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Sich satt essen können – Die Langar-Küchen der Sikhs in ihren Gurdwaras#

Von

Günther Jontes, 2016


Der Goldene Tempel von Amritsar – Der Gurdwara als Tor zum Guru
Der Goldene Tempel von Amritsar – Der Gurdwara als Tor zum Guru
Foto: G. Jontes
Der Goldene Tempel von Amritsar liegt mitten im Heiligen See Amrita sagar
Der Goldene Tempel von Amritsar liegt mitten im Heiligen See Amrita sagar
Foto: G. Jontes

Es gibt kaum eine Religion, deren Gläubige man auch in Menschenmassen nach ihrem äußeren Aussehen sofort erkennen kann. Prächtige Turbane, wallende Bärte fallen gleich auf. Andere Kennzeichen nimmt man ebenfalls bald wahr. Es sind die Sikhs. Ihr religiöses, soziales und kulturelles Verständnis, ihre prächtigen Tempel, ihre Tapferkeit hebt sie über ihre Nachbarn hinaus. Ihm Verhältnis zum Milliardenvolk der Hindus, Muslime ist ihr Anteil an der indischen Bevölkerung mit nur 2% lässt sie mit den Christen gleichziehen.

Martialische, aber freundliche Gestalten
Martialische, aber freundliche Gestalten
Foto: G. Jontes

Die meisten Sikhs leben im Bundesstaat Pandschab/Punjab, von wo ihre Religion auch ausgegangen ist. Deshalb ist die Sprache des Heiligen Buches, das die Weisheitslehren, ihrer historischen Gurus enthält, in Punjabi verfasst, einer indoarischen/indogermanischen Sprache mit einer eigenen Schrift. 3% der Inder sprechen diese Sprache als Muttersprache. Sie verfügt über ein eigenes rechtsläufiges Schriftsystem mit Markierung der Vokale durch diakritische Zeichen und Ligaturen. Diese Schrift hat den Namen Gurmukhi „Kopf des Gurus“. Das Wort Sikh bedeutet im Punjabi „Schüler, Anhänger“.

Der Sikhismus, wie ihn die Religionswissenschaft nennt, entstand im 15. Jahrhundert. Sie geht auf den Prediger Guru Nanak /1469-1539) zurück, der zuvor als Kaufmann auch bis nach Persien und Arabien gekommen war. Er lehrte einen gestaltlosen Schöpfergott und betonte die Einheit der Schöpfung. Er suchte als Mystiker den Frieden des Einzelnen mit Gott, sah seine synkretistische Lehre als eine Erlösungsreligion an, vereinte darin auch einen Eingottglauben der Muslime mit dem Karmadenken und der Wiedergeburtslehre der Hindu. Das zentrale Motto lautet: Gott ist der Einzige (punjabi ik onkar). Religiöse Dogmen kann man in der Lehre der Sikhs nicht erkennen. Das gottgefällige Leben soll den ganzen Alltag durchdringen.


Büchlein mit täglichen Gebeten
Büchlein mit täglichen Gebeten
Bibliothek Jontes
Textseiten in Gurmukhi-Schrift
Textseiten in Gurmukhi-Schrift
Bibliothek Jontes

Die hohen ethischen Ansprüche dieses damals für Indien vollkommen neuen Bekenntnisses werden auch in sechs zentralen Lebensregeln zusammengefasst, die man zu erreichen trachtet: Reinheit des Denkens, indem man niemandem etwas Böses wünscht – Die Reinheit der Zunge, indem man über niemandem allzu streng urteilt – Die Reinheit des Handelns, indem man nichts zerstört, was andere durch Arbeit geschaffen haben – Vergebung all denen, die schlecht von dir reden – Übung im Ertragen von körperlichen, seelischen und mentalen Behelligungen – Hilf den Armen und Schwachen, auch wenn es dein eigenes Leben kostet.

Diese Lebenslehren basieren auch auf einem bedingungslosen Gottvertrauen. Eine der Hymnen des Guru Amar Das bringt dies zum Ausdruck, wenn es heißt:

Mein Geist, richte dich immer auf Gott.
Weile mit Gott, meine Seele,
Vergiss deine Sorgen,
So wird der Herr deiner gedenken
Und alle Tagesnöte dir besorgen.
Der Herr ist allmächtig und vollkommen
Bis ins Kleinste.

