater zog nach Villach und wurde dort Fachschulleiter.[15]

Die Großmutter kaufte sich vom letzten ihr noch verbliebenen Geld ein kleines Gasthaus. Doch kaum hörte der Großvater davon, war er da und in kurzer Zeit war auch das kleine Gasthaus verlumpt. Nun trennte man sich endgültig. Der Großvater verdingte sich als alter Schmiedegeselle sein Brot, die Großmutter arbeitete als Wirtschafterin auf Bauernhöfen.[16]

Friedrich Moser besuchte inzwischen in Malta die dortige zweiklassige Volksschule. Das muß von 1884 bis 1886 gewesen sein. Nebenbei mußte aber auch schwer arbeiten. Anfangs war es nur das Hüten der Schafe und der Kühe, später aber mußte er auch in der Schmiede und in Wollkartatscherei, die gleichfalls zum Anwesen gehörte, hart mithelfen. Er mußte dort einen Gesellen ersetzen. Bis Mitternacht hatte er Schicht, dann der Geselle. Aber bereits um fünf Uhr früh holte ihn die Ziehmutter wieder aus dem Bett![17]

Im Alter von 14 Jahren (um das Jahr 1892) kam er in die Lodenfabrik Grilz in Vilgaun, welches damals im Herzogtum Krain lag, und begann dort eine Lehre. Nachdem er ausgelernt hatte, verdiente er sich als Weber (Tuchmachergeselle) in der Schafwollmodewarenfabrik Penker in Stöcklern bei Pusarnitz sein Brot, bis zu seiner ersten Assentierung.[18]

Friedrich Moser wurde am 17. April 1901 in Kärnten beim Ergänzungs-Bezirks-Commando Nr. 1 "im Delegierungswege nach der Losreihe auf 10 Jahre in die Ersatzreserve und 2 Landwehrjahre zum Infanterie-Regiment (= IR) Nr. 7 assentiert und eingeteilt". Das "7. Kärnthnerische Infanterie-Regiment" hatte sein Ergänzungs-Bezirks-Commando in Klagenfurt, ebenso sein 2. Bataillon.[19] Innerhalb dieses Bataillons wurde Friedrich Moser der III. Ersatzkompanie zugeteilt und mußte vorerst eine achtwöchige Ausbildung mitmachen. Am 27.11. 1901 wurde er als "Ersatreservist" in das "nichtaktive Verhältnis" rückversetzt.[20]

Das Grundbuchblatt gibt auch über Persönliches Auskunft. Friedrich Moser wurde als körperlich "schwach" und "mindertauglich" beurteilt. Er war nur 164,5 cm groß, hatte braunes Haar und braune Augen, das Gesicht war länglich und regelmäßig waren Nase, Mund und Kinn. Seine Muttersprache war deutsch, als Beruf gab er Student (!) an.

Im "Arbeiter - Trachtler" erzählte nun Friedrich Moser, wie sein weiteres Leben verlief. Er sei nach Jägerndorf in Schlesien (heute Krnov in Tschechien) "gereist" (?) und wäre dort in die Fachschule für Weberei aufgenommen worden. Stolz berichtete er, daß ihm das gelang, obwohl drei Klassen Mittelschule oder der Abschluß der Bürgerschule dafür dort als Aufnahmebedingung galt. In dieser Fachschule lernte er erstmals ordentlich schreiben![21]

Wieder herrscht hier Übereinstimmung mit den militärischen Unterlagen. Am 1.Oktober 1903 wurde Friedrich Moser zum IR Nr. 1 nach Troppau (heute Opava) transferriert und dort der IV. Ersatkompanie zugeteilt. Troppau war die Garnisonsstadt des "1. Schlesischen Infanterie-Regiments".[22] Da Friedrich Moser im nicht weit von Troppau gelegenen Jägerndorf eine Fachschule besucht hat und selbstverständlich sein geänderten Wohnort dem Militärkommando gemeldet werden mußte, war diese Transferrierung ganz normal. Vom 13. Mai bis 9. Juni 1904 machte er eine 28tägige Waffenübung beim diesem Regiment mit, 1905 wurde er innerhalb des Regiments von der IV. Ersatzkompanie zur 10. Feldkompanie versetzt.

Nach Abschluß Jägerndorfer Fachschule arbeitete er in verschiedenen Textilfabriken als Musterweber, Vorrichter und Werkmeister. Im Jahre 1905 war er im böhmischen Reichenberg (heute Liberec) als Weber (Fabriksarbeiter) tätig. Als Freizeitbeschäftigung begann er damals sich dichterisch zu betätigen.[23]

1906 kam Friedrich Moser nach Graz. Nachfolgende Angaben sind der "Meldekartei der ehemaligen k. k. Polizeidirektion Graz 1892-1925" entnommen, welche im Grazer Stadtarchiv aufliegt.[24] Am Formular Friedrich Mosers war als Geburtsort Malta in Kärnten, als Geburtsjahr 1878 angeführt, er war katholisch und noch ledig.

Mehrere Berufe - "Webereileiter", "Schreiber", "Südbahnarbeiter" - waren am Karteiblatt vermerkt worden wurden. An der verschiedenfarbigen Tinte bzw. am Bleistift konnte man erkennen, daß Ersteintragung mehrmals geändert worden war.

