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"Es gibt hier wenig zum Investieren"#

Der Auslandsösterreicher und Vater des Acorn-Computers finanziert nun vor allem junge Tech-Unternehmen#


Von der Wiener Zeitung (Freitag, 23. November 2012) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Konstanze Walther


Hermann Hauser lebt seit 40 Jahren in Cambridge und gründete über 100 Firmen.#

Hermann Hauser
"Teams sind wichtiger als Technologie", meint Hauser.
© uk embassy

"Wiener Zeitung":Sie gelten als Serien-Investor am Tech-Sektor. Was sind Ihre Auswahlkriterien, wenn Sie in ein Start-Up investieren?

Hermann Hauser: Einerseits sind es die Größe und die Wachstumsraten des Marktes. Sonst kann das Produkt noch so gut sein, aber das Unternehmen wird nicht substanziell werden. Deswegen kommt für mich der Markt zuerst. Als zweitwichtigstes Merkmal hat sich für mich in all den Jahren das Team herauskristallisiert. Das war für mich eine Überraschung, vor allem weil ich so Technologie-fokussiert bin. Aber ich habe schon so oft gesehen, dass ein erstklassiges Team mit einem drittklassigen Produkt besser ausgestiegen ist, als ein erstklassiges Produkt mit einem drittklassigen Team. An dritter Stelle kommt eine verteidigbare Position, die man besetzen kann.

Welches Projekt ist derzeit am erfolgreichsten?

Am meisten Fortschritte macht das Unternehmen ARM, ein Spin-Off von Acorn, meiner ersten Firma. ARM produziert einen Prozessor, der vergangenes Jahr neun Milliarden mal verkauft worden ist. Das ist mehr, als es Menschen auf der Welt gibt. Das liegt daran, dass in jedem iPhone, jedem iPad, jedem Smartphone fünf von diesen Prozessoren zu finden sind. Wir haben 97 Prozent Marktanteil bei den Mobiltelefonen. Der Grund, warum man trotzdem Intel kennt und nicht uns, liegt daran, dass Intel Werbung macht und wir uns auf die Chip-Produzenten konzentrieren, die unsere Kunden sind. Sie sehen, wir sind sehr stolz auf ARM.

Sie sammeln Kapital und investieren es über Ihren Venture Capital Fonds in europäische Technologie-Unternehmen. Wo steckt das Geld?

Ich bin einer der wenigen Menschen in England, die schon in mehr als 100 Unternehmen investiert haben. Derzeit steckt die Hälfte unseres "Amadeus"-Risikokapitals in Großbritannien, vor allem in Unternehmen in Cambridge und London. Der Rest ist in Schweden und Irland.

Ihr Fonds nennt sich "Amadeus". Trotzdem haben Sie keine Investments in Österreich. Wieso?

Es gibt hier wenig zum Investieren. Das hängt mit dem Cluster-Effekt zusammen, den Ballungsgebieten von Know-how und Technologie - so wie wir in Cambridge einen haben, so wie es Sophia Antipolis in Südfrankreich gibt. Die Mutter aller Cluster ist das Silicon Valley in Kalifornien, das von den Militärausgaben für Halbleiter-Industrie profitiert hat und schließlich Stanford und Berkeley in der Nachbarschaft hat.

Ohne dieses Umfeld ist es für individuelle Unternehmen als Einzelkämpfer viel schwieriger, einen Anfang zu schaffen. Es ist nicht unmöglich, aber es ist einfach viel schwieriger. Zudem gibt es in Österreich keine Weltklasse-Universität. Die Universitäten sind überlaufen und haben zu wenig Geld. Jetzt gibt es mit dem IST (Institute of Science and Technology) in Österreich zumindest den Versuch, eine gute Universität zu haben. Trotzdem: Es dauert. In Cambridge haben wir vor Kurzem das fünfzigjährige Bestehen des Technologie-Clusters gefeiert.

Sie sind seit 2009 im Berater-Komitee der britischen Regierung zu "New Industry". Was haben Sie vorgeschlagen?