(Übersetzung von Heinz Gstrein, Das unsagbare Glück. Wien 183)

Die vollständige Niederwerfung vor Gott
Die vollständige Niederwerfung vor Gott
Foto: G. Jontes
Meditation im goldenen Schrein des Tempels
Meditation im goldenen Schrein des Tempels
Foto: G. Jontes

Guru Nanak lehnte auch soziale Hierarchien wie das hinduistische Kastenwesen ab, erklärte die Frau als gleichberechtigt in der Gemeinschaft. Dass man sich als Brüder- und Schwesternschaft betrachtet, wird auch in den besonderen Namensgebung deutlich. Männer tragen hinter ihrem Vor und Familiennamen noch den Begriff Singh, was Löwe meint. Bei den Frauen wird ein Kaur in der Bedeutung Prinzessin angehängt.

Die hohe Wertschätzung der Frau kommt in einer schönen Hymne auf besondere Weise zum Ausdruck:

Von einer Frau werden wir empfangen,
Von einer Frau werden wir geboren.
Mit einer Frau verloben und verheiraten wir uns.
Frauen sind Freunde und Partner fürs Leben.
Ohne Frauen sterben die Völker aus.
Ohne Frauen erstirbt das Gute in uns.
Frauen sind es, die gute Bande knüpfen.
Wer darf daher die Frauen als minder und schwächer verachten?

(Übersetzung von Heinz Gstrein, Das unendlich Glück. Wien 1983)

Die Geschichte der Sikhs ist eine sehr bewegte, die durch Jahrhunderte hindurch in kämpferischen und opferfreudigen mit den islamischen Herrschern zum Ausdruck kam. Bekanntlich hatten die muslimischen Moguln seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts über ganz Nord- und Mittelindien ausgedient. In dieser Zeit wurde aus den zuvor eher hingebungsvollen friedlichen Menschen eine verschworene kampfbetonte fast ordensmäßig organisierte Gemeinschaft, die von den Muslimen nie ganz in die Knie gezwungen werden konnte.

In der Gesellschaft der Sikhs nehmen die Frauen einen hohen Rang ein
In der Gesellschaft der Sikhs nehmen die Frauen einen hohen Rang ein
Foto: G. Jontes
Die Sikhs sind wehrhafte Leute. Sie zeigen sich auch gerne mit Waffen
Die Sikhs sind wehrhafte Leute. Sie zeigen sich auch gerne mit Waffen
Foto: G. Jontes
Sikhs bilden das Rückgrat der indischen Armee
Sikhs bilden das Rückgrat der indischen Armee
Foto: G. Jontes

Guru Nanak hatte insgesamt neun Nachfolger. Als der letzte von ihnen, Gobind Singh (1666-1708) von ihnen hingerichtet wurde, konnte er noch die Botschaft weitergeben, dass keine Gurus mehr gewählt, sondern das von nun an die Sammlung der Weisheitssprüche Nanaks und seiner Nachfolger der einzige Anführer sein solle. Und so geschah es auch.

Dieses Buch wird als Guru Granth Sahib bezeichnet. Was man als „Unser Herr, der verehrte schriftlich gefasste Lehrer“. Grantha bezeichnete im alten Indien ein Buch, das auf Palmblätter geschrieben war. Es steht im Mittelpunkt der Lesungen in jedem Gurdwara.

Im Goldenen Tempel zu Amritsar armitsar,punjab erfolgt diese Lesung vorrangig im Herzen des inmitten des heiligen Sees von früh bis spät nachts. Der Name Amritsar entstand aus Sanskrit amrita sagar „See des Unsterblichkeitstrankes“. Ehrwürdige Männer – Priester kennt die Sikhreligion nicht! – lesen daraus. Ein kleines Ensemble von Musikern und Sängern bildet einen harmonischen klanglichen Hintergrund, dessen getragene, dann aber auch wieder ins Ekstatische ausschwingende Weisen ins Freie übertragen werden und zu diesem unglaublich schönen Flair beitragen, den auch ein Mensch aus dem Westen durchaus nachempfinden kann.