Friedrich Moser stieg in Graz vorerst im Gasthof "3 Hacken" (Kernstockgasse 17, heute "Hotel Münchnerhof") ab, suchte sich aber, so scheint es, sofort ein Untermietzimmer. Ab 4. Februar war in der Feuerbachgasse 25 bei Georg Wichner gemeldet. Ende Juni zog er in die Mariahilferstrasse 15 (Untermiete bei Rosnagel) um. Mitte Juli verließ er Graz wieder. Laut militärischen Angaben hat er vom 17. August bis zum 5. September beim Regiment Nr. 1 in Toppau eine Waffenübung mitgemacht.[25]

Den eigenen Angaben zog Friedrich Moser anschließend ins kärntnerische Gmünd, wo er bis 1907 die kleine Lodenfabrik der Familie Pfeifhofer geleitet hat. Im Jahre 1903 hatte dort ein Hochwasser das alte Anwesen dieser Familie in Gries - Schmiede und Lodenwalke - vernichtet. In Gmünd hatte sich die Familie Pfeifhofer eine neue Existenz geschaffen.[26] Nachfahren führen ein inzwischen modernisiertes Unternehmen heute noch.[27]

In Gmünd lernte Friedrich Moser den Apotheker, Schriftsteller und bekannten Alpinisten Frido (Fridolin) Kordon kennen, der dort von 1900 bis 1913 die "Heilig-Geist-Apotheke" leitete.[28] Diesem zeigte er seine Gedichte. Frido Kordon empfahl ihm, sich einen Komponisten für diese zu suchen, da sie sich zum Vertonen gut eignen würden. Friedrich Moser beschloß jedoch seine Lieder selbst zu vertonen.[29]

In der Meldekartei der Polizeidirektion Graz schien er, von Pusarnitz (Kärnten) kommend, ab 6. Februar 1908 wieder auf. Als Beruf war auf der Karteikarte jetzt anfangs "Werkmeister" vermerkt worden. Er fand dann offensichtlich eine Anstellung bei der Südbahn. Dementsprechend lauteten die Berufsbezeichnungen von nun an "Schreiber der Südbahn" (ab Dez.1908), "Magazinarbeiter" (1910), "Schreiber" (von November 1910 bis Jänner 1918) und "Kanzleigehilfe" (1918).

Im "Arbeiter-Trachtler" hatte Friedrich Moser erzählt, er wäre am Grazer Hauptbahnhof zu vielen Tätigkeiten herangezogen worden, er habe es dort vom Magazinarbeiter bis zum Kanzleigehilfen im Sekretariat gebracht. Im Jahre 1923 wäre er dann bei der Bahn, 45 Jahre alt, in den Ruhestand getreten.[30]

Im "Österreichischen Staatsarchiv" befinden sich im "Archiv der Republik" auch die Bestände der ehemaligen "Südbahn". Dort gibt es jedoch keine Unterlagen über die Zugehörigkeit Friedrich Mosers zur "Südbahn".[31] Auch von der Österreichischen Bundesbahn waren keine weiterführende Auskünfte zu bekommen, da dort Personalakte erst ab dem Jahre 1946 archiviert werden.

Seine erste Untermiete bei seinem zweiten Graz-Aufenthalt war bei Sageder in der Strauchergasse 10 (II. Etage). Am 10. Mai zog er dort von II. Etage in die I. Etage zu A. Ladler um. Am 18. Dezember 1908 wechselte er neuerlich die Untermiete, er blieb aber in der Strauchergasse. Er zog in das Haus Nr. 25 zu J. Pirker. Bis 1918 erfolgten nun zahlreiche Wohnungswechsel.

So wohnte er in der Mariengasse 19 (3. 7. 09 - 18. 12. 09 bei Th. Müller in der I. Etage), zog dann in der Schmölzergasse 6 (7. 1. 1910 - 6. 8. 1910 zu Hojer), um von dort in die Schmölzergasse 4 (31. 8. 1910 - ? zu Merhaut, II. Etage) umzuziehen. Von 2. November 1911 bis 8. Juli 1912 wohnte er in der Schmölzergasse 12 bei Franz Windisch (II. Etage), zog dann - scheinbar zusammen mit diesem - in die Schmölzergasse 5 (8. 7. 1912 - 5. 9. 1912, III. Etage) bzw. in die Babenbergergasse 41 (5. 9. 1912 - 3. 7. 1915, II. Etage).

Hierauf wohnte er in der Annenstrasse 60 (4. 7. 1915 - 23. 1. 1916, bei Gedlitzer, II. Etage), in der Ghegagasse 34 ( 26. 1. 1916 - 4. 3. 1917, bei Corgniani, Parterre), in der Volksgartenstraße 18 (8. 3. 1917 - ?, bei Jerovsek, Parterre), in der Engegasse 4 (10. 9. 1917 - 11. 12. 1917, bei Müller, I. Etage), in der Stempfergasse 2 (19. 12. 1917 - 14. 1. 1918, abermals bei einer Familie Corgniani, II. Etage), um letztlich nochmals in der Volksgartenstraße 18 zu Jerovsek (19. 1. 1918 - ?) zu ziehen.

Bis zum 14. Jänner 1926 wissen wir dann nicht, wo sein Aufenthalt in der Zwischenzeit gewesen war. Am 14. Jänner jedenfalls meldete ihn Maria Jerovschek (Originalunterschrift mit "sch") in der Volksgartenstraße 18 als Untermieter polizeilich an. Als Beruf war "Bahnbeamter in Ruhe", sowie "Sänger" angegeben. Dem Meldeschein war zu entnehmen, daß er konfessionslos und immer noch ledig war. Sein Heimatschein war 1918 von der Gemeinde Puchreit ausgestellt worden, er war deutsch-österreichischer Staatsbürger.

Er gab am Meldeschein auch an, seit 1. Februar 1908 in Graz wohnhaft gewesen zu sein. Von 19. Jänner 1918 bis zum 14. Jänner 1926 fehlen dazu aber jegliche Unterlagen. Hier in der Volksgartenstrasse wohnte er dann bis 1928. Am 3. März dieses Jahres meldete er seinen Umzug nach Wien.

Die meisten dieser Wohnhäuser - mit Ausnahme der in der Mariahilferstraße, in der Enge- bzw. in der Stempfergasse - lagen in Bahnhofsnähe. Das brachte mit sich, daß es heute nur mehr wenige davon im Originalzustand gibt. Sie waren meist der Bombardierung des Viertels rund um den Hauptbahnhof während des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen. Die aber, die heute noch stehen, waren in der Regel schmucklose zwei- oder dreistöckige Häuser.