Die britische Regierung hat anlässlich unseres Reports 200 Millionen Pfund in den Bau von sechs oder sieben Technologie Center gesteckt, die als Verbindung zwischen Forschung und erfolgreichen Unternehmen agieren. Das liegt daran, dass gerade wenn man einen kompletten Technologie-Durchbruch erzielt hat, dauert es manchmal zehn Jahre, bis das Produkt in der Wirtschaft ankommt. Aber Venture Capital Fonds laufen nur zehn Jahre. Wir können so etwas also nicht alleine finanzieren, wir brauchen die Unterstützung der Regierung. Meine Empfehlung war, dass zwei Drittel des Geldes von der Regierung kommen, und ein Drittel von Privaten. Das ist dieselbe Finanzierung, wie sie die Fraunhofer-Gesellschaft in Deutschland anwendet.

Was würden Sie den österreichischen Gesetzgebern empfehlen?

Steuernachlässe. In Großbritannien gibt es starke Steuervorteile für Forschung und Entwicklung (F&E). Wenn ein Unternehmen F&E betreibt, kann es von der Regierung das Geld, das es für F&E ausgegeben hat, bar zurückbekommen. Das hat Unternehmen dazu angespornt, F&E nie zu vernachlässigen und war so erfolgreich, dass die Regierung nun für kleine Unternehmen die Rückerstattung auf 225 Prozent erhöht hat. Wenn Sie 100 Pfund für F&E ausgeben, bekommen Sie 225 Pfund zurück. Zudem wurde die Kapitalertragssteuer herabgesetzt. Und wegen unseres Reports dürfen jetzt auch Pensionsfonds in Venture Capital investieren, die wiederum in Technologie-Unternehmen investieren. Es ist jetzt einfacher, an Geld heranzukommen.

Sie sind 1973 nach Großbritannien gegangen und geblieben. Warum?

Ich habe meinen PhD in Cambridge abgeschlossen und dann gab es die Möglichkeit, ein Unternehmen zu gründen. Es war dort so einfach. Damals hätte eine Unternehmensgründung in Österreich um die 10.000 Schilling gekostet. Ich hatte keine 10.000 Schilling. In Großbritannien waren es hundert Pfund. Ein Freund hat mich gefragt, ob ich 50 Pfund habe, und so haben wir Acorn Computers gegründet.

Hermann Hauser wurde in Wien geboren. Nach dem Grundstudium der Physik ging er für seinen PhD nach Cambridge. Ein einflussreiches Technologiemagazin reihte Hauser 2010 auf Platz 51 der 100 wichtigsten Wissenschafter. Er ist Mitglied der Royal Society und war auf Einladung der britischen Botschaft und der WKO in Wien.

Der Apple Großbritanniens: Acorn#

(kuc) Acorn Computer war ein von Chris Curry und Hermann Hauser gegründetes britisches Computerunternehmen, das aufgrund seiner Innovationen auch oft als "Apple Großbritanniens" bezeichnet wurde. In den 80er und 90er Jahren wurden beliebte Computer und Set-Top-Boxen gefertigt, etwa der BBC Micro und der Acorn Archimedes. Trotz des großen Erfolgs kam das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und zählt heute zu den Top Ten der gefallenen IT-Giganten.

Doch die Innovationen von Acorn leben weiter: So ist der vom Unternehmen entwickelte RISC-Processor "ARM" (früher Acorn Risc Machine, jetzt Advanced Risc Machine) bei verschiedenen Hardwareherstellern vor allem aufgrund seiner stromsparenden Eigenschaften sehr beliebt. Unter anderem verbaut Apple die ARM-Technologie in seinen iPhone- und iPad-Modellen.

Dabei war RISC zunächst eine Notlösung. Das Unternehmen konnte in den 80er Jahren keine leistungsstarken Prozessoren (die technischen Herzstücke - das "Gehirn" eines Computers) für seine Produkte finden und entwickelte so ein eigenes Modell. RISC steht für "Reduced instruction set computing" und bezeichnet eine spezielle Architektur. Auf Basis eines eigenen Betriebssystems entwickelte Acorn dann einen Prozessor, der bis heute Verwendung findet.

Wiener Zeitung, Freitag, 23. November 2012