Nächtliche Lesung im Goldenen Tempel
Nächtliche Lesung im Goldenen Tempel
Foto: G. Jontes
Lesung aus dem heiligen Buch Guru Granth Sahib an vielen Plätzen im Tempelgelände
Lesung aus dem heiligen Buch Guru Granth Sahib an vielen Plätzen im Tempelgelände
Foto: G. Jontes

Um Mitternacht endet die Lesung. Dann wird das Buch geschlossen, in kostbare Tücher gehüllt und in einer Sänfte in Prozession in ein besonderes Gebäude gebracht, wo man es schlafen legt. Am nächsten Tag wird es wieder in den Goldenen Tempel gebracht. Man schlägt es aber nicht dort auf, wo man am Vortag mit der Lesung geendet hatte, sondern wirft das Buch auf. Und von dort, wo es sich von selbst öffnet hat, geht die Rezitation wieder weiter.

Um Mitternacht wird das Heilige Buch in feierlicher Prozession in ein eigenes Gebäude gebracht und dort schlafen gelegt
Um Mitternacht wird das Heilige Buch in feierlicher Prozession in ein eigenes Gebäude gebracht und dort schlafen gelegt
Foto: G. Jontes

Das alles spielt sich in einem Gurdwara, einem Tempel ab. Das Wort bedeutet „Pforte zum Guru“ und ein Gurdwara steht tatsächlich allen Menschen offen. Das wird auch dadurch unterstrichen, dass sich Tore nach allen vier Himmelsrichtungen öffnen. Zur Gesamtanlage gehören auch Verwaltungsgebäude, Vorratshäuser, Küchen und vor allem das riesige Speisehaus, der Langar, in welchem täglich tausende Menschen unentgeltlich als Ausdruck des Wohltuns für jedermann ohne Unterschied zu essen bekommen.

Der Langar im Gurdwara Bangla Sahib in Delhi
Die Hungrigen kommen erst – Der Langar im Gurdwara Bangla Sahib in Delhi
Foto: G. Jontes

Galerien mit Darstellungen der Gurus und heldenhafter Sikhs. Die Geschichte der Sikhs ist ja bis heute eine blutige geblieben. Politischer Fanatismus gehört ebenso dazu wie tätige Anwendung von Gewalt. Man denke an die Ermordung Indira Gandhis durch ihre Sikhleibgarde.

Eine Aufnahme, die etwa mit unserer Erstkommunion oder der Firmung gleichzusetzen wäre, erfolgt, wenn die Knaben in einem Alter, das von zwölf bis achtzehn Jahren reichen kann, im Gurdwara zum ersten Mal den Turban gebunden bekommen. Deshalt heißt dieser Akt auch dastar bandhi „Turbanbinden“. Der Initiant trinkt dann von einem süßen Trank, in welchen ein Schwert getaucht worden war. Nun ist er ein volles Mitglied der Gemeinschaft und trägt auch die Fünf Kennzeichen.

Das sind die „Fünf K“, denn jedes dieser Kennzeichen beginnt im Punjabi mit dem Laut K. Es sind dies:

Kesh: Lebenslang ungeschnittenes und gepflegtes Haar, das mit dem Turban (punjabi dastar) bedeckt wird. Das Nichtschneiden von Haupthaar und Bart soll das Nichteingreifen in das Wirken Gottes in der Natur betonen. Aus Respekt bedeckt man auch das zu einem Knoten gebundene Haar. Jeder, der einen Gurdwara betritt, muss sein Haupt ebenfalls, schlichtestn Falls mit einem Tuch bedecken. Auch muss er vorher alle Ledergegenstände ablegen, nicht Tabak oder Alkohol mit sich führen. Dem wachsende Haar wird auch eine besondere Lebenskraft nachgesagt. Wer denkt da nicht an den biblischen Samson?

Kangha: Im Haarknoten steckt ein kleiner Holzkamm mit einer Eisenauflage. Er steht dafür, dass den Menschen stets Disziplin und Sauberkeit leiten sollen. Bad und Haarwaschen gehört zum Kanon des Lebens.

Das kultische Bad gehört zur Pilgerschaft
Das kultische Bad gehört zur Pilgerschaft
Foto: G. Jontes
Die vorgeschriebene Waffe
Die vorgeschriebene Waffe, der Kirpan, auch beim Bad dabei!
Foto: G. Jontes

Kirpan: Das Wort bedeutet „Schwert“ und symbolisiert, dass der Mann stets, wenn es sein muss auch mit der Waffe, zum Schutze Schwacher und Schutzbedürftiger eintreten muss. Das Schwert ist heute auf die Größe eines Dolches reduziert und wird stets offen oder unter der Kleidung mitgetragen. Sikhs haben sogar das Recht, diese Symbolwaffe auch im Flugzeug mitführen zu dürfen!