Ausnahmen davon waren das Haus Volksgartenstraße 18 (Ecke Afritschgasse) mit seiner späthistoristischen Fassade, weiters das Mariahilferstraße 15 (rechts neben der Kirche), ein stattliches Haus aus dem 17. Jhdt. und letztlich das Haus Stempfergasse 2 (Ecke Engegasse) mit schöner spätbarocker Fassade. Das Haus Engegasse 4 existiert nicht. Am Formular stand deutlich lesbar vorher "Lagergasse", wahrscheinlich die Nr. 4. Die "Lagergasse" hatte man, was immer der Grund gewesen sein mag, durchgestrichen und "Engegasse" darüber geschrieben. Bei der Hausnummer aber hat man wahrscheinlich eine Korrektur vergessen.

Für Friedrich Mosers konstantem Grazaufenthalt zu dieser Zeit seien noch einmal seine Militärunterlagen herangezogen. Vom 16. bis zum 28. August 1908 absolvierte Friedrich Moser hier seine letzte Waffenübung und zwar beim IR Nr. 27, dem "Steierischen Infanterie-Regiment", dessen 3. Bataillon in Graz zu Hause war[32]. Im Dezember 1911 kam er zur k.k. Landwehr und wurde am 31. 12. 1913 endgültig aus dem Militärdienst entlassen. Wie aus dem Grundbuchblatt weiters noch hervorgeht, mußte er im Ersten Weltkrieg keinen Wehrdienst leisten.

Nach seiner Pensionierung von der Südbahn (1923) dürfte sich Friedrich Moser seinen Lebensunterhalt ausschließlich als herumziehender Bänkelsänger verdient haben. Es könnte durchaus so gewesen sein, wie es die "Kleinen Zeitung" vom 24. Februar 1970 geschildert hat:

"Es gab da einen langmähnigen Bänkelsänger Friedrich Moser, im braunen, abgeschabten Künstlerrock und Schillerkragenhemd. Ein kauziger Kerl, gar nicht unbegabt, aber ständig im "Rausch". Er zog wie der liebe Augustin von einem Beisel zum anderen, sang zur Laute und verkaufte seine "Kompositionen". Weltruhm hat der nachstehende Vers nicht erlangt, aber es war a Hetz und kostete nicht nur a Achterl Schilcher, wenn er mit heiserer Stimme intonierte: "Auf an Bergal drobn, gar net weit von Stainz, wohnt a Wundadokta, der hoaßt Höllerhans .......". [33]

Aus den Erzählungen älterer Weststeirer, die in Stainz und in der Umgebung zu Hause gewesen waren, war zu erfahren gewesen, daß Friedrich Moser auch beim berühmten Rachlinger Bauerndoktor "Höllerhansl" gewesen war. Hunderte von Heilsuchenden und sicher auch viele Neugierige fuhren damals zwischen 1920 und 1930 von Graz mit dem sogenannten "Flascherlzug" bis zum weststeirischen Markt Stainz, um dann noch gute zwei Stunden nach Rachling zum "Wunderdoktor" hinaufzupilgern.[34]

Als Bahnbediensteter hat Friedrich Moser sicher viel von seinen Kollegen, aber auch von den Reisenden über den "Höllerhansl" gehört. Es waren ja gerade auch Bahnbediensteten, die am "Höllerhansl" gut verdienten. Sie zahlten als Regiefahrer - wenn überhaupt - wesentlich weniger an Fahrpreis und errichteten entlang der Bahnstrecken bald überall Sammelstellen für Urinfläschchen, die sie gegen Bezahlung rucksackweise nach Stainz und von dort hinauf zum "Höllerhansl" brachten. Der "Höllerhansl" gab ihnen nach einer "Schnelldiagnose" die entsprechenden Medizinen, die sie dann wieder den "Urinspendern" ablieferten..

Dieser Rummel um den Bauerndoktor mag Friedrich Moser bewogen haben selbst auch nach Rachling zu pilgern. In des "Höllerhansls" bester Zeit waren oft bis zu fünfhundert Personen in jenem Bergdorf und naturgemäß ging es im Gasthof "Zum Kirchenwirt" hoch her. Man trank reichlich Schilcher, feierte, sang und tanzte. Das war für einen Bänkelsänger, wie es Friedrich Moser mit seiner Laute war, der richtige Platz. Damals entstand auch das "Höllerhansl-Lied", auf das wir noch zurückkommen werden.

Besonders lange scheint er jedoch dort nicht geblieben zu sein. Die Lust am Herumwandern, die er ja schon als Webergeselle kennen gelernt hatte, mußte ihn wieder gepackt haben. Nur aus kurzen Notizen wissen wir, wo er sich in der Folge herumgetrieben hat.

Am 29. Dezember 1924 schrieb er z. B. aus Heiligenkreuz a. d. Lafnitz (Burgenland) eine Ansichtskarte mit Namenstagswünschen an den "Höllerhansl".[35] 1928 nach Wien verzogen, nahm er dort am "Deutschen Sängerbundesfest" teil.[36] Wie wir schon aus der Einführung wissen, wanderte er im August 1929 nach Tamsweg (Salzburg) zum dortigen Pferdemarkt. Eine Wiener Adresse ist uns bisher bekannt. Im "Arbeiter-Trachtler" (Folge Jänner 1930) gab Friedrich Moser den Lesen dieses Blattes seine dortige Adresse bekannt. Sie lautete: Wien III, Baumgasse 49/I.[37]

Den weiteren Lebensweg Friedrich Mosers bis zu seinem Tod erforschte weitgehend Rosa Hojak aus Eisenerz. Rosa Hojak verbrachte ihre Jugend in Waldstein in Niederösterreich. Das Dorf liegt am rechten Donauufer, stromaufwärts ca. 1,5km von der so bekannten Ruine Aggstein entfernt. Als Schulmädchen war sie persönlich Friedrich Moser begegnet, der in den 30er und zu Beginn der 40er Jahren in Aggsbach-Dorf wohnhaft gewesen war. Nach Meinung von Rosa Hojak dürfte er um das Jahr 1935 dort hingezogen sein, niemand weiß bisher, warum. Ihrer Erinnerung nach nannte er sich damals "Höllerhansl", wahrscheinlich wegen seines so erfolgreichen Liedes.

