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Ein Garten nur aus Sand und Stein#

Der Hojo-Teien im Zen-Kloster Ryoan-ji in Kyoto#

von Günther Jontes

Die Aufnahmen wurden vom Verfasser 1988 in Kyoto gemacht. Sie sind Teil des Archives „Bilderflut Jontes“.

Der berühmteste Garten Japans begeistert nicht durch üppige Pflanzenpracht, uralte Bäume oder kunstvolle Steinlaternen. Er ist ein „trockener Landschaftsgarten“ und Teil des wichtigsten Klosters der Rinzai-Richtung im japanischen Zen-Buddhismus. Seit 1994 ist er auch UNESCO-Weltkulturerbe. Der Name des Klosters Ryoan-ji bedeutet ungefähr „der zur Ruhe gekommene Drachen“. Seine Gründung geht auf das Jahr 1499 zurück. Nach Bränden restauriert, hat sich der Garten seit mehr als 300 Jahren nicht mehr verändert.

Garten

Der Zen-Buddhismus umfasst auch ein starkes ästhetisches Prinzip, das sich auch in der berühmten japanischen Teezeremonie äußert. Das Einfache soll auf vollendete Weise in meditativer Ruhe getan werden. Im 5. Jahrhundert nach Christus fand diese Richtung des Mahayana-Buddhismus seine Ausdrucksformen in China, baute auf besondere Formen der Meditation und inneren Schau auf und war in gewisser Weise auch vom Taoismus beeinflusst. Im 12. Jahrhundert fand er durch Mönche Eingang auch in Japan. Der Name Zen ist die japanische Form von chinesisch chán, dessen Wurzeln wiederum in der altindischen Sanskrit-Bezeichnung dhyana „Meditation“ liegen.

Im Zen wird gelehrt, dass Innenwelt und Außenwelt miteinander untrennbar verbunden seien. Das Leben in dieser Denkensform zielt auf Erfahrung und Handeln im Jetzt und umfasst deshalb Gefühl, Denken und Empfindung. Die Erfahrung, in der Meditation wie in anderen Formen des Buddhismus Illusion und „Leere“ zu erfahren, wird abgelehnt. Man philosophiert auch über die Vernunft, die man durch Paradoxa (jap. koan) relativiert. Ein bekanntes Koan ist „mit einer Hand klatschen“. Das ergibt sich aus dem Versuch, über Zen sprechen zu wollen.

Der Hojo-Teien ist nicht größer als 30 mal 10 Meter. Er ist von einer 1,8 m hohen Mauer umgeben, die für sich wieder ein nationaler Denkmalschatz ist. Der vollständig ebene Grund ist mit einer Schicht feinen weißen Kieses bedeckt, der von kundiger Hand immer wieder geharkt wird, und dadurch ein Zeilenmuster erhält, das die Steingruppen umfließt. Auf diese Fläche sind fünf Gruppen Steine in der Weise gesetzt, dass man meinen könnte, dass man dabei den Zufall hätte walten lassen. Diese Gruppen sind an ihrer Basis von Moos umgeben. Dabei gibt es keine Stelle im Garten, von der man alle 15 Steine gleichzeitig sehen könnte. Über dem Garten gibt es vor dem Klostergebäude eine Sitzterrasse, von der aus man seine Gedanken in Betrachtung des Gartens wandern lassen kann. In Menschen, die sich hier ihrer Schau ergeben, kehrt tiefe Ruhe ein, wie sie auch der Autor erfahren konnte.

Erklärungsversuche sind immer wieder gemacht worden, haben aber keinen spirituellen Hintergrund. Manche meinen, hier „Bergspitzen in einem Meer von Wolken“ zu sehen. Andere wieder erkennen „Inseln im Meer“ oder gar einen „Tiger, der sein Junges davonträgt“. Jeder ist sich hier selbst überlassen, aber keiner geht mit quälender Ratlosigkeit fort.

In die Schau wird auch die Mauer miteinbezogen. Diese wurde aus einer eigenartigen Mischung von mit Öl getränktem Mörtel hochgezogen. Im Laufe der Jahrhunderte ist dieses Öl dann nach außen gedrungen und hat Muster und Strukturen ergeben, welche ebenso ästhetisch gewertet werden.

Garten
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