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Choreographie des Walzers vom Ländler zum Wiener Walzer#

Fortsetzung

Der Langaus#

Ein noch rasanteres Tempo brachte der sogenannte Langaus, eine Variante des Deutschen, der die bisher geschlossene Formation der Tänzer durchbrach. Jedes Paar durchmaß nun individuell mit großen Geh- und Drehschritten den Raum der Länge nach oder diagonal auf einer ovalen Bahn, während die anderen warteten und mit Abstand folgten. Dem einzelnen Paar war somit erstmals ein größerer Spielraum zur freien Gestaltung seines Tanzes gegeben.

Daß diese Freiheit und Ausgelassenheit nicht überall Anklang fand, läßt sich aus der ablehnenden, fast entrüsteten Stellungnahme des Dichters und Zeitungsherausgebers Adolf Bäuerle ablesen, die eine gute, wenn auch übertriebene Schilderung der Choreographie bietet:

"Der Langaus erfordert die größte Bravour. Dieser schändliche Tanz stellt dem Tänzer die Aufgabe, sich mit seiner Tänzerin im rasenden Walzer von einer Ecke des Saales nach der entgegengesetzten zu drehen, bis etwa ein Lungenflügel gelähmt wurde oder ein Blutschlag eintrat. Wenn es bei einer Tour geblieben wäre! Aber sechs-achtmal mußte der Kreis ohne zu rasten beschrieben werden. Dabei gab es Menschen, die sich anheischig machten, zwölfmal in einem Atem die Langaustour auszuführen."
(Zit. nach Witzmann, Reingard, Wiener Walzer und Wiener Ballkultur. In: Bürgersinn und Aufbegehren. Biedermeier und Vormärz in Wien 1815-1848, S.133)

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