Es war im Jahre 1936, daran erinnerte sich Rosa Hojak gut, traf sie erstmals zufällig in einem Gasthaus in Wolfstein (ca. 4,5km von Aggsbach-Dorf entfernt) auf Friedrich Moser. Da man damals "Laugenbrezel" aß, muss es zur Faschingszeit gewesen sein. Friedrich Moser saß dort gemütlich in der Gaststube und seine Beine ruhten auf einem zweiten Stuhl. Er sang Lieder und spielte dazu mit der Laute. Von diesen Liedern blieb ihr das "Höllerhansl-Lied" besonders in Erinnerung. Als sie dieses, ungefähr im Jahre 1966, zufällig im steirischen Rundfunk spielen hörte, kam ihr plötzlich wieder dieses Faschingserlebnis in den Sinn.

Für sie waren aber in der Erinnerung Friedrich Moser und der "Höllerhansl" ein und dieselbe Person. Erst als sie den Fernsehfilm von Helmut Strunz über den "Flascherlzug" sah[38], war ihr auf einmal klar, daß das eigentlich zwei Personen gewesen waren.

Diese Vorstellung von Frau Hojak kam aber nicht von ungefähr. Sie besaß eine an ihre Mutter (Rosa Wilhelm, Zissersdorf Nr. 25, Post Stockerau) adressierte Ansichtskarte vom 22. 8. 1938, wo Friedrich Moser sich, neben anderen Personen, lauter Bekannte der Mutter, sowohl mit "Moser" als auch mit "Höllerhansl Fritzl" unterschrieben hatte. Die Karte war in Aggsbach-Dorf abgesandt worden und war wahrscheinlich, anläßlich eines Ausflugs auf die Ruine Aggstein, die auch auf der Vorderseite der Karte abgebildet war, geschrieben worden. Friedrich Moser dürfte man auf den Ausflug zur Unterhaltung eingeladen und mitgenommen haben (vgl. Abb.2 und 3).

Friedrich Moser hat in Aggsbach-Dorf im sogenannten "Holzhackerhäusl", welches der Familie Schopfhauser gehört hat, gewohnt. Das Häuschen steht heute noch und es leben auch noch Nachkommen dieser Familie. Durch Lied- und "Gstanzl"-vorträge in der Umgebung mag Friedrich Moser sich auch hier seinen Lebensunterhalt verdient haben.

Rosa Hojak erinnerte sich noch einmal Friedrich Moser persönlich begegnet zu sein. Es war im Spätherbst 1942. Zusammen mit anderen Kindern stand sie am Schulhof und Friedrich Moser sprach die Kinder wegen des herrschenden Spätherbstwetters an. Im Gedächtnis blieb ihr dabei Friedrich Mosers doch etwas außergewöhnliche Bekleidung. Er trug "so etwas wie Sportschuhe, helle Stutzen, eine Bundhose und einen Janker. Diese Bekleidung trug man in dieser Gegend nicht. Es konnte kärntnerische oder steirische Alltagskleidung gewesen sein".

Rosa Hojaks Nachforschungen ergaben weiters, daß Friedrich Moser im Mai 1943 - angeblich wegen einer Fischvergiftung - in ein Krankenhaus eingeliefert worden war. Sie tippte auf das Krankenhaus in Melk, das näher zu Aggsbach-Dorf lag als das Krankenhaus in Krems. Damit hatte sie recht. Ob die angebliche Fischvergiftung im Zusammenhang mit seinem Tode steht, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden. Friedrich Moser starb jedenfalls an einem Magendurchbruch, der zu einer Bauchfellentzündung geführt hatte, am 10. Mai 1943 im Krankenhaus Melk. Das Standesamt Melk gab ihr die Sterbedaten bekannt (Sterbebuch 1943, Nr. 83).[39] Wo fand er aber seine letzte Ruhestätte?

Von ihrer Mutter hatte Rosa Hojak erfahren, daß Friedrich Moser mit einem gewissen Anton Klon aus Aggsbach-Dorf sehr befreundet gewesen war. Anton Klon hatte der Mutter einmal erzählt, daß Friedrich Moser zu ihm gesagt habe, wenn er einmal sterbe, "werde sein Kopf in Spiritus aufbewahrt werden". Daraus schloß Rosa Hojak, daß er seinen Körper dem Krankenhaus Melk überlassen habe. Was wirklich mit seiner Leiche geschehen war, war nicht mehr zu erfahren.

Friedrich Moser als Künstler#

Friedrich Moser bezeichnete sich selbst als "Dichter, Komponist und Sänger". Seinen eigenen Angaben zufolge habe er "nahezu hundert Lieder selbst gedichtet und vertont"[40]. Auf das Dichten wäre er im Jahre 1905 gekommen, als er an einem Sommersonntag sinnend vor dem Rathaus im damals böhmischen Reichenberg - heute Liberec in der Tschechischen Republik - gestanden war. Dort in Reichenberg war er als Weber in einer Fabrik beschäftigt gewesen. Er habe sich damals überlegt, welcher Freizeitbeschäftigung er nachgehen solle.[41]

Aufgrund seiner "mangelhaften Schulbildung ging das "Verseschmieden" anfangs verflixt holprig" und Friedrich Moser verglich es mit dem "Schmiedehandwerk seines seligen Großvaters in seinen alten Tagen". Doch mit der Zeit hatte sich doch "ein Gedichtl nach dem anderen" aneinandergereiht.[42]

Es wurde ja schon angeführt, dass Friedrich Moser im Jahre 1906 bei seinem Aufenthalt in Gmünd den Apotheker Frido Kordon kennengelernt hat. Dieser fand Gefallen an den Gedichten Mosers und empfahl ihm, sie vertonen zu lassen. Das getraute dieser sich jedoch nicht, doch "brachte er den Mut auf, ohne Ausbildung in Musik, ohne Kenntnis der Harmonielehre und der Musikgeschichte, die Lieder selbst zu vertonen!"[43]

