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Die Neun Drachen-Wand im Kaiserpalast zu Peking#

von Günther Jontes

Alle Bilder wurden vom Autor, der von seinen chinesischen Freunden Long (s.u.!) genannt wird, im Jahre 1991 aufgenommen. Sie sind Teil des Archives „Bilderflut Jontes“


Drachen
Der Drache (chin. long) ist das chinesische Fabeltier schlechthin und sein Rang über allen Lebewesen ist so hoch, dass er gleichzeitig das Symbol für den Kaiser, den „Sohn des Himmels“ ist. Einen kaiserlichen Drachen erkennt man an seiner gelben Farbe und daran, dass seine Tatzen fünf Krallen aufweisen. Die Han-Chinesen hielten ihn – auf dem Land tun sie dies zuweilen noch heute – für real existierend. Er ist seinen Eigenschaften nach ein ausgleichendes Element in Natur und Kosmos, reguliert den Regenfall in seinem Eintreten, seiner Dauer und seiner Menge. So sieht man ihn hier auf dieser Abbildung auch als kaiserlichen Drachen zwischen Wolken und Wellen. Regen entsteht nach der klassischen chinesischen Auffassung, wenn es donnert. Dieser Donner wird durch eine flammende Perle dargestellt, mit welcher der Drache am Himmel spielt.

Sein westlicher Widersacher, also „unser“ Drache, ist das genaue Gegenteil. Er speit Feuer, bläst Giftwolken aus, tötet und frisst Mensch und Tier, lebt in Höhlen, aus denen er Wasserfluten und Überschwemmungen hervorbrechen lässt. Nur sehr tapfere und dazu schlaue Männer können ihn mit List überwältigen und zur Strecke bringen. Selbst noch in der „wissenschaftlichen Zoologie“ des europäischen Mittelalters und der frühen Neuzeit bis ins 17. Jahrhundert herauf wird er noch für in fernen Ländern wirklich existierend gehalten und sogar bildlich dargestellt. Die beiden berühmtesten Drachentöter sind der Siegfried der Nibelungensage und der ritterliche Sankt Georg.

In der chinesischen historischen Zoologie vertritt er unter den „Fünf Tierarten“ die Schuppentiere. Und tatsächlich ist sein Leib als Schlangenkörper gebildet und mit Schuppen bedeckt. Er ist ein Mischwesen, an dem man außerdem noch ein Geweih und wie die Chinesen meinen, den Kamm eines Krokodils, die Barteln eines Fisches, die Ohren einer Kuh und die Tatzen eines Löwen erkennen kann.

Auch sein Abbild spielt eine große Rolle, denn es vertreibt böse Einflüsse und wehrt Dämonen in ihrer ganzen Vielfalt ab. In der chinesischen Kultur wird Feng-Shui („Wind und Wasser“) als eine geomantische Kunst bis heute für äußerst bedeutsam für das Bauen und Beleben gehalten. So sollte ein Haus, aber auch ein Grab so angelegt sein, dass es im Rücken im Norden eine Erhebung, einen Berg aufweist, in welchem ein schützender Drache haust. Und alles sollte sich in einem Gewässer im Süden spiegeln. Es ist deshalb nur folgerichtig, dass der Riesenkomplex des Kaiserpalastes, der „Verbotenen Stadt“ in Peking in Nord-Südrichtung angelegt ist. Im Norden beschützt ihn außerhalb der umfassenden meilenlangen Mauer der sogenannnte „Kohlenhügel“.

Das war den Planern aber wahrscheinlich noch zu wenig, denn innerhalb der Mauern befindet sich noch ein weiteres Hemmnis für das Böse. Es ist dies die Neun Drachen-Wand.

Drachenwand
In bunter Abfolge sieht man neun Drachen, die in verschiedensten Stellungen über den Wellen auf der Erde und den Wolken des Himmels schweben und mit den flammenden Donnerperlen spielen. Die Buntheit ihrer Gestaltung lassen ein äußerst bewegtes und lebendiges Bild entstehen. Auch die Zahl Neun hat wie alle Ziffern in China eine symbolische Bedeutung. Als Potenz von Drei ist sie wie alle ungeraden Zahlen eine männliche Zahl und wegen der mythischen Trinität „Himmel- Erde – Mensch“ sehr bedeutungsvoll und mit spirituellen Kräften geladen. Und nach den Vorstellungen vom Kosmos hat der Himmel neun Felder.

So schützt also die Neun Drachen-Wand Kaiser und Palast machtvoll gegen das Böse.

Drachen
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