Kara: Das ist ein stählerner Ring, den man am linken Handgelenk trägt. Er ist ein Symbol für die Hingabe an den Guru. Ringe stehen ja wegen seiner Insichgeschlossenheit in vielen Kulturen als Ewigkeitszeichen.

Kachera: Das ist eine bis ans Knie reichende baumwollene Unterhose, wie sie von Hindus und Muslimen nicht getragen werden. Man kann sie nur dann betrachten, wenn man Sikhs beim Bad im Heiligen See in aller Öffentlichkeit beobachten kann. Sie soll darauf hinweisen, dass man als Mann sich auch sexueller Mäßigkeit zu befleißigen habe.

Wohltun hat bei den Sikhs einen hohen Stellenwert. Wer genug besitzt – und es gibt auch sehr reiche Sikhs – gibt davon freiwillig in gehörigem Maße ab. Das wird am augenfälligsten im Speisehaus des Gurdwara demonstriert. In Amritsar sind das täglich an die fünftausend Personen jeden Geschlechts, jeder Herkunft und ungeachtet jeden religiösen Bekenntnisses. Man sieht dabei Inder jeder Schicht, Bettler wie Bürger, wohl auch manchen neugierigen westlichen Touristen. Jeder kann kommen und erhält hier sein in riesigen Küchen gekochtes Essen.

Die Esser sitzen in langen Reihen zu tausenden bunt gemischt auf einem Teppichläufer am Boden. Sie haben am Eingang einen Teller aus Stahl in Empfang genommen, der in seinen drei Teilungen – wie bei unseren alten Wirtshausmenütellern – Gemüse (punjabi sabzi), Linsensoße (dal) und zwei ungesäuerte Fladenbrote (roti) aufnimmt. Metallenes Essgeschirr isst für den Inder rituell unbedenklich, auch wenn ein Nichthindu davon isst und es kommen ja auch viele Hindus zu dieser Ausspeisung. Üblicher Weise isst man in Indien so, dass man ein Stücken Brot zu einer Art Löffel formt und damit Soßen aufnimmt. Hier wird aber ein Löffel ausgegeben, denn es bietet sich kaum Gelegenheit, dass nach dem Mahl tausende gleichzeitig die Hände waschen können. Und der See ist für solche Zwecke streng tabu.

Nur Metallgeschirr gewährleistet für Nicht-Sikhs rituelle Reinheit
Nur Metallgeschirr gewährleistet für Nicht-Sikhs rituelle Reinheit
Foto: G. Jontes
Besteck, dann muss man sich nachher nicht die Hände waschen
Besteck, dann muss man sich nachher nicht die Hände waschen
Foto: G. Jontes
In langen Reihen isst man bunt gemischt, nachdem man sich am Boden niedergelassen hat
In langen Reihen isst man bunt gemischt, nachdem man sich am Boden niedergelassen hat
Foto: G. Jontes
Das einfache Essen ist vegetarisch und besteht aus Fladenbrot und einer Linsen- oder Gemüsesoße
Das einfache Essen ist vegetarisch und besteht aus Fladenbrot und einer Linsen- oder Gemüsesoße
Foto: G. Jontes
Jeder Hungrige, ob arm oder reich, kann im Langar des Gurdwara gesättigt werden. Und alles ganz ohne Bezahlung
Jeder Hungrige, ob arm oder reich, kann im Langar des Gurdwara gesättigt werden. Und alles ganz ohne Bezahlung
Foto: G. Jontes
Auch beim Schälen des Knoblauch (lahsun) greifen die Männer mit an
Auch beim Schälen des Knoblauch (lahsun) greifen die Männer mit an
Foto: G. Jontes
Große Mengen davon sind für die Würzung nötig
Große Mengen davon sind für die Würzung nötig
Foto: G. Jontes
Karfiolköpfe (gobhi) werden zu Röschen für einen Curry
Karfiolköpfe (gobhi) werden zu Röschen für einen Curry
Foto: G. Jontes
In riesigen Kesseln wallt und zischt es, wenn die Soßen gekocht werden
In riesigen Kesseln wallt und zischt es, wenn die Soßen gekocht werden
Foto: G. Jontes
Als Getränk gibt es nur pures Wasser (pani)
Als Getränk gibt es nur pures Wasser (pani)
Foto: G. Jontes

Als Getränk gibt es ausschließlich Wasser (panhi), das man aus Metallschalen trinkt. Für viele arme Menschen ist nun wieder ein Tag ihres Lebens gerettet. Morgen werden sie vielleicht wieder kommen.

