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Türkise – Tibets Zierde für Götter und Menschen#

von

G. Jontes

Alle Aufnahmen erfolgten durch den Verfasser in den Jahren 1991, 1993, 1995, 1999 und 2000 in den Tempeln und Klöstern von Lhasa, Tashilhunpo, Gyantse, Ganden, Drepung, Sera und Samye sowie in der Öffentlichkeit der Städte Lhasa, Shigatse und Gyantse. Die Bilder sind Teil des Archives „Bilderflut Jontes“ unt wurden großzügiger Weise dem Austria-Forum und der Global.Geogrphy.org zur Verfügung gestellt. Einer der schönsten und begehrtesten Halbedelsteine ist der blaugrüne Türkis. Nüchterner ausgedrückt ist er für den Mineralogen einfach ein Kupfer-Aluminium-Phosphat, das rund um die Erde vorkommt und in magmatischen verwitternden Gesteinen zu finden ist, die aus vulkanischer Lava entstanden sind und deren Klüfte und Hohlräume er füllt.

Um ihn zu finden muss man nicht allzutief graben. Darum ist er auch der am frühesten bergmännisch abgebaute Schmuckstein. Schon vor mehr als 3000 Jahren geschah dies in den chinesischen Provinzen Hubei und Yunnan. Marco Polo berichtet auch von Fundstätten in der Provinz Sichuan. Vor zwei Jahrtausenden war für den Westen die wichtigste Quelle der Türkis aus der persischen Provinz Chorasan. Von hier aus gelangte er dann in die Türkei und über Fernhandelswege bis nach Westeuropa.

Im 13. Jahrhundert findet man in Frankreich die Namensform Turkoys, im 15. deutlicher erklärend Pierre turquoise „Türkischer Stein“. Für die tibetische Juwelierkunst ist dieser Stein unabdingbar und hier wurden und werden vor allem afghanische Türkise verarbeitet. Tibetischer Schmuck und die Auszierung von Götterbildern geschieht oft gemeinsam mit weiteren mineralischen Importen von weit her: Bernstein von den europäischen baltischen Küsten und die prachtvolle Edelkoralle aus dem Indischen Ozean. Am deutlichsten sticht in diesen Kombinationen immer der Türkis hervor.

Seine kristalline Struktur wurde von der Wissenschaft erst sehr spät entdeckt und ist nur im fast mikroskopisch kleinen Bereich zu erkennen. Daher ist die übliche Verarbeitungsform à la cabochon, zu deutsch die „gekugelte“. In Tibet tragen die festlich gekleideten Frauen Türkise im Haar oder als Brustgeschmeide.

Verschwenderisch geht es aber im kultischen Bereich her. Die Bodhisattvas, für die tibetischen Buddhisten Erleuchtungswesen, die aus eigener Kraft das bodhi, die Erleuchtung erlangt haben, aber weiterhin auf das nirvana verzichten, um den leidenden Kreaturen beizustehen, sind da besonders zahlreich vertreten. Vor allem die Kronen ihrer Statuen in den Tempeln sind prächtigst mit Türkisen ausgestattet. Auch die Transzendenten Buddhas, die so weit entrückt sind, dass sie die Gebete der Menschen nicht mehr hören und nur mehr als Vorbilder empfunden werden, strotzen vor diesem Mineral. Auch die Patriarchen des Lamaismus, allen voran der Schöpfer dieser Form des nördlichen Buddhismus Padmasambhava und die Abbilder der Taras, weiblicher Bodhisattvas sind damit verschwenderisch geschmückt. Und selbst die furchterregenden Schutzgottheiten mit ihrem dämonenbannenden zornerfüllten Gesichtsausdruck prangen mit der blaugrünen Kostbarkeit aus Asiens Bergen.

Schließlich sind es auch die Grabstupas in den Klöstern, in welchen die Äbte, die Rimpoches, inkarnierte Buddhas und Bodhisattvas einbalsamiert beigesetzt sind, mit Türkisen besetzt, als die prächtigsten die der Dalai Lamas in ihrer Winterresidenz, dem Potala zu Lhasa.

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Der Jowo, Tibets heiligste Statue im Tempel des Jokhang zu Lhasa#

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Die Grabstupas der Dalai Lamas im Potala zu Lhasa und ihre Zier#

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Der Zahn des Tsongkhapa#

Das Reliquiar mit einem Zahn des des Tsongkhapa, des Begründers des reformatorischen Gelugpa-Ordens Tsongkhapa, der sogenannten Gelbmützen, deren höchste spirituelle Autorität der Dalai Lama ist. Während der von den chinesischen Besatzern organisierten und in Tibet besonders zerstörerisch wütenden kommunistischen Kulturrevolution beschädigt, konnten diese Bilder des Reliquiars im Kloster Ganden 1995 noch aufgenommen worden. Beim nächsten Besuch 1999 war das kostbare Stück bereits nicht mehr da. Die chinesischen Autoritäten hatten es eingezogen.

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Wie wehrt man sich gegen karge Landschaften?#

Man hat den Eindruck, dass in den so kargen Landschaften Tibets, der Mensch an sich selber einen Ausgleich dazu sucht. Das Schmuckbedürfnis hat deshalb hier besondere Höhen erklommen und besonders Frauen sind es, die ihre Kleidung mit üppigem Schmuck akzentuieren, an welchem der Türkis eine besondere Rolle spielt. Die Männer sind da zurückhaltender. Sie tragen nur den solitären Ohrring mit Türkis und Koralle.

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