1910 dichtete er anläßlich des "Hosenrock-Rummels" in Graz das Lied "Der Hosenrock in Graz" und erregte damit einiges Aufsehen. [44][44|44] Bei Kriegsbeginn hat er auch einige patriotische Lieder geschrieben und vertont, bis jetzt ist keines davon bekannt. Doch Friedrich Moser erkannte bald, daß "in Volks- und Sängerkreisen die Volks-, Heimat- und Naturlieder die beliebtesten waren".[45]

Nachdem er im Jahre 1923 bei der Südbahn pensioniert worden war, verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als fahrender Sänger und gab Liedervorträge zur Laute. Meist waren das Eigenkompositionen. An den wenigen Beispielen, die uns bisher - auch vom Text her - bekannt sind, kann man sehen, daß er gerne Lieder zu Ehren bestimmter Persönlichkeiten geschrieben hat.

Eines dieser Lieder machte Friedrich Moser, besonders in der Steiermark, berühmt. Es ist "Das Liad vom Stainzer Wundadokta. (Höllerhansl)". Das Lied, im weststeirischen Dialekt geschrieben, umfasst fünf Strophen, mit einem Refrain am Ende jeder Strophe. Friedrich Moser beschreibt hier, manchmal recht derb, das Wirken des weststeirischen Bauerndoktors Johann Reinbacher vulgo Höllerhansl (1866 - 1935), der in Rachling, einer Steusiedlung in mittlerer Rosenkogellage, wirkte.

Besonders gefeiert wurde in Rachling stets der Namenstag von Johann Reinbacher und der seiner Ehefrau Cäcilie ("Cilli"). Im Jahre 1922, anläßlich des Namenstages des "Höllerhansls", hat nun Friedrich Moser das bekannte Lied auf ihn gedichtet, in Noten gefasst und ihm vorgesungen. Wir wissen das genau, weil zwei Jahre später Friedrich Moser ihm aus gleichem Anlass eine Karte aus Heiligenkreuz a. d. Lafnitz (Burgenland) geschrieben hat mit folgendem Wortlaut:

" 29. 12. 1924. Nun sind es schon zwei Jahre vorüber, seit ich das Lied vom `Höllerhansl` gemacht habe und es dir zu deinem Namenstag vor deinen ganzen Gästen vorgesungen habe. Gerade deine eigenen Gäste hören das Lied vom Höllerhansl am liebsten.

In Steiermark, Kärnten besonders in Wien und im Burgenland wird das Höllerhansllied gern gesungen. Wir beide werden schon 50 Jahre unter der Erde sein, und das Lied wird noch immer gesungen werden.

Also: Glück auf und schönes Wetter und ein Prosit Neujahr von deinem Freund Friedrich Moser".

Diese Karte befindet sich im Eigentum einer Familie von Nachfahren des Bauerndoktors. Es sei hier aber auch angeführt, dass die Stainzer und Rachlinger vorerst über den Liedtext gar nicht erbaut gewesen waren und, so wurde es mir jedenfalls erzählt, dem Friedrich Moser in erster Erregung sogar Ohrfeigen ("Watschn") angeboten hätten.[46]

Auf den Text des Liedes sei hier nicht näher eingegangen. Interessant ist das Liedblatt selbst. Bisher sind mir davon zwei unterschiedliche Drucke bekannt.[47] Jedesmal handelt es sich dabei um einen Einblattdruck, der in der Mitte gefaltet, vier Seiten ergibt. Die Außenseite ziert beidemal das "Höllerhansl`sche" Anwesen, gesehen von seiner Rückseite. Man sieht die berühmte "Kellerluckn" und den "Höllerhansl", wie er gerade ein Flascherl mit Harn begutachtet. Vor der "Luckn" stand eine große Schar von Leuten, die geduldig warteten, bis sie drankamen.

Über diesen Leuten aber, am "Seitenstübl" des Hauses befindet sich ein Balkon. Hier sieht man einen jungen Mann mit schulterlangem Haar und einer Laute in der Hand zwischen zwei Schönen stehen (vgl. Abb. 4 und 5). Univ. Prof. Dr. Elfriede Grabner hat schon vor dreißig Jahren darauf verwiesen, dass es sich bei diesem jungen Mann nur um eine Selbstdarstellung von Friedrich Moser handeln könne.[48] Und sie hatte vollkommen recht, wie wir es an einem weiteren Beispiel beweisen werden können.

Friedrich Moser hat obiges Liedblatt im Eigenverlag herausgegeben. Als Adresse gab er das eine Mal "Graz, Volksgartenstr. 18", das andere Mal "Graz, Hauptbahnhof" an. In der Volksgartenstraße 18 hatte Friedrich Moser dreimal ja bei Jerovsek in Untermiete gewohnt, u. z. von März bis September 1917, zu Jahresbeginn 1918 - hier wissen wir nicht wie lange - und vom Jänner 1926 bis zum März 1928.

Wenn man die beiden Abbildungen auf den zwei Liedertexten genau betrachtet, konnte man einen kleinen Unterschied zwischen ihnen feststellen. Bei jenem Druck, wo die "Volksgartenstraße" als Adresse angegeben war, konnte man über der "Kellerluckn" deutlich das Wort "Teekuchel" lesen, beim anderen stand nichts dergleichen. Beide Drucke stammten von "Senefelder, Graz".