Fleisch gibt es bei dieser Speisung nicht. Sikhs kennen keine Tabuisierung von Tieren als Nahrung. Hindus essen kein Rind-, Muslime und Juden kein Schweinefleisch. Für den Sikhs ist dies unmaßgeblich. Im Guru Granth Sahib heißt es: „Die Narren streiten über Fleisch“ und vergessen darüber, was Spiritualität und Meditation bedeuten. Eine ethische Forderung wird aber gestellt: Das für Nahrung vorgesehene Tier muss mit einem einzigen Schlag getötet werden. Fleisch, das als blutiges Opfer etwa bei den Hindus dient und solches, wie es im Islam rituell geschlachtet, geschächtet wird (halal und koscher), kann nicht als Nahrung verwendet werden.

Tabak und Alkohol sind verpönt, ebenso alle anderen Rauschmitttel.

Alle erforderlichen Lebensmittel werden von reichen Sikhs gestiftet
Alle erforderlichen Lebensmittel werden von reichen Sikhs gestiftet
Foto: G. Jontes
Alle Arbeiten wie das Herstellen der Fladenbrote werden von freiwilligen Helfern geleistet
Alle Arbeiten wie das Herstellen der Fladenbrote werden von freiwilligen Helfern geleistet
Foto: G. Jontes

Alles, was hier geschieht, ist freiwillig und ehrenamtlich. In und vor den Küchen kann man hunderte Menschen, Männer, Frauen und Jugendlich beobachten, wie sie Gemüse herrichten, Knoblauch schälen, Teig mischen und für das Fladenbrot formen. Sie heizen die Backöfen, auf deren heißen Platten abertausende Fladen gebacken und im richtigen Augenblick entfernt, gebündelt und weitergereicht werden. In riesigen, zum Teil noch mit Holz beheizten Kesseln werden die Soßen gekocht. Starke Männer, von Dampf umwolkt, rühren mit gewaltigen Kochlöffeln um. Und die Essenträger teilen das Mahl aus.

Das Fladenbrot (roti) spielt eine große Rolle. Es ist sozusagen der kulinarische Untergrund. Um es essfertig austeilen zu können, müssen viele Hände vom Teigmachen, Formen des Fladens bis zum Backen und Verteilen mithelfen.

Formung des Brotteiges
Formung des Brotteiges
Foto: G. Jontes
Und backen auf der heißen Herdplatte
Und backen auf der heißen Herdplatte
Foto: G. Jontes
Es gibt auch schon mechanische Hilfen dafür
Es gibt auch schon mechanische Hilfen dafür
Foto: G. Jontes
Frauen bündeln die Brote zur Verteilung
Frauen bündeln die Brote zur Verteilung
Foto: G. Jontes

Wenn alle fertig gespeist und satt sind, wird das Geschirr eingesammelt und viele, viele beteiligen sich nun am Abwaschen. Zum Teil nobel gekleidete Sikhfrauen aus Familien, die die Lebensmittel gespendet haben, sieht man nun die Teller reinigen, den Boden wischen und andere niedere Arbeiten verrichten, die eine Hindufrau oder eine Muslima sich nie zumuten würden.

Beim Geschirrabwaschen hilft auch die Jugend willig mit
Beim Geschirrabwaschen hilft auch die Jugend willig mit
Foto: G. Jontes
Auch hier drückt sich niemand
Auch hier drückt sich niemand
Foto: G. Jontes

Außer dieser Ausspeisung gibt es auch etwas, das man beim Betreten des Tempels in die Hand empfängt. Es ist ein süßer Auflauf, eine symbolische sogenannte Andachtsspeise (prasad) das man gleich isst. Dies wird in einer besonderen Küche gekocht und man es auch kaufen und mit nach Hause nehmen.

Hier wird das süße Prasad gekocht
Hier wird das süße Prasad gekocht
Foto: G. Jontes
Verteilung des Prasad in die Hand
Verteilung des Prasad in die Hand
Foto: G. Jontes