unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
21

Chinas schönste Flusslandschaften#

Der Li Jiang-Fluss und die ihn begleitenden Karstberge#


Von

Günther Jontes

Die Bilder wurden vom Verfasser im Jahre 1986 aufgenommen und sind Teil des Archives „Bilderflut Jontes“.


Wenn der Tai Shan in der chinesischen Kunst das künstlerische Prinzip der Berg- und Felsmalerei schlechthin verkörpert, so ist es unter den Flüssen des Reiches der Mitte der Li-Fluss (chin. Li Jiang), der für die Landschaftsmalerei steht. Sanfte Ufer, Staffageszenen am Land, bizarre Berge in der Ferne, Bambusgehölze und Boote bilden eine Quelle steter Inspiration bis heute.

Dieser Fluss ist in seiner topographischen Auslegung für China eigentlich unbedeutend. Er fließt durch zwei Orte, von denen Guilin als Stadt einige historische Bedeutung hat und Yangshuo ein landwirtschaftliches und heute auch touristisches Zentrum darstellt. Denn die Schönheit der Landschaften an seinen Ufern zieht heute große Scharen von Menschen aus nah und fern an, die auf gastlichen Flussschiffen die stets wechselnden Blickpunkte an sich vorüberziehen lassen.

Der Li Jiang entspringt in der Autonomen Region Guangxi Zhuang und mündet an seinem Ende wieder in einen nicht sehr bedeutenden Wasserlauf, den Gui Jiang. Seine Länge beträgt 437 km, was fast genau der Länge des steirischen Hauptflusses der Mur mit ihren 453 km entspricht! An seinen Ufern lebt die nach den Han-Chinesen größte chinesische ethnische Minderheit, die der Zhuang. Diese zählen etwa 17 Millionen Häupter, sind damit zahlreicher als die in die Volksrepublik China inkorporierten Tibeter und Mongolen.

Der in Jahrmillionen durch geologische Kräfte gehobene Untergrund aus Kalkgestein wurde wiederum im Laufe von Millionen Jahren durch die , Atmosphärilien erodiert, wodurch steil aufragende bizarre Karstgebilde entstanden, welche weltweit ihresgleichen suchen. Auch Höhlen mit üppigen Tropfsteinbildungen finden sich.

Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Für sich stehen die Felskegel, von denen zum Teil steile Wände abfallen, aus denen der Volksglaube manche mythischen Figuren herausliest.
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss

Nun gleitet das Boot den Fluss hinab, vorbei an den Karstbergen, die den Horizont beherrschen.

Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss

Der Fluss ist nicht nur Verkehrsweg. Wasserpflanzen, die als Viehfutter dienen, werden geerntet oder gleich von den genüsslich badenden Wasserbüffeln der Zhuang-Bauern unter und über Wasser abgeweidet.

Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss

Die Anrainer des Flusses befahren und überqueren diesen jederzeit. Das gehört zu ihrem Alltag. Aus dicken Bambusrohren bauen sie außer Booten auch kleine Flöße, die sie stehend paddelnd bewegen und lenken. Wellen schlagende Ausflugsschiffe schätzen sie nicht sehr.

Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss

Man beobachtet auch Fischer mit dressierten Kormoranen, die ja von Natur aus geschickte und gierige Fischräuber sind. Sie tauchen für ihren Herrn, aber der Fisch ab einer bestimmten Größe gehört nicht ihnen. Ein enger Ring um den Hals verhindert, dass sie ihn hinunterschlucken können. Sie werden aber mit Beifang reichlich belohnt.

Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss

An den Ufern ist fruchtbarer Ackerboden, der dem Reisanbau dient. Das subtropische Klima mit ausgewogener Wärme und genügend Niederschlägen ermöglicht zwei, zuweilen sogar drei Ernten im Jahr. Diesen geht natürlich schwere Arbeit voraus, die vom Pflügen, Wässern der Felder, vom Bestellen der Saatbeete, vom Pikieren und Aussetzen bis zur Beobachtung des Reifens, dem Schnitt und dem Dreschen geht. Aber dadurch ist Guangxi auch eine der Reisschüsseln Chinas.

Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss

Auf dieser Felswand enthüllen sich dem Betrachter die Umrisse von zwölf Pferden.

Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss

Die Stadt Guilin als Ausgangspunkt solcher Erkundungen des Li Jiang hat keine besonderen Attraktionen zu bieten, die einen Besuch dieser wörtlich „Stadt des Zimtblütenwaldes“ für sich rechtfertigen würden.

Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss

Als um 1640 die kaiserliche Ming-Dynastie in den letzten Zügen lag und den Mandschu-Ching nichts mehr entgegenzusetzen hatte, gab es hier noch einen winzigen Minghof, der sogar für die Gräber seiner Mitglieder eine sogenannte Geisterallee erbaute, wo mythische Tiere und grob aus dem Stein gehauene Mandarine und Krieger die Seelen der Toten begleiten und behüten sollen.

Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss
Li Jiang-Fluss

Ein Ereignis der jüngeren Geschichte Chinas ist aber für die Weltkultur von eminenter Bedeutung geworden. Als die Armeen Mao Zedongs siegreich schon fast ganz China den Truppen Tschiang Kaischeks entrissen hatten, da transportierten die Nationalchinesen, bevor sie nach der Insel Formosa, dem heutigen Taiwan übersetzten, alle Kunstschätze, die sie aus der Verbotenen Stadt, dem Pekinger Kaiserpalast gerettet hatten zuerst hierher und schafften dann die abertausenden Kisten voller atemberaubender Kunstschätze nach Taipeh. Heute bilden diese eines der grandiosesten Museen der Welt, des Palastmuseums in Taiwans Hauptstadt.