1966 beschäftigte sich Hans Wilfinger, der Verfasser des Buches "800 Jahre Stainz 1177 -1977" in der "Weststeirischen Rundschau" mit dem Lied. Er berichtete , dass er das Liedblatt in Wien weder in der Nationalbibliothek, noch in der Musikaliensammlung finden konnte. Ähnlich bestellt war es damit in der Landesbibliothek in Graz und im Volkskundemuseum. Letztlich sei es ihm dann doch gelungen, den Text irgendwo aufzutreiben. Er schrieb aber auch, daß in den 20er Jahren das Lied im "Tabakhauptverlag Hubmann" in Stainz an alle "Höllerhansl"-Freunde verkauft worden war.[49]

Zur Weiterverbreitung des Liedes trug Rudolf Reinbacher, der "Höllerhansl-Kutscher" aus Marhof viel bei, der jedem, am Lied interessiert war, in den 70er Jahren einen maschinengeschriebenen Text gab.

Eine weitere Besonderheit hatte jener Text mit der "Volksgartenstraßen - Adresse". Hier waren auf der letzten Seite weitere von Friedrich Moser geschaffene Lieder aufgelistet:

  1. "Mein Lautenlied"
  2. "Das Lied vom Maltatal"
  3. "Die Ganslan und senere Feind"
  4. "`S spinnende Dirndle"
  5. "Die wahre Lieb"
  6. "So sent`s die Kärntner g`wohnt"
  7. "Brautwalzerlied"
  8. "Der Wildschütz Jörg"
  9. "Dö Grazer Drahrer"
  10. "Volkshymne a. d. freie Republik D. Ö."
  11. "Bin a Vogelfreier Sänger"
  12. "Die Gmündner Neunimeß"
  13. "Die lustigen Almmahdar"
  14. "Stainzer Schilcherlied"
  15. "Der Hosenrock in Graz"
  16. "Frühlingsgrüße a. d. Heimat"

Der Text des Liedes "Die lustigen Almmahdar" ist im "Arbeiter-Trachtler" wiedergegeben.[50] Er ist durchaus den frivolen Liedern zuzuordnen. Im "Arbeiter-Trachtler" ist auch eine einzelne Strophe von "Bin a Vogelfreier Sänger" angeführt.[51] Vom "Hosenrock in Graz" wiederum wissen wir, dass das Lied um 1911 aus aktuellem Anlass in Graz entstanden war.

Die weiteren Titel zeigten seine Verbundenheit mit Kärnten, bewiesen seine Anwesenheit in Gmünd (1906/07) ("Die Gmündner Neunimeß"), verweisen auf seinen Grazaufenthalt ("Dö Grazer Drahrer") und auf seine Verbundenheit mit Stainz ("Stainzer Schilcherlied") hin.

Angeführt waren weiters auch "Zwölf neue Männerchöre". Von Josef Gödel stammte ihr Satz, ausgenommen der letzte Chor, den Adolf Peter gesetzt hatte:

  1. "Kärntnertreu" (zu Ehren der Kärntner Abstimmung im Oktober 1920)
  2. "Die verlassene Braut"
  3. "Der Herbst zieht durch den Wald"
  4. "Frohsinn"
  5. "Stainzer Schilcherlied" (Steirerlied mit Jodler)
  6. "Der vereiste Steg" (Kärntnerlied mit Jodler)
  7. "`S spinnende Dirndle" (Kärntnerlied mit Jodler)
  8. "Dö lustigen Almmahdar" (Kärntnerlied mit Jodler)
  9. "Dö Lurnfelder Glocknan" (Kärntnerlied mit Jodler)
  10. "Dö Ganslan und senere Feind" (Kärntnerlied)
  11. "Karnt`n mei All`s (Kärntner Fünfgesang)
  12. " Abend im Hochland".

Beziehen konnte man das Liedblatt in der Musikalienhandlung Max Pock, Graz, Hauptplatz (Rathaus). Diese Musikalienhandlung gibt es ja heute noch, doch ist kein Liedblatt dort erhalten geblieben.

Um das eine oder andere weitere Liedblatt zu finden, begab ich mich ins "Steirische Volksliedwerk". Ich hatte bei keinem der angeführten Titel Glück. Ich fand dort aber eines, welches hier nicht angeführt war. Es hieß "Halali (Ein lustiges steirisches Jagerliad)". - Ausgabe A für Singstimme mit Klavierbegleitung von Adolf Peter. Auch dieses konnte man einst bei Max Pock erwerben. Friedrich Moser hatte das Lied auch gewidmet: "Meinem Freund, dem Sänger Willi Kurland[52], gew. Mitglied der vereinigten Bühnen in Graz zu Ehren".[53]

Das Liedblatt war in der Mitte einmal gefaltet, so daß vier Seiten entstanden. Auf seiner Vorderseite zierte ein ellipsenförmiges Medaillon das Blatt. Abgebildet war hier eine Jagdgesellschaft, die das Ende der Jagd, wahrscheinlich in einem Gasthof, an einer Tafel feierte. Inmitten der feiernden Jäger stand ein junger Mann mit schulterlangem Haar, der offenbar sang und seine Lieder mit einer Laute begleitete (vgl. Abb. 6 und 7). Friedrich Moser hatte sich hier wieder, wie schon beim "Höllerhansl-Lied", mit abgebildet. Anstreitbar war ihm ein gewisser Zug zur Selbstdarstellung eigen. Gedruckt war das Blatt wieder bei "Senefelder, Graz" worden.

Im "Schubertjahr" 1928, anläßlich des "Deutschen Sängerbundesfestes" in Wien schuf er drei Lieder. Eines brachte ihm die Anerkennung des ersten Vorsitzenden Hofrat Jaksch ein.[54]

Das wahrscheinlich letzte Lied aus der Feder Friedrich Mosers stellte mir Rosa Hojak aus Eisenerz zur Verfügung. Es hieß: "Das Lied vom Dunkelsteiner Wald. Zur Erinnerung an die Hochwasserkatastrophe vom 14. - 17. Juli 1941". Der Kriegszeit entsprechend bestand das Liedblatt nur mehr aus einer Seite und hatte keine Abbildung mehr. Friedrich Moser hatte dieses Blatt aber signiert und hat es selbst vertrieben (vgl. Abb. 8 und 9).

Das achtstrophige Lied, dem keine Noten beigegeben waren, beschreibt das Toben eines Unwetters, das Rosa Hojak in Wolfstein selbst miterlebt hat. Von den entstandenen Schäden stellte Rosa Hojak mir auch Fotos zur Verfügung, wo man das furchtbare Ausmaß der Verwüstung erkennen konnte. Ein Foto davon sei hier wiedergegeben (Abb.10). Das Lied von dieser verheerenden Unwetterkatastophe war wahrscheinlich Friedrich Mosers letztes gewesen. Ihm waren nicht einmal mehr zwei volle Lebensjahre vergönnt.

Es ist durchaus vorstellbar, daß es noch weitere Erinnerungsstücke an Friedrich Moser gibt, vor allem Liedblätter. Der Autor dieses Artikels wäre sehr froh, wenn man ihm Kopien davon zusenden würde. Leider wurden auch viele seiner Briefe, die er an Gemeinden und Archive geschrieben wurden, nie beantwortet. Vielleicht könnte man sich jetzt dazu aufraffen........?

Anschrift des Verfassers: Mag. pharm. Dr. Bernd Mader, 8045 Graz, Grazerstr. 17c

1[1] Vgl. Josef Steiner-Wischenbart, Friedrich Moser, ein liederfroher Kärntnerbua. In: Der Arbeiter-Trachtler (= Arbeiter-Trachtler), 8. Jahrgang, Wien 1930, Jänner - Mai 1930( Nr. 1: S. 4-6; Nr. 2: S. 8f.; Nr. 3: S. 1-3; Nr. 4: 3f.; Nr. 5: 2f.). Hier: Nr. 1, S. 5.

2[2] Rosa Hojak nahm in einem Brief, datiert vom 23. Februar 1999, mit mir Kontakt auf und überließ mir anfangs April diverse Unterlagen, u. a. Fotos, Ansichtskarten, Briefe und schriftlich festgehaltene persönliche Erinnerungen, alles in Zusammenhang mit Friedrich Moser. Ich möchte an dieser Stelle Rosa Hojak aufrichtig dafür danken.

3[3] Helmut Struntz, "100 Jahre Stainzer Flascherlzug". Die Schmalspurbahn zum Wunderdoktor "Höllerhansl". Erstsendung 25. 7. 1992, Landesstudio Steiermark.

4[4] Vgl. Bernd E. Mader, Der Höllerhansl. Leben und Wirken des Naturheilers Johann Reinbacher (=Höllerhansl), Graz-Wien-Köln 1997.

5[5] Vgl. Anm. 1

6[6] Das geht aus einem Schreiben der Pfarre Malta vom 9. März 2000 hervor. Ich bedanke mich bei Pfarrer Mag. Josef Allmaier aufrichtig!

7[7] Diesen Hinweis und noch mehrere andere gegendbezogene, verdanke ich den hier beheimateten Oberst Franz Gigler.

8[8] Vgl. Arbeiter-Trachtler Nr. 3. S. 2

9[9] Die Vornamen entstammten dem Schreiben von Pfarrer Allmaier.

[10] Vgl. Arbeiter-Trachtler Nr. 3, S. 2

[11] Ebda.

[12] Ebda.

[13] Wie Fußnote 6.

[14] Vgl. Arbeiter- Trachtler, Nr. 3, S. 3

[15] Ebda, Nr. 4, S. 3

[16] Ebda.

[17] Ebda.

[18] Ebda.

[19] Vgl. Schematismus (=Schematismus) für das kaiserliche und königliche Heer und für die kaiserliche und königliche Kriegs-Marine für 1903, Amtliche Ausgabe, Wien 1902, S.410.Da innerhalb jener Regimenter, wo Friedrich Moser künftig noch dienen wird, keine Umgliederungen oder Standortänderungen eintraten, wurde auch dafür der Schematismus für 1903 herangezogen.

[20] Hier und in weiterer Folge entstammten alle militärischen Angaben, sofern sie nicht gesondert zitiert sind, dem Haupt-Grundbuchblatt Friedrich Mosers, welches im Österreichischen Staatsarchiv (Kriegsarchiv) in Wien aufliegt. Während viele öffentliche Stellen sehr langsam, wenn überhaupt, antworten, geschah das beim Staatsarchiv prompt. Danke!

[21] Vgl. Arbeiter-Trachtler, Nr. 4 S. 3f.

[22] Vgl. Schematismus 1903, S. 398

[23] Arbeiter-Trachtler, Nr. 4, S. 4

[24] Grazer Stadtarchiv, Meldekartei (= Meldekartei) der ehemaligen k. k. Polizeidirektion Graz 1892-1925. Die Grazer Adressen entstammten in der Folge diesem Karteiblatt.

[25] Wie 20.

[26] Wie 15

[27] Wie 7.

[28] Zu Frido Kordon vgl.: Österreichischen Apotheker-Zeitung, 23. Jg. Wien 1969, Nr. 37, S. 534. - Wolfgang-Hagen Hein, Holm-Dieter Schwarz (Hrsg.), Deutsche Apotheker-Biographie, Band I (A-L), S. 339f. In: Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie e. V., Neue Folge, hrsg. von Wolfgang-Hagen Hein, Bd. 43, Stuttgart 1975 - Kurt Ryslavy, Geschichte der Apotheken in Kärnten, Wien 1992, S. 18f. - Kollegen Prof. Dr. Otto Novotny sei für die Zitate herzlich gedankt!

[29] Vgl. Arbeiter-Trachtler, Nr. 4, S. 4.

[30] Ebda.

[31] Antwortschreiben des "Österreichischen Staatsarchivs"/Kriegsarchivs vom 9. Februar 2000.

[32] Vgl. Schematismus 1903, S. 450

[33] Vgl. die Glosse: In der Kulturgeschichte unserer Heimat blättert für sie Buchhandlung Moser, 4. Folge. In: Kleine Zeitung, Graz, 24. 2. 1970, S. 20. Für diese Glosse zeichnete jemand mit "He. Gr." Bisher konnte das Geheimnis dieser Initialen nicht gelüftet werden!

[34] Wie Anm. 4.

[35] Wie Anm. 4, S. 134

[36] Vgl. Arbeiter-Trachtler, Nr. 5, S. 2

[37] Ebda., Nr. 1, S. 4

[38] Wie Anm. 3.

[39] Telefax des Standesamtes Melk vom 24. 11. 1999.

[40] Arbeiter-Trachtler, Nr. 3, S. 1.

[41] Ebda., Nr. 4, S. 4.

[42] Ebda.

[43] Ebda.

[44] Arbeiter-Trachtler, Nr. 5, S. 2. Friedrich Moser irrte sich hier um ein Jahr. Der "Hosenrock-Rummel" war vor allem im März 1911. Vgl. dazu z. B.: Kleine Zeitung, Graz vom 8. März, S. 1f; 11. März, S. 6; 14. März, S. 1f.; 15. März, S. 2; 16. März, S. 4; 19. März S. 5.- Vgl. dazu auch: Edith Münzer erzählt vom alten Graz: Hosenrock-Rummel in Graz. Polizei musste einschreiten. In: Kleine Zeitung, Graz 20. 11. 1999, S. 26.

[45] Arbeiter-Trachtler, Nr. 5, S. 2.

[46] Vgl. Höllerhansl, S. 130 bis 134.

[47] Vgl. Das Liad vom Stainzer Wundadokta. (Höller Hansl.) von Friedrich Moser. Volksausgabe. Singstimme mit Text. Eigenverlag: Friedrich Moser Graz, Volksgartenstr. 18 bzw. Eigenverlag: Friedrich Moser Graz, Hauptbahnhof.

[48] Vgl. Elfriede Grabner, Der "Höllerhansl". Ein weststeirischer Wunderdoktor. In: Blätter für Heimatkunde, 43. Jg., Graz 1969, S. 146-158. Hier S. 146ff.

[49] Vgl. Hans Wilfinger, Der Höllerhansl und sein Lied. In: Weststeirische Rundschau, 39. Jg., Deutschlandsberg 19. Februar 1966, S. 7f.

[50] Arbeiter-Trachtler, Nr. 5, S. 3.

[51] Ebda, Nr. 3, S. 2.

[52] Der 1887 in Wien geborene Opernsänger Wilhelm Kurland hieß mit wirklichen Namen Wilhelm Bielohaubek, war daneben noch Schriftführer und Konditoreiinhaber. Er war 1911 von Hamburg nach Graz gekommen. Vgl. Grazer Stadtarchiv, Meldekartei.

[53] Steirisches Volksliedwerk, Mappe "Schlager" ( Nr. 7).

[54] Vgl. Arbeiter-Trachtler, Nr. 5, S. 2.


DER WUNDERDOKTER Mit dem Vortrag des Gedichtes Der Wunderdoktor Hans Leitenbauer vulgo Leitenbauer (Höller Hans) wurde die Gipfellesung am Gipfel desTrojani - der Hochweberspitze 2375m in den Wölzer Tauern im Jahre 1984, entscheidend bereichert.

DER WUNDERDOKTOR Liebe Leute denkt daran, Was aus Krankheit werden kann. Bei Fieber, Asthma, Gliederreißen, Hexenschuß und dünnem Scheißen, Bei Zittern, Knienschlottern, Heiserkeit und argem Stottern.

Bei Geistesschwäche, Magenleiden, Sprachlosigkeit und argem Schreien, Bei Gallenleiden und Darmverschluß, Liebespein und dem Verdruß. Bei Ischias, Zahnweh, Gallensteine, Helfen könnt nur ich alleine.

Bei Lungendampf, Herz und Bauch, Da bleibe ich beim alten Brauch: Kräuter, Wurzel, Einlauf, Schmier, Pflastergeister helfen dir. Auch Darmverwicklung und Hämoriden Wär`n bei meinem Fach geblieben.

Und fehlt es wo an schlechter Treu`, Knochenbrüchen, Husten, Kreuzweh, Altersschwäche oder Faulheit, Ein Kramperltee hilft jederzeit. Meinem Rat will ich euch geben, Für Liebesglück und Kindersegen.

Dafür hab´ ich einen Liebessaft, Trinkst du ihn gibt er dir Kraft Und damit sind auch verschwunden, Alle ander`n Seitenwunden. Ja so ging es fort und weiter, Meine Pillen machen heiter.

Doch ein Geheimnis verrat´ ich noch, Wie ich meine Salben koch: Murmelfett`n Dochs`nschmalz, Krebsaugen mit etwas Salz, Leinöl, Kreidenpulver, und Tint`n, Wär´n darunter auch zu find´n.

Osank, Kämpfer, Feig`lwurze´n Und an Ochsenzipf an kurz´n. Heringschwänz mit Hirschenmark, Macht das Ganze erst recht stark. Mischen tu ich`s mit guter Ruh, Denn es kommt noch viel dazu:

Kerzenstummel, Eier und Leim, An g´rieb`nan Kas mit Kren. Vogelfedern, Hühnerdarm, Halten bei Verkühlung warm, Dazu zwölf Tropfen Fledermausblut, Tut dem Herzkranken recht gut.

Baldrian und Bibernell, Die helfen überall recht schnell. Wäre ein großer Schmerz zum Stillen, Nehme man guten Willen, Seifensteine, davon nicht zu wenig, Vier fünf Löffel g´ronnenen Henig.

Salbeiblätter, Schmer, Limone, A Grantnsulz`n wär a net ohne. Dazu ein Dutt`lwarzel Von an Oachkatzel An Kanarivogel in an Sterz Ist für ein treues Herz.

Lärchpechkraupen, Ameiseneier, Mocht die Soch auch noch recht teier. Wer aber das Geld noch haben tät, Der soll dazuschau`n, sonst wär`s spät. http://www.angelfire.com/co4/wanderer/gipfelbuchbruno.html#DER_WUNDERDOKTER

--Mayer Bruno, Sonntag, 31. Oktober 2010, 23:57